Börsenjahr
Champagnerstimmung bei Baselbieter Biotechunternehmen

Bei den Baselbieter Biotechunternehmen herrscht Partystimmung, denn sie haben die schweizweit grössten Kursanstiege gefeiert. Wie lange die Champagnerstimmung anhält, ist aber schwierig vorherzusagen.

Leif Simonsen
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Actelion-Hauptsitz in Allschwil: Im letzten Jahr konnte der Wert des Unternehmens nochmals gesteigert werden. /Archiv

Actelion-Hauptsitz in Allschwil: Im letzten Jahr konnte der Wert des Unternehmens nochmals gesteigert werden. /Archiv

Martin Töngi

Die wahre Baselbieter Wirtschaftsoffensive findet derzeit noch jenseits von Salina Raurica und Aesch Nord statt. Die absoluten Spitzenreiter unter den börsenkotierten Unternehmen der Schweiz kommen trotzdem aus dem Landkanton: Actelion konnte seinen Wert im letzten Jahr wiederum um 57,4 Prozent steigern – dies, weil das Allschwiler Unternehmen unter Beweis stellte, dass es nicht nur ein One-Hit-Wonder ist.

Bodenhaftung nicht verlieren

Bisher lebte Actelion primär vom Lungenhochdruckmedikament Tracleer. Doch seit Neustem spült auch das Nachfolgemedikament Opsumit Geld in die Kassen. Dank Opsumit ist die Actelion-Aktie 2014 zum zweiten Mal hintereinander der stärkste Titel im Swiss Market Index, dem Index der relevantesten Firmen der Schweiz.

Der Rekordhalter aller Schweizer Firmen hat seinen Sitz derweil in Liestal. Santhera steigerte seinen Kurs um über 2000 Prozent. Auf Rang zwei rangiert der Dübendorfer Softwarehersteller Myriad – mit einem vergleichsweise läppischen Wachstum von etwas über 200 Prozent. Santhera hat einen bemerkenswerten Wandel hinter sich. Vor einem Jahr stand die Firma am Rand eines Konkurses. Nun aber gibt es Anzeichen, wonach ihre viel versprechenden Medikamente zur Bekämpfung von erblichem Muskelschwund sowie erblicher Blindheit demnächst die Marktzulassung erhalten könnten.

Gegenüber dem Nachrichtenmagazin «10 vor 10» sagte CEO Thomas Meier jedoch, dass er nach dem fulminanten Kursanstieg die Bodenhaftung nicht verlieren werde. «Ich habe auch schon schwere Zeiten erlebt.» Es helfe indes, wenn der Kurs auf einem gewissen Niveau bleibe.

Damit könne man Geld vom Kapitalmarkt aufnehmen. Dies ist mindestens solange nötig, als die Produkte noch nicht auf dem Markt sind. «Idealerweise sollten wir uns von diesem Zeitpunkt an selbst tragen», ergänzte Meier gegenüber dem Nachrichtenmagazin.

Ein unstetes Geschäft

Ob die Champagnerstimmung unter den Baselbieter Biotechunternehmen im nächsten Jahr anhält, ist schwierig vorauszusagen. Kaum ein Geschäft ist derart schwierig zu berechnen, weil vieles vom Erfolg von ein, zwei Medikamenten abhängt – deswegen sind die Aktienkurse höchst volatil. Nichtsdestotrotz zählt der Baselbieter Wirtschaftsförderer Thomas de Courten die Biotechbranche zu den «Fokusbranchen» in Baselland – neben den Life Sciences, Medtech, Logistik, IT und Nano. «Entsprechend intensiv sind die Kontakte mit diesen Wirtschaftszweigen.»

De Courten räumt aber ein, dass der Erfolg solcher Unternehmungen vonseiten der Wirtschaftsförderung kaum planbar sei, wenngleich man bestrebt sei, die Rahmenbedingungen «durch die richtige Ausgestaltung der Standortfaktoren» positiv zu beeinflussen. Thomas de Courten legt auch Wert auf die Feststellung, dass die Biotechbranche in das regionale Wirtschaftsportfolio reinpasste. «Auch die hiesigen Forschungsinstitutionen an Fachhochschule, Universität und in der Privatwirtschaft stehen der Branche thematisch sehr nahe, was zu Innovation und Wettbewerbsfähigkeit beiträgt.»

So unberechenbar der unmittelbare Erfolg für den Wirtschaftsförderer ist: Ganz zufällig ist der wirtschaftliche Erfolg der Biotechunternehmen nicht. Actelion-CEO Jean-Paul Clozel sagt dazu im «10 vor 10»: «Die einzige Möglichkeit, das Niveau zu halten, ist, die besten Leute anzustellen.» Ein zugegeben nicht ganz einfaches Rezept.

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