Wirtschaft
Das Laufental wird zum Hightech-Valley

Überraschend hält BAK Basel das Tal für jene Baselbieter Region mit den besten Wachstumsaussichten.

Hans-Martin Jermann
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Clusterbildung: Businesspark Laufental.

Clusterbildung: Businesspark Laufental.

Juri Junkov/Fotograf

Die wirtschaftlichen Kräfteverhältnisse sind im Baselbiet klar verteilt: Fast 85 Prozent der gesamten im Kanton erzielten Wertschöpfung fallen auf die beiden Bezirke Arlesheim und Liestal. Der Anteil der Wirtschaftsleistung der beiden urban geprägten Bezirke ist noch höher als ihr Bevölkerungsanteil, was darauf hinweist, dass es sich um Zupendlerregionen handelt. Dies geht aus einer Analyse des Konjunkturforschungsinstituts BAK Basel im Wirtschaftsbericht der Regierungen beider Basel hervor. Die drei ländlichen Bezirke Laufen, Sissach und Waldenburg sind demgegenüber klassische Wegpendlerregionen mit unterdurchschnittlicher Wirtschaftsleistung und Produktivität. Das alles ist soweit mehrheitlich bekannt.

Plötzlich eine Boomregion?

Aufschlussreich sind hingegen die Wachstumsprognosen, die BAK Basel den einzelnen Baselbieter Regionen stellt: Demnach könnte das Laufental bis 2020 das stärkste Wirtschaftswachstum aller fünf Bezirke erleben. Ebenfalls überdurchschnittlich zulegen wird in den kommenden Jahren der Bezirk Arlesheim, wohingegen Liestal und Waldenburg unter dem durchschnittlichen Jahreswachstum des Kantons von 1,9 Prozent, Sissach gar unter dem Schweizer Durchschnittswachstum von 1,7 Prozent liegen dürften.

BAK Basel erklärt das hohe Wachstum im unteren Kantonsteil und Laufental mit den hohen Branchenanteilen von Pharma und Handel – diese wirken als Wachstumstreiber. Aus Sicht des Kantons kommt die BAK-Prognose «überraschend», wie der Baselbieter Standortförderer Thomas Kübler auf Anfrage einräumt. Dies gilt insbesondere für das Laufental, das nun plötzlich eine Boomregion darstellen soll. Der jüngste Baselbieter Bezirk hat in den vergangenen Jahrzehnten stark unter Restrukturierungen im Industriesektor gelitten; etliche grosse und traditionelle Unternehmen – etwa in der Papierindustrie – schlossen ihre Laufentaler Standorte.

Noch heute weist das Laufental einen stark überdurchschnittlichen Anteil an Beschäftigten im Industriesektor auf (siehe Diagramme rechts). Die Wertschöpfung in der Industrie ist anteilsmässig aber noch höher als die Beschäftigung – was auf eine hohe Produktivität schliessen lässt. Mit anderen Worten: Die heute im Tal ansässigen Industrie-Betriebe sind mehrheitlich international hoch konkurrenzfähig, einige von ihnen zudem mit IT und Kommunikationstechnologie verzahnt, also Hightech.

Die «zukunftsfähige Branchenstruktur» anerkennt auch Kübler, hat er doch vor seiner Zeit im Kanton als Wirtschaftsförderer im Laufental gearbeitet. Dennoch relativiert er die optimistische Prognose von BAK Basel. Diese gehe zum Teil von einem Basiseffekt aus, sprich: Ist die Wirtschaftsleistung in absoluten Zahlen in einem Gebiet wie dem Laufental eher schwach, so lässt sich vergleichsweise schnell ein starkes relatives Wachstum erzielen. «Wir nehmen die BAK-Prognose mit einer gewissen Skepsis zur Kenntnis», sagt Kübler. Auch deshalb, weil die Modellrechnung, die der Wachstumsprognose zugrunde liegt, der Branchenstruktur ein grosses Gewicht beimisst, andere Faktoren aber womöglich zu wenig berücksichtigt.

Das Konjunkturforschungsinstitut bestätigt dies indirekt, indem es im Bericht schreibt, dass das Entwicklungspotenzial einer Region stärker von der Branchenstruktur als von der Zunahme der Bevölkerung bestimmt wird. Aufschlussreich ist in diesem Zusammenhang ein Vergleich zwischen den Bezirken Laufen und Sissach: So weist Letzterer bis 2020 das höchste Bevölkerungswachstum im Baselbiet auf; dies findet aber gemäss BAK Basel kaum Niederschlag in der wirtschaftlichen Entwicklung.

Wirtschaft breit aufgestellt

Insgesamt wird das Wirtschaftswachstum in den kommenden Jahren im Baselbiet erneut geringer ausfallen als in Basel-Stadt; allerdings ist das Wachstum im Landkanton breiter abgestützt und dürfte sich zudem eher verstärken; demgegenüber besteht in Basel ein Klumpenrisiko sowie die Gefahr einer Abflachung der Dynamik. «Die breite Diversifikation ist ein Vorteil der Baselbieter Wirtschaft», sagt Thomas Kübler.

Allerdings wird der Kanton auch in den kommenden Jahren mit den bekannten Schwächen kämpfen: Die Steuerbelastung ist im interkantonalen Vergleich relativ hoch, und die Überalterung der Bevölkerung dämpft die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt. Insgesamt hält der Standortförderer zur BAK-Analyse fest: «Der Wirtschaftsstandort Baselland ist attraktiv, die Rahmenbedingungen sind national wie international betrachtet gut.»

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