Eissportzentrum
David Senn: «Das allgemeine Echo war schon fast zu euphorisch»

Der Therwiler ETH-Ingenieur David Senn sorgt mit einen Projekt für Aufsehen. Er schlägt ein neues Eissportzentrum als Anbau der bestehenden St. Jakob-Arena vor. Im Interview mit der bz erklärt er seine Idee.

Bojan Stula
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Vor einer Woche stellte die bz die Pläne für ein neues Eissportzentrum als Anbau der bestehenden St. Jakob-Arena vor. Die Idee stammt vom Therwiler ETH-Ingenieur David Senn (34), der eine Alternative zur bis zu 90 Millionen Franken teuren Sanierung der bestehenden Basler Kunsteisbahnen Margarethen und Eglisee lancieren wollte.

David Senn

David Senn

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Sein Konzept einer zentralen Bewirtschaftung aller Basler Eissportflächen sorgt seither für viel Aufsehen und Diskussionen.

Herr Senn, vor einer Woche hat die bz über Ihren Entwurf eines Eissportzentrums St. Jakob berichtet. Was ist seither geschehen?

David Senn: Im Anschluss an die Berichterstattung der bz habe ich Dutzende von Reaktionen mit sehr unterschiedlichem Inhalt bekommen. Es reichte von begeisterten Rückmeldungen über Angebote zur Mithilfe bis hin zu eher skeptischen Kommentaren. Darüber hinaus hatte ich intensive Kontakte mit verschiedenen Exponenten von Basler Eissportvereinen.

Ist nach dieser Woche, in der auch alle regionalen Medien das Thema aufgegriffen haben, die Realisierung Ihrer Vision irgendwie näher gerückt?

Mein Eindruck ist, dass mein Projekt in der Öffentlichkeit hohe Akzeptanz geniesst. Das allgemeine Echo war schon fast zu euphorisch. Die Verantwortlichen der St. Jakob-Arena sind sehr an einem Ausbau interessiert, die Eissportvereine ebenso. Die Frage ist, ob in der Politik mit der Sanierung der beiden Kunsteisbahnen Margarethen und Eglisee bereits eine andere Zielrichtung vorgegeben ist, von der die Verwaltung nicht abrücken möchte. Aus Kreisen der Basler Politik habe ich noch kein direktes Feedback erhalten.

Welche zusätzlichen Hindernisse sind in der vergangenen Woche aufgetaucht, an die Sie zuerst nicht gedacht hatten?

In den Quartieren hängt man sehr an den Eisbahnen Margarethen und Eglisee. Das ist ein Faktor, den ich unterschätzt habe. Dann gibt es verschiedene technische Fragen, die noch der Abklärung bedürfen – etwa die Frage, wohin die Kunstrasenfelder verlegt werden können, auf denen ich das Eissportzentrum vorgesehen habe. Auch ist noch unklar, ob die Margarethen-Tribüne ein denkmalgeschützter Bau ist, und was man mit dem Gebäude machen kann, wenn keine Kunsteisbahn mehr dort ist. Diesen Fragen will ich nachgehen.

Wegen der Verbundenheit zu ihrer Kunschti haben Quartiervereine bereits Widerstand gegen eine Schliessung angekündigt. Haben Sie eine Lösung für dieses Dilemma?

Man muss die Nutzung der Basler Eisbahnen unterscheiden in den Publikumslauf für die Bevölkerung und die sportliche Nutzung durch die Vereine. Den Publikumslauf sollte man in den Quartieren weiterführen und den Sport im Joggeli konzentrieren. Die Vereine haben mir bestätigt, dass sie für den Umzug in ein neues Eissportzentrum St. Jakob bereit wären.

Was bedeutet das konkret für das Eglisee und die Margarethen-Kunschti?

Im Eglisee ist die Lösung einfach. Es gibt ein offenes Eisfeld, das im Zuge der allgemeinen Sanierung der Anlagen instand gesetzt wird. Im Margarethen wäre die Lösung ein mobiles Eisfeld auf der Wiese vor dem Gebäude. Dazu ein kleines Infrastruktur-Gebäude mit integriertem Café, das man auch im Sommer ergänzend zum Kinderspielplatz nutzen kann. So hätte man an beiden Standorten im Winter ein offenes, nicht gedecktes Eisfeld. Das Ambiente des Eislaufs unter freiem Himmel entspricht offenbar einem sozialen Bedürfnis, während die Eissportler eine gedeckte Eisfläche benötigen.

Ihr ursprüngliches Ziel war aber, Kosten zu sparen, indem alle Eisflächen in einem Zentrum neben der St. Jakob-Arena konzentriert werden. Davon bleibt nicht viel übrig, oder?

Doch. Ich habe mein Projekt entsprechend überarbeitet und komme jetzt auf ein Total von 35 Millionen Franken. Das ist zwar viel mehr als die ursprünglich von mir angedachten 20 Millionen, doch der Mehrpreis ist dem Kompromiss geschuldet, weiterhin Eislauf in den Quartieren anzubieten. Im Vergleich zu den Sanierungskosten von über 60 Millionen ist das immer noch viel günstiger. Das überarbeitete Konzept habe ich auf einer eigens dafür eingerichtetem Homepage aufgeschaltet. Auf der Seite www.eiszukunft-basel.ch kann man auch über das Projekt mitdiskutieren.

Wie sieht Ihr weiterer Zeitplan aus?

Nächste Woche ist die Zukunft der bestehenden Eisbahnen offenbar ein Traktandum an der Sitzung der Basler Regierung. Ich hoffe, dass die Öffentlichkeit anschliessend informiert wird, wie es mit den Basler Eisflächen weitergeht und ob meine Idee von öffentlicher Seite aufgegriffen wird. Es wäre für mich ein grosser Erfolg, wenn in die laufende Machbarkeitsstudie mein Projekt einfliessen könnte und von offizieller Seite geprüft würde. Entsprechend möchte ich den Kontakt zu den betroffenen Kreisen und der Politik aufrechterhalten. Anderseits könnte es ebenso gut passieren, dass sich mein Konzept in Luft auflöst.

Eiszukunft Basel Das vollständige Konzept finden Sie unter www.eiszukunft-basel.ch.