Coronaprämien
So wird das Pflegepersonal am Kantonsspital Baselland belohnt

Trotzdem findet die Gewerkschaft VPOD: Die gesprochenen Entschädigungen gehen nicht weit genug.

Bojan Stula
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Die Forderungen von Spitalpersonal und Gewerkschaft sind eindeutig. Dieses Jahr zeigt sich nun, inwiefern die regionalen Spitäler bereit sind, Zugeständnisse bei Löhnen und Arbeitsbedingungen zu machen.

Die Forderungen von Spitalpersonal und Gewerkschaft sind eindeutig. Dieses Jahr zeigt sich nun, inwiefern die regionalen Spitäler bereit sind, Zugeständnisse bei Löhnen und Arbeitsbedingungen zu machen.

Bild: Kenneth Nars

Am Mittwoch demonstrierte die Gewerkschaft VPOD vor der Basler Parlamentssitzung zu Gunsten des Spital-Pflegepersonals. Prompt überwies der Grosse Rat mit deutlichem Mehr eine Motion an die Regierung, die Coronaboni für die wegen der Pandemie stark geforderten Berufsgruppen fordert.

Im Baselbiet ist man einen Schritt weiter. Gleichentags beantwortete der Regierungsrat eine Interpellation der Liestal Grünen Erika Eichenberger. Auch darin geht es um die Frage, wie der besondere Einsatz des Spitalpersonals während der Coronapandemie entschädigt werden kann. Unabhängig davon hatten sowohl das Basler Universitätsspital (USB) als auch das Kantonsspital Baselland (KSBL) bereits im vergangenen Herbst Lohnerhöhungen in Aussicht gestellt. Aus der aktuellen Baselbieter Regierungsantwort gehen nun konkrete Zahlen hervor, die aufzeigen, was sich auf diesem Gebiet tatsächlich getan hat.

Einmalprämien von entweder 250 oder 500 Franken, je nach Einsatzdauer

So hat das KSBL inzwischen 450'000 Franken an besonderen Coronaprämien gesprochen. Diese Boni gingen an Mitarbeitende mit spezifischen Covid-Arbeitseinsätzen; beispielsweise auf der Anästhesie, der Intensivpflegestation, der Stationspflege, aber teilweise auch ans Administrativpersonal. Ausbezahlt wurde diese Gesamtsumme entweder in Form von Einmalprämien in der Höhe von 250 Franken für Covid-Einsätze bis zwei Wochen oder von 500 Franken für eine längere Einsatzdauer.

Laut Regierungsantwort sind im Rahmen der ersten Coronawelle insgesamt 1250 solcher Prämien entrichtet worden; dies bei einem Spitalpersonalbestand von 3500 Personen. «Aufgrund des ausserordentlich grossen Einsatzes im Rahmen der zweiten Welle» erhielten dann später alle Mitarbeitenden auf der Anästhesie und Intensivpflegestation noch drei zusätzliche Ferientage zugesprochen.

Einmalprämien sind das eine, Lohnerhöhungen das andere: Hier beschränken sich die Verbesserungen auf die Berufsgruppe der «Expertinnen und Experten Intensivpflege NDS HF». All diese erhalten seit Anfang Januar zusätzlich 300 Franken pro Monat als Arbeitsmarktzulage.

VPOD kritisiert: 14. Monatslohn anstelle von Pflästerlipolitik

Als Eigner einer öffentlich-rechtlichen Anstalt enthält sich die Baselbieter Regierung jeglichen Kommentars, ob sie diese Massnahmen für ausreichend hält. Dafür wird das Kantonsspital von der Gewerkschaft VPOD umso deutlicher kritisiert: «In Anbetracht der Monate, in denen dem Gesundheitspersonal die Pausen und Ruhezeiten gestrichen wurden, sind die Coronaprämien des KSBL klar zu gering», kommentiert Gewerkschaftssekretär Benjamin Plüss. Aus seiner Sicht sollten Coronaprämien «eine echte Anerkennung der Leistung während der Pandemie sein, aber nicht ein Pflaster für all die anderen Probleme des Gesundheitspersonals».

So stelle auch die gesprochene Arbeitsmarktzulage für einige wenige Angestellte nur ein Eingeständnis dar, «dass der Lohn bis anhin zu gering war». Entsprechend hält der VPOD an seiner Forderung fest, dass die Löhne des Gesundheitspersonals generell und nachhaltig anzuheben seien. Plüss:

«Fair und anständig ist unserer Ansicht nach ein 14. Monatslohn. Weiter braucht es zwingend bessere Arbeitsbedingungen, welche den Beruf wieder attraktiver machen.»

Massnahmen gegen die Personalknappheit

Grünen-Landrätin Eichenberger stösst ins gleiche Horn: «Bei einem ausgelasteten Intensivbereich kommt das Personal ans Limit. Es drohen Abgänge und damit verbunden der Verlust von hochspezialisiertem Know-how.» In derselben Interpellationsantwort zählt die Regierung eine ganze Reihe von Gegenmassnahmen gegen die Personalknappheit auf, die durch die Coronakrise ausgelöst worden sind. So habe das KSBL eigenes Anästhesie- und Stationspflegepersonal für Einsätze auf der Intensivstation und dem Beatmungszentrum geschult und dies mit einer Zulage pro Einsatztag entschädigt. Zudem arbeitete man mit einem Temporärjob-Vermittler zusammen, bei dem qualifiziertes Pflegepersonal tage- oder wochenweise gebucht werden könne.

Längerfristige Entlastung könnte indes nur mehr zusätzliche Angestellte in Teilzeitpensen bringen, stellt das KSBL fest. Zwar wurde zur Qualitätssicherung in der Intensivpflege ein Mindestarbeitspensum von 40 Prozent definiert, doch sichere das Kantonsspital nach Möglichkeit fixe Arbeitstage oder -zeiten zu sowie Kinderbetreuungsplätze in den hausinternen Tagesstätten.

Ob sich die Baselbieter Politik mit diesen Antworten zufrieden gibt, wird sich wohl noch vor den Sommerferien an einer der nächsten Landratssitzungen zeigen.

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