Ormalingen
Das Milchhüsli läuft aus – Ende Juni schliesst der Dorfladen zum letzten Mal seine Türen

Lucas Huber
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Immerhin werden die Milchhüsli-Angestellten von der Ormalinger Filiale des Spar übernommen.

Immerhin werden die Milchhüsli-Angestellten von der Ormalinger Filiale des Spar übernommen.

Lucas Huber

Wäre die Milchgenossenschaft Ormalingen ein gewinnorientiertes Unternehmen, das seinen Eignern Dividenden auszuschütten hätte, sein Steckenpferd, das Milchhüsli, wäre wohl längst geschlossen. Doch eine Milchgenossenschaft ist kein anonymer Konzern, sondern ein Zusammenschluss von Familien – dörflicher Kitt, wenn man so will.

Darum hat sie ihren Dorfladen weitergeführt, auch wenn die Zahlen schon lange nicht mehr stimmen. Selbst dann noch, als das Kerngeschäft aufgegeben wurde: die Milch. Sie zu sammeln, zu verarbeiten und zu vermarkten, das ist das Lebenselixier einer Milchgenossenschaft, ihr Daseinsgrund.

Seit 2010 tut sie das aber nicht mehr. Seither liefern die Ormalinger Milchbauern nicht mehr als Genossenschafter, sondern als Einzelunternehmer. Das hat mit den Abnehmern zu tun, mit Transportern, die die abgelegenen Höfe nicht mehr anfahren, mit neuen Auflagen, kurz: mit dem Lauf der Zeit.

Was blieb, ist das Milchhüsli, Farnsburgerstrasse 60, zwei Mitarbeiterinnen, rote Zahlen. Es war 1959, als die Genossenschaft ihre Liegenschaft um- und ausbaute. Was erst nur Annahmestelle war, wuchs beständig, zum Verkauf von Joghurt, Rahm und Milch kamen Wurst, Gemüse, Obst und Schokolade. Aus der Milchtheke wurde ein Laden.

Keine Nachmieter gefunden

Wann dieser Laden auf seinem Zenit war, kann Roland Schneider nicht sagen. Als das Dorf noch im Dorf einkaufte – und nicht nur den Salatkopf, den man beim Grosseinkauf vergass. Schneider, Präsident der Milchgenossenschaft Ormalingen, nimmt solche Worte nicht in den Mund. Er weiss: Es ist der Lauf der Zeit, die Menschen sind mobil, die beiden orangen Riesen Vollversorger, Discounter günstig und Onlinedienste bequem.

Schneider ist bewusst, dass besagter Zenit längst überschritten ist. Rosig waren die Zahlen des Milchhüsli nie. «Seit zweieinhalb Jahren aber ist der Umsatz dermassen eingebrochen, dass wir keine Alternative sehen», sagt er. Diese Tatsache allein führt aber noch nicht zum Entscheid, den Laden zu schliessen. «Natürlich suchten wir eine Lösung, prüften Zusammenarbeiten, suchten Mieter – erfolglos.»

Am 30. Juni wird das Milchhüsli Ormalingen seine Tür schliessen. Das Timing hängt nicht nur mit den Defiziten zusammen, sondern auch mit dem Ladenleiter, der kürzlich wegzog, und schliesslich der Post, die im Milchhüsli einen Shop unterhält. Dieser wird übrigens nahtlos in die Ormalinger Filiale des Spar übergehen.

Dieser übernimmt auch die beiden Mitarbeiterinnen des Milchhüsli, dafür hat sich Schneider eingesetzt. «Für uns ist es das Wichtigste, dass sie nicht arbeitslos werden», so der Präsident. Sie sind seit vielen Jahren dabei, entsprechend nahe geht ihnen das nahende Ende. So erlebt Schneider auch die Reaktionen aus der Bevölkerung – man fände es schade, verstehe aber den Entschluss.

Ist die Schliessung über die Bühne, wird die Milchgenossenschaft die Liegenschaft verkaufen. Sie hat keine Verwendung mehr für sie. Dann wird sie sich an die Abwicklung ihrer selbst machen.

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