Liestal
Da konnte auch Bumann nicht helfen: Das Bistro Dö schliesst definitiv

Im Juli wurde das Liestaler «Bistro Dö» durch die Sendung des Restauranttesters Daniel Bumann schweizweit bekannt. Der Sternekoch sollte den Betrieb retten. Die Schuldenlast war jedoch zu gross. Das Wirte-Ehepaar reichte nun Konkurs ein.

Sebastian Schanzer
Merken
Drucken
Teilen
Viele Gäste holten sich im Bistro Dö eine Erfrischung durch die Glacé aus dem Bündnerland.

Viele Gäste holten sich im Bistro Dö eine Erfrischung durch die Glacé aus dem Bündnerland.

Sebastian Schanzer

Das Bistro Dö in Liestal genoss anfang Juli die Aufmerksamkeit des Schweizer Fernsehpublikums. Der Restaurant-Tester Daniel Bumann vom TV-Sender 3+ gastierte drei Monate zuvor mit seinem Team fünf Tage lang in Liestal. Er sollte dem kriselnden Gastro-Betrieb wieder auf die Beine helfen. Wie sich jetzt herausstellt, waren die Rettungsmassnahmen vergeblich. Am vergangenen Mittwoch hat das Bistro Dö das Gesuch um Konkurseröffnung eingereicht.

Kleine Gewinne erzielt

Eigentlich sah es noch ganz vielversprechend aus, als der Walliser Sternekoch am Ende der Sendung das Bistro Dö wieder dem Geschick seiner Besitzer überliess. Als diese faktisch aufgegeben hatten und das Geschäft dem Koch übergeben wollten, protestierte Bumann. Also rappelten sich die beiden noch einmal auf.

Nach den für das Ehepaar Schneider turbulenten und emotional aufwühlenden Tagen vor der Kamera nahmen sie verschiedene Massnahmen in Angriff, um den drohenden Konkurs abzuwenden. Die Personaleinsätze wurden stark reduziert und die Menus besser geplant. Nach einem vertraulichen Gespräch zwischen Bumann und dem Vermieter des Lokals sollte sogar die Miete gesenkt werden. Kundschaft hatte das Lokal ja ohnehin genug und so schien die Krise noch durchaus zu meistern.

«Die Tipps von Bumann waren gut, und seine Massnahmen haben auch gegriffen», sagt Thomas Schneider. «Die Show im Fernsehen gab uns zusätzliche Publicity.» Dennoch: Auch in den folgenden Monaten zeichnete sich der drohende Konkurs ab. Verantwortlich für das letztendliche Scheitern des Bistro Dö sei vor allem die Last der Schulden gewesen. «Wir konnten durch die Anpassungen im Betrieb zwar kleine Gewinne erzielen, doch bei einem Schuldenberg von 100 000 Franken kommt man damit auf keinen grünen Zweig. Die Massnahmen kamen für uns ein Jahr zu spät», sagt Schneider.

Fehlende Erfahrung

Die Bereitschaft des Ehepaars, vermehrt selbst im Betrieb an der Front zu stehen, konnte leider nicht im geplanten Mass durchgeführt werden. Administrative Altlasten fesselten Schneider an den Bürostuhl, sodass doch wieder zusätzliches Personal im Service eingesetzt werden musste. Erschwerend kam hinzu, dass Schneiders Ehefrau Corinne aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr im Betrieb mitarbeiten konnte. Schneider war von dieser Situation überfordert. Zuletzt wurde die von Bumann ausgehandelte Mietreduktion, mit der man bei den Ausgaben ein wenig sparen konnte, nur bis zum Herbst vereinbart.

Bei all diesen schwierigen Umständen zeigt sich Schneider auch selbstkritisch: «Wir haben immer mit vollem Einsatz gearbeitet, aber vielleicht sind wir einfach nicht die richtigen Leute für diesen Job.» Es fehlte ihnen wohl auch an Erfahrung im Gastro-Gewerbe, meint Schneider.

Verlust für Liestal

Für das Ehepaar heisst es jetzt Abschied nehmen von ihrem langjährigen Herzensprojekt und dem ganzen Team. Vonseiten der Kunden habe man viel Solidarität erfahren. Auf Facebook bedauern viele den Verlust, für sich persönlich, aber auch für das «Stedtli». Mit der Abwicklung des Konkursverfahrens wartet nun noch viel administrative Arbeit auf das Ehepaar.

Die Bündner Biomilch-Eiscreme, mit der alles begann, gibt es weiterhin in Liestal zu kaufen, nämlich im Casa Smecca gegenüber der Manor. Schneider ist froh, dass jemand den Vertrieb der Eiscreme übernimmt, denn in einem Punkt ist er sich absolut sicher: «In der nächsten Zeit werden wir kein gastronomisches Experiment mehr starten.»