Allschwil
Der absurde Kampf um einen Vereinsnamen spitzt sich zu

Er ist eine Abspaltung des Allschwiler Kunst-Vereins, trägt aber denselben Namen – Rache meinen die einen, die Konsequenz für ungebührliches Verhalten die anderen.

Julia Gohl
Drucken
Teilen
Internationale Kunst im Dorf: Print-Screen des Films zu «Landart», dem aufwendigsten Projekt des 1980 gegründeten Allschwiler Kunst-Vereins.

Internationale Kunst im Dorf: Print-Screen des Films zu «Landart», dem aufwendigsten Projekt des 1980 gegründeten Allschwiler Kunst-Vereins.

bwi

Wenn die «Kunstwelt von Paris bis Berlin, von London bis New York und Toronto, von Schanghai bis zu den Arabischen Emiraten und zu Riad» zurzeit nach Allschwil blickt, dann nicht etwa, weil ein aussergewöhnlicher Künstler den Weg in die grösste Baselbieter Gemeinde gefunden hat. Nein, die Kunstwelt schaut zu, wie sich zwei Dorfvereine juristisch bekriegen.

Davon scheint zumindest Rudolf Jelk überzeugt. Denn die weltweite Zuordnung stammt aus seiner Stellungnahme zur Klage, welche der Allschwiler Kunst-Verein (AKV) gegen Jelks Verein eingereicht hat. Wie dieser heisst? Allschwiler Kunst-Verein!

Zurück geht diese verwirrende Situation auf die Generalversammlung (GV) im März, an welcher sich eine Gruppe um Jelk und die damaligen Vorstandsmitglieder bei der Wahl des Vorstands nicht einig wurden. Ausserdem schloss der AKV damals drei Mitglieder aus. Kurz nach dieser Versammlung war Jelk plötzlich Präsident des Allschwiler Kunst-Vereins. Nur nicht von jenem, der drei Tage zuvor die GV durchgeführt hatte. Stattdessen wurde ein neuer Verein mit dem exakt gleichen Namen gegründet und kurz darauf ins Handelsregister eingetragen.

Juristischer Kampf um Namen

Seither führt der alte AKV in seinem Briefkopf sowie in der Lokalzeitung der Gemeinde jeweils den Anhang «gegründet 1980», damit man ihn von der 2016er-Version unterscheiden kann. Gerne würde er dem Doppelspiel allerdings ein Ende bereiten. Deshalb hat er nach gescheitertem Gang zum Friedensrichter Klage beim Zivilgericht eingereicht.

Das Hauptanliegen dabei: Der neue AKV soll die Benutzung des Namens Allschwiler Kunst-Verein unterlassen und den Eintrag im Handelsregister löschen. Doch Jelk denkt gar nicht daran, dies zu tun. «Wenn sich der Kläger vom Beklagten abheben will, soll er bitte seinen Namen abändern», schreibt er in seiner Stellungnahme zuhanden des Zivilgerichts, die er nun auch den Medien zukommen liess. Bereits vorher hatte er den alten Kunst-Verein ersucht, den Namen, den dieser seit 1980 trägt, zu ändern. In seiner Stellungnahme betont Jelk, dass es sich dabei um eine Bitte und nicht um eine Forderung handelt. Dies weil der ursprüngliche AKV «sich auch Allschwiler Kunst-Verein nennen darf, wenn er das will».

Für Jean-Jacques Winter, Vorstandsmitglied des alten AKV, ist dies alles «völlig absurd». «Wir ändern unseren Namen bestimmt nicht», sagt er. «Wir sind seit 36 Jahren ein fester Bestandteil der Gemeinde Allschwil, haben uns einen Namen gemacht.» Er ist überzeugt, vor Gericht zu reüssieren. Denn auch der Anwalt des AKV sei überzeugt, dass das «schlitzohrige Stehlen» des Vereinsnamens und die schnelle Eintragung im Handelsregister vor Gericht nicht durchkommen.

«Wie Hans Muster»

Jelk ist indes sicher, dass der Name «Allschwiler Kunst-Verein» «nicht schützbar» sei. «Die Kombination des Adjektivs ‹Allschwiler› mit dem Sachbegriff ‹Kunst-Verein› oder ‹Kunstverein› hat keine Originalität und keinerlei geistige Erfindungshöhe und ist ohne geistige Schöpfungsleistung», begründet er in seiner Stellungnahme und legt einen Vergleich nach: «Mit den Allschwiler Kunst-Vereinen ist es wie beim berühmten Hans Muster oder Fritz Meier, die es mehrfach gibt. Jeder von diesen kann im Übrigen seine Namensgebung vervielfältigen, indem sie sämtliche ihrer Söhne wiederum als Hans und Fritz im Zivilstandsregister eintragen lassen ... Und auch den Nachbarn Peter Müller geht es nichts an, wenn der Peter Müller aus dem oberen Stock seine drei Buben auch Peter Müller tauft.»

Noch weiss der alte AKV nicht, was er machen wird, sollte ihm das Gericht nicht Recht geben. Man warte erst den Entscheid des Kreisgerichts ab und werde anschliessend die Mitglieder des Vereins informieren sowie das weitere Vorgehen besprechen. Erst dann würde man an die Öffentlichkeit gelangen, so Winter. Jelk gehe es lediglich um Rache. Der aktuelle Plan sei dabei wohl mit teuren Gerichtsverfahren dem 1980 gegründeten AKV finanziell zu schaden. «Unsere Mittel sind begrenzt, während der 2016 gegründete AKV immer wieder betont, für ihn sei Geld kein Thema.»

Wer sich schämt, darf mitmachen

Er sei für das Prinzip «leben und leben lassen», so Jelk. Im Juni sagte der Jurist zur bz, dass es ihm bei der Wahl des Namens nicht um Provokation gehe. In seiner Stellungnahme hält er immerhin fest, dass der 1980 gegründete AKV wissen sollte, «was sein ungebührliches Verhalten für Konsequenzen haben kann und dass da eben nicht nur mit Austritten reagiert wird». Trotzdem: Der Aufnahme von ehemaligen oder sogar aktuellen Mitgliedern des Original-AKV ist er nicht abgeneigt. Bedingung ist allerdings, dass diese das Verhalten des alten AKV «missbilligen, sich dagegen wehren, sich dafür schämen» oder Ähnliches. Und weiter: «Denn vernünftige Leute weiss der Beklagte zu schätzen.» Vernunft zu schätzen, wüssten wohl auch die Zaungäste dieses Kleinkriegs.

Aktuelle Nachrichten