Sommerinterview
Ceccaroni: «Kann sein, dass der FCB mal keine Basler mehr im Kader hat»

FCB-Legende Massimo Ceccaroni kümmert sich heute beim Schweizer Meister um den Nachwuchs. Im Interview erklärt er seine Funktion als techniscner Direktor des FCB und wie er den Nachwuchs der Bebbi noch besser machen will.

Muriel Mercier
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«Den Status des angehimmelten Spielers habe ich nicht mehr», stellt Massimo Ceccaroni klar.

«Den Status des angehimmelten Spielers habe ich nicht mehr», stellt Massimo Ceccaroni klar.

Kenneth Nars

Herr Ceccaroni, wer sind Sie?

Massimo Ceccaroni: Meine Zeit als FCB-Spieler lass ich mal aus. Seit einem Jahr bin ich technischer Leiter der Nachwuchsabteilungen des FC Basel 1893. Als ich im Jahr 2002 beim FC Basel als Profi-Spieler aufgehört habe, bin ich in die Privatwirtschaft zurückgekehrt. Ich habe in Basel eine Bodenlegerfirma geführt und gleichzeitig alle meine Trainerscheine gemacht. Zwischen 2004 und 2012 war ich als Spielertrainer beim BSC Old Boys engagiert. Letztes Jahr gelang der Mannschaft der Aufstieg in die 1. Liga Promotion. Das war für mich ein schöner Abschied von OB.

War es immer Ihr Ziel, einmal Trainer zu werden?

Nein, ich wollte nicht zwingend im Profisport bleiben. Die Privatwirtschaft fand ich spannend. Als ich mich über den Weg zu den Diplomen informiert habe, war ich zuerst nicht so begeistert, weil er sehr zeitintensiv ist. Dann habe ich mich aber dafür entschieden. Und jetzt, wenn alles gut läuft, werde ich in zirka einem Jahr die Uefa-Pro-Lizenz besitzen. Das höchste Trainerdiplom.

Sie bleiben dem Fussball also treu.

Klar. Ich habe die Diplome nicht zum Aufhängen gemacht. Ich kann nun zu hundert Prozent meiner grossen Leidenschaft nachgehen. Ich bin stolz, wieder für den FCB zu arbeiten.

Was sind Ihre Aufgaben als technischer Leiter der Nachwuchsabteilungen des FCB?

Ich bin für alle Profitrainer im Nachwuchs zuständig. Zudem kümmere ich mich um die Karriereplanung unserer Spieler. Ich führe Gespräche mit den Eltern, den Lehrern, den Spielern. Wenn es darum geht, welche Spieler man holt oder in die nächste Liga schickt, trage ich eine wichtige Rolle. Und ich bin zuständig, unserem Nachwuchs die FCB-Ausbildungsphilosophie nahezulegen.

Die da wäre?

Wir verfolgen ein duales Ausbildungs-System. Jeder junge Spieler braucht neben der fussballerischen eine schulische Ausbildung. Nicht alle schaffen den Sprung in den Profifussball. Hinzu kommt, dass wir Wert auf erzieherische Massnahmen legen. Die Jungs müssen Respekt neben dem Platz beweisen. Jeder Spieler soll Selbstvertrauen gewinnen, ohne überheblich zu wirken.

Und auf dem Platz?

Auf dem Platz lehren wir offensiv ausgerichteten Fussball. Wir wollen den Ball nicht dem Gegner überlassen, sondern diesen beherrschen. Und gleichzeitig wollen wir effizient verteidigen können.

Der FCB-Nachwuchs gilt als der beste der Schweiz. Wie machen Sie das?

Wir beginnen im Kinderfussball mit stufengerechter Ausbildung. Die Freude steht im Vordergrund. Zudem haben wir auf allen Stufen hervorragende Trainer. Man darf aber nicht unterschätzen, dass wir vom Erfolg der ersten Mannschaft profitieren. Das verpflichtet uns, uns beim Nachwuchs am Limit zu bewegen.

Hinzu kommt der Campus, den Gigi Oeri bauen lässt.

Dieser wird uns sicher einen grossen Schritt vorwärtsbringen. Die Trainer zum Beispiel verfügen dort alle über Trainingsüberwachungssysteme. Damit können die Laufwege und Pulsschläge der Spieler gemessen werden. So wird jeder Spieler einzeln geschult. Grosse Mannschaften wie Ajax Amsterdam, Bayern München oder AC Milan arbeiten damit. So sieht die Zukunft des Fussballs aus.

Sie waren bis 2002 als Spieler aktiv beim FC Basel. Hat sich seither die Trainingsatmosphäre verändert?

Die Ansprüche haben sich mit dem Erfolg verändert. Heute stellt man klare Anforderungen an Mitarbeiter. Der Verein ist kritikfähiger und zielorientierter. Die Leidenschaft und der Erfolg standen aber auch zu meiner Zeit im Vordergrund. Speziell ist, dass viele FCB-Exponenten eine Vergangenheit beim Klub haben. Zum Beispiel Verwaltungsratsmitglied Adrian Knup, der vor Jahren beim FCB Spieler war. Diese Tatsache verleiht dem Klub Energie und Fachwissen. Denn diese Leute sind für den Verein auch während schwieriger Zeiten da.

Wenn Sie heute zurückblieben auf Ihre Zeit als FCB-Spieler: Was hat Ihnen der Klub gegeben?

Der FCB war meine zweite Familie. Er gab mir damals die Plattform, damit ich auch heute den Job machen kann, der mir Spass macht und mir viel zurück gibt. Und er hat mich gelernt, in schwierigen Zeiten durchzuhalten. Zu meiner Zeit war es ja nicht nur einfach mit dem FCB.

Damals spielte der FCB in der Nationalliga B. Ärgert Sie es manchmal, dass Sie nicht zur jetzigen Zeit Spieler sind?

Manchmal denke ich, es wäre schön, noch einmal 16 zu sein. Aber ich möchte meine Vergangenheit beim FCB nicht verändern. Wenn es damals anders gelaufen wäre, würde ich jetzt nicht mit Ihnen am Tisch sitzen. Die sechs Jahre in der Nationalliga B haben mir gut getan. Ich war ja auch bei vielen Meilensteinen dabei. Ich habe zum Beispiel die Umzüge vom alten Joggeli auf die Schützenmatte und danach ins neue Stadion miterlebt, und im 1994 haben wir den Aufstieg in die Nationalliga A erreicht.

Sie waren damals eine Identifikationsfigur. Bis vor einem Jahr übernahm Benjamin Huggel diese Rolle, heute ist es Marco Streller. Wie wichtig sind Identifikationsfiguren?

Sie sind sehr wichtig für die Fangemeinde. Sie geben der Mannschaft ein Gesicht. Auch wenn der Fussball sehr schnelllebig geworden ist, dürfen Identifikationsfiguren nicht fehlen. Wir von der Nachwuchsabteilung dürfen und wollen solche Spieler ausbilden. Es müssen Spieler sein, die den FCB im Herzen tragen, ins Ausland gehen, aber vielleicht auch wieder zurückkommen.

Und wie wichtig sind heimische Spieler für den FCB?

Eine gute Mischung ist wichtig. Aber wir dürfen uns nichts vormachen. Es kann gut sein, dass der FCB mal aus einer Mannschaft ohne Basler Spieler besteht. Mit Benjamin Huggel, Alex Frei und Marco Streller auf einmal waren wir verwöhnt. Ich weiss nicht, ob so ein Trio noch einmal möglich ist. Aber es ist sicher schön, wenn in der Mannschaft Spieler dabei sind, deren Wurzeln in der Region liegen.

Wie stark fühlen Sie sich mit Basel verbunden - ausserhalb des FCB?

Ich lebe gerne in dieser Region und habe den Kanton nie verlassen. Das spricht gegen meine Charaktereigenschaft, denn ich bin ein offener Mensch, der viel kennenlernen möchte. Ich schätze die Mentalität des Baslers. Er ist nicht überheblich und muss nicht zeigen, was er hat. Ich finde, der Basler ist kein typischer Schweizer.

Was macht Basel lebenswert?

Die Grenzsituation mit Frankreich und Deutschland. Der FCB, die Basler Fasnacht und das Kulturangebot mit Museen und internationalen Messen sowie Ausstellungen. Eine Stärke von Basel ist, zeitgemäss zu handeln.

Wo verbringen Sie Ihre Freizeit?

Ich habe keine speziellen Lieblingsorte. Basel hat viele schöne Orte. Ich wohne in der Nähe des Kannenfeldparks. Wenn ich im Winter von dort Richtung Dreirosenbrücke jogge und über die Mittlere Brücke zurück, fasziniert mich die Stimmung am Rhein. Manchmal ist Basel aber zu ruhig. Ich erschrecke beinahe, wie die Stadt um 20 Uhr ausgestorben sein kann.

Erkennt man Sie eigentlich immer noch überall in der Stadt?

Den Status des angehimmelten Spielers habe ich natürlich nicht mehr.

Besuchen Sie alle Auswärtsspiele der ersten Mannschaft?

Ich begleite vor allem die Nachwuchsmannschaften an fast alle Spiele und die Heimspiele der ersten Mannschaft schaue ich mir regelmässig an. An die Auswärtsspiele kann ich nur fahren, wenn es zeitlich drin liegt.

Was für Ziele verfolgen Sie als technischer Leiter der Nachwuchsabteilungen des FC Basel?

Ich möchte die Nachwuchsspieler in den nächsten Jahren so gut ausbilden, dass sie für ihre berufliche Zukunft gut gerüstet sind. Ob im Profi-Fussball oder woanders. Mir ist wichtig, jedem Menschen Perspektiven zu bieten. Und wir wollen jedes Jahr zwei bis drei Spieler näher an die erste Mannschaft bringen.

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