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Das Läufelfingerli steht vor dem definitiven Aus, doch das Referendum wird kommen

Die Enttäuschung bei den Läufelfingerli-Fans ist riesig, der Erfolg eines Urnengangs ungewiss.

Michael Nittnaus
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Leere Sitzreihen im Läufelfingerli: So siehts im Zug zwischen Sissach und Olten heute häufig aus.

Leere Sitzreihen im Läufelfingerli: So siehts im Zug zwischen Sissach und Olten heute häufig aus.

Nicole Nars-Zimmer

Wie breit ist das Läufelfingerli im ganzen Kanton Baselland wirklich abgestützt? Diese Frage wurde nach dem Aus der S9 im Landratsfoyer heiss diskutiert. Schliesslich entscheidet sie über Erfolg oder Misserfolg eines Referendums gegen den gestrigen Entscheid.

Dass das Referendum ergriffen wird, gilt als sicher. Zwar verzichteten Vertreter des Komitees «für den öV in den Randregionen» wie der Läufelfinger Gemeindepräsident Dieter Forter (FDP), sein Buckter Amtskollege und SVP-Landrat Peter Riebli oder Grünen-Präsidentin Florence Brenzikofer (Oltingen) auf eine definitive Ankündigung, doch deren Enttäuschung spricht für sich. «Das letzte Wort ist noch nicht gesprochen, wir Grünen werden ein Referendum sicher unterstützen», sagt etwa Brenzikofer.

Am härtesten trifft der Entscheid Dieter Forter. Schliesslich ist seine Gemeinde am stärksten auf Olten ausgerichtet: «Ich bin sehr enttäuscht. Heute wurde alles kaputtgemacht», sagt er zur bz. Und Forter weiss auch, bei wem er sich «bedanken» kann: «Dass nicht alle Landräte im Interesse ihrer Gemeinde gestimmt haben, macht mich richtig sauer.»

Peter Riebli hat als einer der wenigen Bürgerlichen für das Läufelfingerli gestimmt. Er ist gespalten: «Für 80 Prozent der Bevölkerung des Homburgertals bringt der Generelle Leistungsauftrag signifikante Vorteile, doch für 20 Prozent bedeutet er ohne S9 einen 20 Minuten längeren Arbeitsweg. Das ist unschön.»

Für Richterich ein Meilenstein

Dass die Supporter des Läufelfingerlis unterlagen, hängt auch mit der Geschlossenheit der Bürgerlichen zusammen. Bei der FDP herrschte sogar Fraktionszwang. Einzige Abweichlerin: Waldenburgs Präsidentin Andrea Kaufmann, die zwar gegen die Herauslösung aber danach für die Bahn stimmte: «Ich glaube nicht, dass ich einen Rüffel erhalte», scherzt sie.

Ernst wird sie allerdings beim Gedanken an einen Urnengang: «Für grosse Teile des Kantons stellt sich bei der S9 wohl schon die Kosten-Nutzen-Frage.»

Das sieht auch Hannes Schweizer so. Der Präsident der Bau- und Planungskommission weicht von der SP-Linie ab, indem er die Vorteile des Buskonzeptes lobt: «Ich kann mir schwer vorstellen, dass das im Homburgertal anders gesehen wird.»

Am deutlichsten wird Rolf Richterich (FDP, Laufen): «Die alte Bahn stillzulegen, ist ein echter Meilenstein.» Dass dadurch 20 Prozent eines Tals benachteiligt werden, bedauert auch er. Doch: «So ist das Leben. Einer gewinnt und der andere verliert.»

Er ist überzeugt, dass die Mehrheit des Stimmvolks an der Urne sehr rational entscheiden werde, «und die Zahlen sprechen einfach nicht fürs Läufelfingerli».