FDP Baselland
Christine Frey: «Für mich war es schon seit einiger Zeit eine Gratwanderung»

Christine Frey kündete am Donnerstag ihren Rücktritt an. Die zurücktretende FDP-Präsidentin fände ein ganz neues Leitungsteam gut.

Michael Nittnaus
Drucken
Teilen
«Für mich war das Präsidium schon seit einiger Zeit eine Gratwanderung», sagt Christine Frey.

«Für mich war das Präsidium schon seit einiger Zeit eine Gratwanderung», sagt Christine Frey.

Juri Junkov

Der Baselbieter FDP stehen stürmische Zeiten bevor. Einmal mehr. Die Rücktrittsankündigung von Parteipräsidentin Christine Frey am Parteitag vom Donnerstagabend kam überraschend. Zumindest in dem Sinne, dass die Münchensteinerin nur wenige Parteikollegen überhaupt vorgängig darüber informiert hatte, dass sie das Amt aus beruflichen Gründen abgeben möchte. Dabei reifte der Gedanke, nur noch als Landrätin politisch aktiv zu bleiben, schon eine Weile: «Ich habe mir schon länger überlegt, zurückzutreten. Das Präsidium ist ein Verschleissjob, man muss viel investieren und vieles ist nicht planbar. Für mich war es schon seit einiger Zeit eine Gratwanderung», sagt sie gegenüber der «Schweiz am Wochenende».

Am Parteitag vom 14. August soll es so weit sein. Bis dahin möchte Frey Vollgas geben. Nicht mitmischen möchte sie – anders etwa als Noch-Präsident Marc Scherrer bei der Baselbieter CVP – in der zu bildenden Findungskommission. Und sie sagt sogar: «Nichts ist vorgespurt, alles ist denkbar.» Auch ein unbekannter Kopf könne ihre Nachfolge antreten, schliesslich habe sie sich 2012 auch erst alles erarbeiten müssen.

Partei soll über Kurs diskutieren

Doch vielleicht ist sie am Ende gar nicht die Einzige, die ihre Leitungsfunktion niederlegt: «Ich fände es gar nicht schlecht, wenn der neue Präsident auch die Parteileitung neu zusammenstellen könnte», sagt Frey. Sie werde deshalb die restlichen Leitungsmitglieder fragen, ob sie weitermachen wollen. Unter ihren neun Kollegen in der FDP-Parteileitung befinden sich so illustre Namen wie Wirtschaftskammer-Direktor und Landrat Christoph Buser, alt Landratspräsident Hanspeter Frey und die Landräte Christof Hiltmann, Andreas Dürr sowie Fraktionschef Rolf Richterich.

«Das ist kein Aufruf zum Rücktritt», betont Frey zwar. Doch die Partei habe nun die Gelegenheit, sich zu überlegen, ob sie einen Kurswechsel herbeiführen möchte. «Aus meiner Sicht ist der bisherige Kurs aber ein erfolgreicher gewesen», merkt sie an. Und diese Anmerkung kommt einer Ansage gleich. Denn tatsächlich kann die 50-Jährige von sich behaupten, an den grossen Erfolgen der FDP bei den Landrats- und Regierungsratswahlen 2015 massgeblich beteiligt gewesen zu sein. Der Grundstein dafür war die bürgerliche Zusammenarbeit, vor allem die engeren Bande mit der SVP.

Andreas Dürr winkt ab

Es ist daher davon auszugehen, dass an diesem Kurs kaum gerüttelt wird und auch das Leitungsteam nun nicht auseinanderbricht. Auch wenn sich das Kandidatenkarussell an Tag eins nach der Rücktrittsankündigung erst langsam in Bewegung setzt, fällt ein Name bereits mehrfach: Andreas Dürr. Der Biel-Benkemer Anwalt hat sein Büro direkt im Gebäude der Wirtschaftskammer am Liestaler Altmarkt und gilt als ein enger Vertrauter Busers – und Freys. Doch auf Anfrage sagt Dürr: «Das Präsidium liegt bei mir wie bei Christine Frey aus beruflichen Gründen nicht drin. Ich bin, was Belastung und zeitliche Ressourcen angeht, schon am alleräussersten Limit.» Dürr verschweigt nicht, dass er für eine Fortsetzung des rechtsbürgerlichen Kurses ist. «Wenn die FDP plötzlich ganz linksliberal würde, hätte ich Mühe.»

SP-Präsident Adil Koller kommentiert die momentanen Machtstrukturen der Freisinnigen trocken so: «Es ist letztlich völlig egal, wer unter Christoph Buser Parteipräsident ist.» Dabei gibt es durchaus Freisinnige, die anders denken. Dies hat nicht bloss die öffentliche Kritik mehrerer ehemaliger Parteigrössen und des aktuellen Fraktionschefs Richterich gezeigt, als sich die FDP für die Energiesteuer einsetzte. «Ich wünsche mir eine integrative Führungspersönlichkeit, die zur Basler FDP einen guten Draht hat und auch mit wichtigen Organisationen wie der Handelskammer beider Basel gut kutschieren kann», so Richterich vielsagend.

Aktuelle Nachrichten