Coronavirus
Der Männerchor in Reinach singt wieder: Wie gefährlich das ist, bleibt unklar

Singen galt während Corona plötzlich als gefährlich. Unklar bleibt, wie hoch die Ansteckungsgefahr durch Viren in Luftpartikeln ist. Der Chorleiterverband Nordwestschweiz spricht sich dennoch für eine Wiederaufnahme der Proben aus.

Zara Zatti
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Singen in Zeiten von Corona: Abstand ist ein Muss und frische Luft ist ein Muss.

Singen in Zeiten von Corona: Abstand ist ein Muss und frische Luft ist ein Muss.

Andrea Stalder

Das Singen im Chor geriet während der Corona-Pandemie in Verruf. Das, weil sich mehrere Choristen beim Proben oder an Konzerten mit dem Virus infiziert hatten. In Amsterdam steckten sich im März über 100 Sänger mit dem Virus an, vier Personen starben in der Folge.
Singen galt plötzlich als gefährlich. Also verstummten auch die Chöre in der Region Basel. Viele Vereine verzichteten bis anhin auf das gemeinsame Musizieren. Das, obwohl der Bundesrat Chorproben seit dem 6. Juni mit Schutzmassnahmen wieder erlaubt.

Geduld der Chorleiter ist am Ende

Noch Ende Mai zeigte sich der Chorleiterverband Nordwestschweiz vorsichtig gegenüber der Pandemie. In einer Mitteillung vom 27. Mai empfahl er noch bis Mitte August auf das Proben vor Ort zu verzichten. Das, weil das Risiko einer Luftübertragung ungewiss sei. Es sei unklar, inwiefern das Virus durch Luftpartikel, also ohne direkten Kontakt mit Tröpfchen, übertragen werden könne. «Bis Mitte August ist diesbezüglich mit grossen Fortschritten in der Forschung zu rechnen, um das Risiko besser einschätzen zu können», hiess es damals in der Mitteilung.

Nun ist es Mitte August und die Geduld der Chorleiter scheint am Ende zu sein. So spricht sich der Verband jetzt für eine Wiederaufnahme des Chorbetriebs mit Schutzmassnahmen aus. Ist das gemeinsame Singen also gänzlich ungefährlich? «Im Moment kann zwar noch nicht völlig entwarnt werden, es sollte aber möglich sein, unter Einhaltung eines Schutzkonzepts wieder zu singen», sagt David Rossel, Präsident des Chorleiterverbandes Nordwestschweiz. Zwar sei die Ansteckungsmöglichkeit durch Luftpartikel, sogenannte Aerosole, noch nicht abschliessend geklärt. Trotz Unklarheiten und wieder leicht ansteigenden Fallzahlen hält Rossel eine Wiederaufnahme aber für wichtig: «Es kann nicht mehr so weiter gehen». Es sei ein guter und sinnvoller Zeitpunkt für die Schweizer Chorszene in der neuen Normalität einen Platz zu finden und zu beanspruchen.

Masken sind beim Singen ungünstig

Der Chorleiterverband verweist auf das Schutzkonzept der Schweizerischen Chorvereinigung. Danach gilt: Ein Mindestabstand von 1.5 Metern, regelmässiges Lüften und Verzicht auf Ausspracheübungen wie etwa das Wiederholen von Konsonanten . Auch auf die Möglichkeit von Masken wird hingewiesen. Für Karl Heinz Hohl , Präsident des Männerchors Reinach keine Option: «Zum Singen geht das nicht, das tönt einfach nicht gut.» Der Männerchor probt heute nach mehrmonatiger Pause zum ersten Mal wieder. Um abzuschätzen, ob die Mitglieder überhaupt wieder singen wollen, hat der Vorstand eine Umfrage bei den Mitgliedern gemacht. Fazit: 25 von insgesamt 48 Choristen kommen heute an die erste Probe. Die Stühle werden in genügend grossem Abstand aufgestellt, die Türen bleiben offen.

Während dem Lockdown verwies der Chorleiterverband auf die Möglichkeit via Zoom von zu Hause aus zu proben. In einem YouTube Video musizieren 70 Chorleiter zusammen. Für den Männerchor Reinach war das keine Alternative: «Viele von unseren Mitgliedern sind schon älter, sie hatten das nötige Equipement gar nicht», sagt Hohl. Umso mehr freut er sich heute wieder mit seinen Kollegen zu singen.