Silvio Berlusconi
Ceccaroni: «Gewisse Werte gingen unter Berlusconi verloren»

Die FC-Basel-Kultfigur Massimo Ceccaroni fordert die Italoschweizer zu mehr Interesse für die Politik auf.

Fabian Muster
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Massimo Ceccaroni, Trainer BSC Old Boys

Massimo Ceccaroni, Trainer BSC Old Boys

Mit «Schande», «makabre Angelegenheit» oder gar «Katastrophe» kommentieren die Schweizer mit italienischer Abstammung in der Region die gewonnene Vertrauensabstimmung des Premierministers Silvio Berlusconi im Parlament (siehe bz von gestern).

Angelo Berardini, der schon einmal als Parlamentarier für die linksliberale Partei Italia dei Valori kandidiert hatte, hat viele negative Reaktionen erhalten. «Alle fragen sich, wie dies geschehen konnte», sagt der aus der Umgebung Roms stammende Doppelbürger. Enerviert hat er sich auch über den in Emmenbrücke wohnhaften Abgeordneten Antonio Razzi aus seiner eigenen Partei, der die Seiten gewechselt hat. Als «sehr beschämend» schätzt auch der frühere FC-Basel-Verteidiger Massimo Ceccaroni die Lage ein. «Gewisse Werte der Italiener wie ihre Zielstrebigkeit, Innovationsfähigkeit oder ihr Sinn für Kunst und Geschichte gingen unter Berlusconi verloren.» Der ursprünglich aus Cesena in der Nähe von Rimini stammende Trainer der BSC Old Boys wünscht sich eine Veränderung. Dafür müssten die Italiener aber ihre Politikverdrossenheit aufgeben. «Jeder muss sich für Politik interessieren», ruft er zu mehr Engagement auf.

Demokratie sei in Gefahr
Kein Blatt vor den Mund nimmt auch der Sissacher Guido Varesi: «Berlusconi ist ein Bandit, der mit der Mafia verbandelt ist.» Und Parlamentarier, die aufeinander losgingen, könne er «sowieso nicht mehr ernst nehmen», sagt der Inhaber eines Tattoo-Geschäfts und Leiter des Henkermuseums in der Oberbaselbieter Gemeinde.

Ähnlich negativ äussert sich auch Gianni Mazzucchelli aus Rothenfluh. «Wenn der Teufel zur Wahl gestanden wäre, hätten sie auch diesen gewählt», ist der anerkannte Pilzexperte aus dem Ergolztal überzeugt. Gianfranco Finis Gegnerschaft überzeugt ihn ebenfalls nicht. «Der wurde von Berlusconi selbst gezüchtet.» Für die Professorin italienischer Literatur an der Universität Basel, Maria Antonietta Terzoli, ist die Demokratie in Italien in Gefahr. «Das Volk wie die Parlamentarier können nicht mehr frei entscheiden, weil sie durch die von Berlusconi kontrollierten Medien verblendet respektive korrumpierbar geworden sind», sagt die aus Como stammende Doppelbürgerin, die seit 30 Jahren in der Schweiz lebt.

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