Basel
Bunt, präzise, witzig und melancholisch: Das Tattoo ist wieder da

Am Freitagabend nahmen die Massed Pipes and Drums den Kasernenhof in Besitz und läuteten so die Tattoo-Woche 2013 ein. Mit Musik-Korps aus Tonga, Kanada, Südafrika und Australien ist das Tattoo so international besetzt, wie überhaupt möglich.

Nicolas Drechsler
Drucken
Teilen
Royal Corps of Musicians, Tonga.
13 Bilder
Massed Military Bands und Massed Pieps and Drums.
Fabienne Louves singt ebenfalls am Tattoo.
Band of HM Royal Marines, Grossbritannien.
Premiere des Basel Tattoo
HM The King's Guard Band & Drill Team, Norwegen.
Band of The Life Guards, Grossbritannien.
Mounted Fanfare Band of the Carabinieri, Italien.
International Highland Dancers.
Band of The Life Guards mit Pferden aus Grossbritannien.
HM The KingÕs Guard Band & Drill Team, Norwegen.
Massed Pipes and Drums formen den Basler und den Basellandschaftliche Stab.
Finale zum Basel Tattoo 2013.

Royal Corps of Musicians, Tonga.

Keystone

«Schau mal, die sind aus Vancouver!» «Und die da aus Südafrika!» Das Basel Tattoo zeigte an seiner Premiere am Freitagabend, dass es immer internationaler wird. Auch und gerade bei den «Massed Pipes and Drums», die traditionellerweise Anfang und Ende eines Tattoos bestreiten. Und die Zuschauer können fast ebenso traditionellerweise raten, welche Uniform nun zu welcher der zahlreichen Dudelsack- und Perkussions-Gruppen gehört und dann anhand der Wappen auf der Basstrommel überprüfen, ob sie richtig gelegen haben.

Einstieg mit dem Südpazifik

Doch der Reihe nach: Den Auftakt auf dem Kasernenhof macht dieses Jahr das Royal Corps of Musicians aus Tonga, begleitet von Südsee-typischen Tänzerinnen und Tänzern, die anmutig ihre Paddel schwingen. Die Band spielt ihre pazifischen Klänge genauso beschwingt wie den «Imperial March» aus Star Wars und Abbas «Mamma mia». Eine musikalische Weltreise als Appetithappen also.

Königliche Warm- und Kaltblüter

Nach den zierlichen Musikern aus Tonga wirken die wuchtigen Rösser ihrer königlichen Majestät Leibgarde zu Pferd umso grösser. Die Life Guards der englischen Königin zeigt sich von ihrer besten Seite, hoch zu Ross, in den traditionellen roten Uniformen und Helmen mit Rosshaarschweif. Zu den Klängen von Adeles «Skyfall» gibt es Pferdedressur und Ballett, alles scharf beäugt vom persönlichen Pferd von Prinzessin Anne, das sozusagen der Stargast am diesjährigen Tattoo ist.

Zu den auf ihren Pferden thronenden Panzersoldaten gesellt sich die ebenfalls berittene Band der italienischen Carabinieri auf kleinen wendigen Schimmeln, die sich neben den Schlachtrössern der Briten beinahe ausnehmen wie Ponys. Die Gendarmen in den für sie typischen Zweispitz-Hüten spielen sich quer durch die leichte italienische Klassik, von «Funiculì, funiculà» bis zum Gefangenenchor aus «Nabucco». Die Life Guards dagegen verlassen die Arena zu lokalen Tönen, mit dem «Wettsteinmarsch».

Da die Pferde bei aller militärischen Disziplin nicht stubenrein sind, folgt nun ein Auftritt der besonderen Art: Anstatt dass einfach die Besenwagen aufkreuzen, putzt das «Präzisionsfahrteam der 3. Städtereinigungskompanie des Kantons Basel-Stadt» in Formation die Arena. Inklusive Feuerwerk auf den Fahrzeugen und einer einwandfreien militärischen Abmeldung beim diensthabenden Offizier der Schweizer Armee in der Arena. Ein äusserst sympathischer Auftritt der fleissigen Mannen in Orange, der das Publikum zu einem Beifallssturm animiert.

Musikalische Brandbekämpfer

Den Reigen der Staatsdiener setzt die Musique de la Brigade de Sapeurs-Pompiers de Paris fort. So heisst die mit ihren gut 8000 Mann mit Abstand grösste Feuerwehr Europas. Gegründet hat sie 1811 Kaiser Napoleon, aber das musikalische Repertoire ist auf dem neusten Stand: Die Truppe tanzt zu Michael Jacksons «Thriller» in die Arena, marschiert mit Lady Gagas «Pokerface» über den Exerzierplatz und schwingt zu «Gangnam-Style» die Beine. Spätestens als die kräftigen Männer in Uniform und Kampfstiefeln einen Cancan auf den Asphalt legen, tobt das Publikum vor Begeisterung. Ein musikalisch einwandfreier Auftritt mit hohem Unterhaltungswert, sauber abgerundet mit dem Ausmarsch zum Lied über «Gilberte de Courgenay», das die Zuschauer lauthals mitsingen.

Jonglieren mit blankem Bajonett

Was folgt ist nicht minder unterhaltsam, bereits zum dritten Mal in Basel zu sehen und immer wieder erstaunlich: die dritte Kompanie von «Hans Majestet Kongens Garde», das Drillteam der norwegischen Königsgarde. Hier sitzt jeder Schritt, es entsteht ein Stepptanz mit Marschschuhen und Gewehrkolben. Das ist Karabinerwirbeln und -werfen vom Feinsten. Und dass die Norweger beim Ausmarsch «Z'Basel an mym Rhy» akzentfrei und mit sichtlicher Freude singen, macht sie beim Publikum noch beliebter.

Vor dem Finale folgen nun die musikalisch stärksten Auftritte: Die Band der Polizei von South Australia legt mit Gesang, Popmusik, Didgeridoos und präzisem Exerzieren vor. Und dann zieht die Band der Marineinfanterie des Vereinigten Königreichs locker nach und setzt noch einen drauf. Die mit Abstand grösste Band am diesjährigen Tattoo zeigt, dass die Royal Marines nicht nur auf den Schlachtfeldern der Welt zu den Besten gehören, sondern auch musikalisch ganz vorne mitmischen.

Ende mit Highland-Melancholie

Traditionellerweise stehen beim Finale eines Tattoos noch einmal die Massed Pipes and Drums, die Marschbands und alle anderen Teilnehmer in der Arena. Den Farbtupfer setzt hier die Schweizer Soulröhre Fabienne Louves mit ihrem Lied «Rotwiss», einer für hiesige Verhältnisse ungewohnt patriotischen Hymne an die Schweiz, die Louves mit enormem Charme zum Besten gibt.

Danach folgen die klassischen Elemente eines Zapfenstreichs: die Nationalhymne, die Gedenkhymne für die gefallenen Soldaten in den Konflikten weltweit und der Lone Piper. Einsam und direkt unter dem hellen Mond steht Stuart Samson auf dem Turm des Kasernenbaus und lässt sein Lied «Land of Bens and Glens and Heroes» melancholisch durch die Nacht klingen.

Aktuelle Nachrichten