Frauenklinik
Das Bethesda beteuert, bereit zu sein

In zehn Tagen erblickt das letzte Bruderholz-Baby das Licht der Welt. Ab dem 1.Februar kann man nicht mehr im Bruderholzspital gebären. Kann das Bethesda dies auffangen?

Michael Nittnaus
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Hat das Bruderholzspital seine Geburtsabteilung erst einmal geschlossen, dürften die Entbindungen am Basler Bethesda-Spital (Bild) stark zunehmen. Juri Junkov

Hat das Bruderholzspital seine Geburtsabteilung erst einmal geschlossen, dürften die Entbindungen am Basler Bethesda-Spital (Bild) stark zunehmen. Juri Junkov

Juri Junkov/Fotograf

Am Morgen des 1. Februars wechselt das Team der Frauenklinik im Bruderholz endgültig ans Basler Bethesda-Spital. Doch was das für schwangere Frauen vor allem aus dem Unterbaselbiet nun bedeutet, wurde bisher nicht aufgezeigt. Zudem wehren sich die Personalverbände weiterhin gegen Nachteile, die der Wechsel für die Angestellten mit sich brächte. Die bz klärt deshalb kurz vor dem Start die wichtigsten Fragen.

Stehen Frauen, die im Bruderholzspital gebären wollen, ab dem 1. Februar tatsächlich vor verschlossenen Türen?

Ja. Das Kantonsspital Baselland (KSBL) wird am Standort Bruderholz Neueintritte für Entbindungen nur noch bis und mit Sonntag, 31. Januar, annehmen. Dies bestätigt Frauenklinik-Chefarzt David Hänggi auf Anfrage: «Bei der Geburtshilfe können wir keinen fliessenden Übergang machen. Ich habe keine doppelte Mannschaft.» Der Schnitt werde aber kaum um Mitternacht gemacht, sondern am Montagmorgen. Ausserdem: «Frauen, die am Stichtag im Bruderholzspital noch im Wochenbett liegen, entlassen wir nicht und zügeln sie auch nicht ins Bethesda. Sie werden im Bruderholz weiterbetreut», betont Hänggi.

Welche gynäkologischen Dienstleistungen werden danach noch im Bruderholz angeboten?

Im «Hölzli» verbleibt lediglich eine gynäkologische Praxis für Sprechstunden. Laut Hänggi teilen sich dafür drei Ärzte 190 Stellenprozente.

In welchen Spitälern der beiden Basel werden nun noch Geburten durchgeführt?

Möchte jemand in einem öffentlichen Spital im Baselbiet entbinden, bleibt künftig nur noch der Standort Liestal des KSBL. Die Geburtsabteilung des Spitals Laufen wurde bereits Ende 2014 geschlossen. Eine Alternative sind zum Beispiel Geburtshäuser wie jenes der anthroposophischen Ita-Wegman-Klinik in Arlesheim. In Basel-Stadt stehen das Unispital (USB) sowie eben das private Bethesda-Spital mit der nun neuen Zusammenarbeit mit dem KSBL im Zentrum.

Das Bruderholzspital führte jährlich rund 700 Geburten durch. Kann nun noch für alle Gebärenden ein Platz garantiert werden?

Bis jetzt fungierte das Bruderholzspital mit seinen fünf Gebärsälen auch als Absicherung, wenn etwa das USB überlastet war. Das Worst-Case-Szenario wäre, wenn nach dem 1. Februar plötzlich alle Geburtskliniken der Region völlig überlastet sind und eine hochschwangere Frau auf einen freien Gebärsaal warten muss. KSBL und Bethesda beteuern, dass genug Kapazitäten vorhanden sein werden. In Liestal sollen künftig rund 800 statt 600 Geburten pro Jahr möglich sein. Und am Bethesda sollen bis zu 1900 statt der aktuellen 1500 Entbindungen durchgeführt werden. Doch Personalverbände zweifeln. Marianne Meyer vom VPOD: «Das Bethesda stockt bloss um einen Gebärsaal auf deren vier auf. Ich sehe nicht, wie das reichen soll.» Und Daniel Simon vom Verband der Pflegefachpersonen (SBK) nennt das Bethesda eine «Blackbox».

Meyer glaubt nicht, dass das Spital am 1. Februar wirklich bereit ist. Da sie zudem kein Verständnis dafür hat, dass das Bethesda eine höhere Kaiserschnittsquote als die anderen Spitäler der Region aufweist, kommt sie zu einem harten Urteil: «Ich rate jeder Frau ab, ins Bethesda zu gehen.» Hänggi dagegen ist überzeugt: «Der vierte Gebärsaal reicht für 300 bis 400 zusätzliche Geburten.» Und Istvan Ehrenbaum, Leiter Unternehmensentwicklung des Bethesda, ergänzt: «Das Bruderholzspital führte mit fünf Sälen 700 Geburten durch, wir mit bisher drei das doppelte.» Der vierte Saal bedeute für das Bethesda also eine erhebliche Kapazitätserweiterung. «Wir versichern Ihnen, dass jede schwangere Frau, die in den beiden Basel entbinden möchte, ein Bett und einen Gebärsaal zur Verfügung haben wird», so Ehrenbaum.

Was ändert sich sonst noch alles im Bethesda-Spital, damit es das Bruderholz vollwertig ersetzen kann?

Das Bethesda führt mit David Hänggi ein Chefarztsystem mit 24-Stunden-Betrieb ein. Dieses ergänzt das bisherige Belegarztsystem des Privatspitals, das uneingeschränkt weiterlaufen soll. Für das Chefarztsystem wurden 17 zusätzliche Arztstellen geschaffen sowie rund 30 Stellen für Hebammen, Pflegende und andere Fachkräfte. Das Spital bietet fortan ein «Komplettangebot im Bereich der Frauenmedizin», wie es selbst mitteilte. Dazu gehört neu auch ein
24-Stunden-Notfalldienst für Gynäkologie und Geburtshilfe. Kommt ab dem 1. Februar also eine Schwangere notfallmässig ins Bethesda, kann sie umfassend betreut werden. Ehrenbaum merkt allerdings an: «Bis jetzt haben wir vom Kanton Basel-Stadt keinen offiziellen Leistungsauftrag für Notfälle.» Das bedeute letztlich aber bloss, dass Krankenwagen im Notfall weiterhin das USB ansteuern.

Wie ist das Bethesda bei Frühgeburten ausgerüstet?

Die Neonatologie bleibt wie bisher Sache des USB respektive des UKBB. Laut Hänggi führt das Bethesda Entbindungen erst ab der 35. Schwangerschaftswoche durch. «Für Hochrisiko-Geburten sind wir nicht ausgerüstet», sagt er. Dies sei aber bewusst Teil des neuen Zusammenarbeitskonzepts von USB, UKBB, Bethesda und KSBL. Im Bruderholz konnte noch ab der 34. Woche entbunden werden. Marianne Meyer vom VPOD nimmt unter anderem diese Differenz als Beleg, dass das Bethesda eben kein gleichwertiger Ersatz fürs «Hölzli» sei. Doch Hänggi weist darauf hin, dass dafür das UKBB seine Neonatologie-Station ausbaue: «Ausserdem können die UKBB-Spezialisten schneller im Bethesda sein als bisher im Bruderholz.»

Haben alle Angestellten der Frauenklinik Bruderholz am KSBL oder Bethesda einen neuen Job bekommen?

Vergangenen Herbst berichtete die «Schweiz am Sonntag», dass erst 5 der 15 Assistenz- und Oberärzte entschieden hätten, Hänggi ans Bethesda zu folgen. Nun betont dieser gegenüber der bz: «Alle Ärzte sind wieder in meinem Team.» Von den knapp 100 Angestellten der Frauenklinik Bruderholz hätte er über die Hälfte mitnehmen dürfen. Die meisten davon hätten zugesagt, nur ein paar verzichteten. Bei den Pflegefachpersonen spricht Daniel Simon vom SBK von rund 50, die das Angebot des KSBL angenommen hätten, in teilweise neuer Funktion im Unternehmen zu verbleiben. Rund 20 seien entweder ans Bethesda, USB oder UKBB gegangen. «Sie nahmen zum Teil um bis zu fünf Prozent tiefere Löhne in Kauf», weiss Simon.

Ehrenbaum dazu: «Wir wollten unser Lohngefüge deswegen nicht über Bord werfen.» Kämpfen möchte der SBK aber vor allem darum, dass der Kantonseinschuss zum Ausgleich der Pensionskasse für jene nicht wegfällt, die das KSBL verlassen. Hier gehe es um bis zu 80 000 Franken. Bei den Hebammen sieht es anders aus: «Keine der 20 Bruderholz-Hebammen wechselte ans Bethesda», sagt Meyer. Dies unter anderem wegen der höheren Anzahl Kaiserschnitte. Zudem haben drei Hebammen am Kantonsgericht gegen das KSBL geklagt, weil ihnen eine Abgangsentschädigung zustehe. Sie akzeptierten nicht, dass das KSBL sie in einer Schnellbleiche zu Pflegefachfrauen umschulen wollte («Schweiz am Sonntag» berichtete).

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