Pratteln
«Dem Z7 stehen doch in Zukunft eher mehr Parkplätze zur Verfügung»

Die «Konzertfabrik» soll angeblich aus Pratteln verdrängt werden. Z7-Chef Norbert Mandel wirft der Gemeinde konkret vor, ihm alle bisherigen Parkplätze auf Brachgrundstücken in der Nachbarschaft zuzubauen und ihn mit dem Nachbarn OBI einzuengen.

Boris Burkhardt
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Prattelns Gemeindepräsident Beat Stingelin mag das Z7. Er findet aber, auchKulturbetriebe sollten demokratische Entscheide respektieren.

Prattelns Gemeindepräsident Beat Stingelin mag das Z7. Er findet aber, auchKulturbetriebe sollten demokratische Entscheide respektieren.

Das Z 7 in Pratteln ist weit über die Region hinaus ein Name in der Metal und Hardrock-Szene. Das wird spätestens deutlich, wenn man einen Blick auf die Facebook-Seite der «Konzertfabrik», so nennt sich das Z7, wirft. Seit über zehn Tagen gibt es dort Solidaritätsbekundungen aus dem ganzen süddeutschen Sprachraum, weil das Z 7 angeblich aus Pratteln verdrängt werden soll. Sogar eine Demonstration wird erwogen.

Konkret wirft Z 7-Chef Norbert Mandel der Gemeinde vor, ihm alle bisherigen Parkplätze auf Brachgrundstücken in der Nachbarschaft zuzubauen und ihn in einigen Jahren mit dem neuen Nachbarn OBI einzuengen. Die bisherige Sackgasse Kraftwerkstrasse, die direkt vor der Konzerthalle liegt, soll zu einer Durchgangsstrasse zum Gartenbaumarkt ausgebaut werden. Mandel sucht deshalb nach eigener Aussage schon nach einem Ersatzstandort für seine Konzerthalle (die bz berichtete).

Prattelns Gemeindepräsident Beat Stingelin nimmt in der bz Stellung zu den Vorwürfen.

Herr Stingelin, jeder Discounter muss heute Parkplätze ausweisen können, um eine Baugenehmigung zu erhalten. Warum durfte eine Konzerthalle mit Platz für 1500 Besucher ohne einen einzigen Parkplatz gebaut werden?

Beat Stingelin: Das weiss ich nicht. Das Z 7 ist seit 1994 so gewachsen. Offensichtlich wurden vor 20 Jahren keine Auflagen an einen solchen Betrieb gestellt. Das war aber vor meiner Zeit.

Warum nimmt die Gemeinde dem Z 7 nun Parkplätze weg?

Ich verstehe dieses Argument nicht. Mit OBI als Nachbar stehen doch in Zukunft eher mehr Parkplätze zur Verfügung als jetzt. Herr Mandel müsste nur Verhandlungen mit den umliegenden Einkaufszentren aufnehmen. Wenn er bei jedem nur 50 Parkplätze anmietete, hätte er genug für seine Gäste. Aber offensichtlich hat er kein Gehör dafür, dass es Parkplätze heute nicht mehr umsonst gibt. Ich bin überzeugt, dass die Besucher gerne dafür zahlten.

Aber Norbert Mandel argumentiert, dass er die Parkplätze nicht nutzen könne, weil die Fans schon ab 18 Uhr anreisten.

Das kann ich nicht beurteilen. Ich nehme aber nicht an, dass noch alle Parkplätze zu dieser Zeit besetzt sind. Da könnte man sicher einen Modus Vivendi finden.

Mandel wirft der Gemeinde vor, ihn verscheuchen zu wollen und sein Projekt, das Z 7 zu erweitern, ignoriert zu haben.

Das halte ich für keinen fairen Umgang. Für die neue Bebauung gibt es einen rechtsgültigen Entscheid des Einwohnerrats. Zudem gab es einen Volksentscheid, die Altlasten auf dem zukünftigen OBI-Gelände für acht Millionen Franken zu sanieren. Dagegen hat Mandel eine Beschwerde eingereicht, die vom Kanton abgelehnt wurde. Wir alle in Pratteln schätzen das Z 7 sehr; Herr Mandel bringt tolle Bands nach Pratteln. Aber auch als Künstler sollte er demokratische Entscheidungen respektieren.

Müsste sich die Gemeinde nicht mehr für ihren Kulturstandort einsetzen? Würden Sie Syngenta oder Clariant auch mit Verweis auf die Demokratie abspeisen, wenn die Extrawünsche hätten?

Das würde ich genauso tun. Es wäre wie gesagt heute gar nicht mehr möglich, ohne Parkplätze zu bauen. Mich stört in erster Linie, dass Herr Mandel nun die Schuld der Gemeinde gibt, obwohl wir nur einen Volksentscheid umsetzen. Herr Mandel geht regelmässig auf der Gemeindeverwaltung ein und aus, wenn er Konzerte anmelden muss. Und wir haben in der Vergangenheit mehr als ein Auge zugedrückt bei Lärmbeschwerden, die zum Teil bis aus Grenzach-Wyhlen kamen. Ihm fehlt der Blick auf das Ganze. Er denkt nur an sich; und alle anderen sind gegen ihn. Das finde ich schade.

Sie klingen wirklich verärgert.

Ich ärgere mich nicht über Herrn Mandel. Ich ärgere mich über diesen unfairen Umgang mit uns als Gemeinde. Was soll ich der Prattler Bevölkerung sagen: «Tut mir leid, ihr habt falsch entschieden, weil es Herr Mandel nicht will?» Ich gönne dem Z 7 die Solidarität und die Unterstützung, die es mit seinem Aufruf auf Facebook erreicht hat. Es ist aber schade, dass Herr Mandel dort nur seine Beschwerde veröffentlichte, nicht aber die abschlägige Antwort des Kantons.

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