Schweizerhalle
CABB im Pech: Gleich noch ein Unfall am selben Tag

Nachdem am Donnerstagmorgen bei der Prattler Chemiefirma CABB 35 Liter verdichtete Schwefelsäure ausgelaufen sind, kommt es in diesen Minuten zu einem zweiten Feuerwehreinsatz am selben Tag.

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Eine Leitung der Firma CABB AG schlug am Donnerstagmorgen leck. Dabei liefen etwa 35 Liter Salzsäure aus. Verletzt wurde niemand. (Symbolbild)

Eine Leitung der Firma CABB AG schlug am Donnerstagmorgen leck. Dabei liefen etwa 35 Liter Salzsäure aus. Verletzt wurde niemand. (Symbolbild)

Nicole Nars-Zimmer

«Eigentlich beweisen die beiden Vorfälle nur, dass unsere neuen Sicherheitsabläufe perfekt funktionieren», verteidigt sich CABB-Sprecher Ulrich Gartner. Die Prattler Chemiefirma ist nicht zu beneiden.

Nach einer jahrelangen Pannenserie und einer laufenden Strafuntersuchung durch die Baselbieter Staatsanwaltschaft erfolgte in diesem Februar ein Neustart: Bisherige Manager wurden in die Wüste geschickt, die Geschäftsleitung neu besetzt und die Investitionen in Sicherheit und neue Anlagen um 25 Millionen Franken auf total 85 Millionen bis 2019 aufgestockt.

Und nun dies: Nach einem weiteren Unfall im März mit drei hospitalisierten Mitarbeitern musste die Feuerwehr gestern innert weniger Stunden gleich zweimal zur CABB nach Schweizerhalle ausrücken. Da ist es verständlich, wenn die Verantwortlichen jetzt nach Argumenten ringen müssen.

Beim ersten Unfall um 7.30 Uhr traten rund 35 Liter verdickte Schwefelsäure aus einem Leitungsleck aus. «Wir haben umgehend einen Stabsalarm ausgelöst, bei dem neben der Werksfeuerwehr auch die kantonalen Behörden informiert wurden», schildert Gartner den Ablauf. Nach der Alarmierung durch die Alarmzentrale Schweizerhalle rückten diese mit einem Aufgebot von Polizei, Feuerwehr, Chemiewehr und Feuerwehrinspektorat aus.

Angesichts der geringen Menge der auslaufenden Chemikalie und des Umstandes, dass niemand verletzt wurde, wäre dieses Grossaufgebot nicht unbedingt nötig gewesen, lässt der CABB-Sprecher durchblicken. «Aber unsere neue Sicherheitsdevise lautet, lieber einmal zu viel als zu wenig den Alarm auslösen», sagt Gartner.

Laut Polizeimeldung kam beim ersten Unfall tatsächlich niemand zu Schaden. Der Säureaustritt sei durch die Feuerwehr umgehend gestoppt worden. Der Grossteil der ausgetretenen Substanz sei im Gebäudeinneren verblieben. Wobei jener flüchtige Bestandteil, das Gas SO3, das nach aussen drang und sich mit dem Wasservorhang der Feuerwehr vermischte, eine weitum sichtbare Wasserdampfwolke bewirkte.

«Vor Ort durchgeführte Messungen ergaben, dass für Mensch und Umwelt zu keinem Zeitpunkt eine Gefährdung bestand», schrieb die Baselbieter Polizei anschliessend in ihrer Mitteilung. Auch die Wasserdampfwolke habe sich rasch verflüchtigt.

Wenige Stunden später, bei der Reparatur der defekten Leitung, passierte der nächste Unfall. Erneut trat im gleichen CABB-Produktionsgebäude «eine geringe Menge konzentrierte Schwefelsäure» aus. Gemäss Polizeiangaben geschah dies kurz nach 14.00 Uhr. Bei der erneuten Havarie wurde eine Person leicht verletzt, die sich in ärztliche Behandlung begeben musste. Um die genauen Umstände der beiden Unfälle festzustellen, nahm gestern neben den Polizeiforensikern auch die Baselbieter Staatsanwaltschaft Ermittlungen auf.

Untersucht wird vorerst ein möglicher Verstoss gegen das Umweltschutzgesetz, wie Sprecher Michael Lutz am Donnerstagabend bestätigte. Der zuständige Staatsanwalt verfügte zudem «die örtliche Sicherstellung der betroffenen Anlage», was bedeutet, dass auf dieser Anlage nicht mehr produziert werden darf, bis die Untersuchungen abgeschlossen sind.

Wahnsinniger Ärger

Die verärgerten Reaktionen der Öffentlichkeit liessen nicht lange auf sich warten. «Schliessen!», forderte der Basler Grossratspräsident und SVP-Politiker Joël Thüring kurz und knapp per Kurznachrichtendienst Twitter. Natürlich ärgere es die CABB «wahnsinnig», dass es wiederum zu «Zwischenfällen» in der Produktion gekommen sei, wehrte sich Sprecher Ulrich Gartner gegen die erneute Welle der Unmutsbezeugungen.

Anderseits seien die Ankündigungen der Firma vom Februar keine blossen Lippenbekenntnisse. Alle sicherheitsrelevanten Verbesserungen in technischer und prozessualer Hinsicht würden «konzentriert» umgesetzt. Auch aus den gestrigen Vorfällen wolle man im Unternehmen die richtigen Lehren ziehen. Nur wäre es für die CABB am Standort Schweizerhalle von Vorteil, wenn die Kette der Unfälle endlich ihr Ende finden würde.

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