Portät
Bottmingerin plant den neuen Einkaufstrend auf dem Bauernhof

Kaum hat die Physiotherapeutin Evelyne Mathis-Saladin die bäuerlich-hauswirtschaftliche Basisausbildung absolviert, schmiedet sie grosse Zukunftspläne auf ihrem Hof.

Fränzi Zwahlen-Saner
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Evelyne Mathis-Saladin ist überzeugt davon, dass sich ihr jüngster Berufswechsel gelohnt hat.

Evelyne Mathis-Saladin ist überzeugt davon, dass sich ihr jüngster Berufswechsel gelohnt hat.

Fränzi Zwahlen-Saner

Evelyne Mathis-Saladin (31) ist so richtig glücklich. Soeben hat sie ihr Diplom als bäuerlich-hauswirtschaftliche Absolventin der landwirtschaftlichen Berufsfachschule Wallierhof Riedholz erhalten. Und bald will sie das Gelernte in einem neuen Geschäftsfeld anwenden. Sie plant zusammen mit ihrem Ehemann in Bottmingen, das Blumenfeld auf dem Hof ihrer Schwiegereltern neu zu vermarkten sowie neue Selbstpflückangebote zu lancieren.

«Wir denken an Gemüse zum Selberernten. Ich glaube, das gibt es in der Schweiz noch nicht.» Auf dem Blumenfeld des Mathis-Hofes gedeihen schon seit Jahren erfolgreich rund 300 verschiedene Blumensorten zum Selberpflücken auf einer Hektare. Dieses Geschäft soll ausgebaut werden.

Mit der «Scholle verwachsen»

Man könnte sagen, Evelyne Mathis-Saladin sei mit der «Scholle verwachsen». Sie ist in Hochwald, ebenfalls auf einem Bauernhof, der Tüfleten, aufgewachsen. «Der Name hat nichts mit dem Teufel zu tun, sondern bezeichnet die Lage, eine tiefe Ebene», sagt die 31-Jährige und lacht. Mit diesem Namen werde sie immer wieder mal aufgezogen. «Nach der Bezirksschule in Büren stand mein Berufswunsch fest: Landwirtin. Diejenige, die Traktor fährt, Kühe melkt und Getreide anbaut.»

So hat sie es zu Hause beim Helfen auf dem Betrieb erfahren. «Die Lehrer meinten zwar, ‹du kannst mehr als Kürbisse auflesen›.» Doch diese Negativ-Haltung habe sie in ihrem Berufswunsch nur bekräftigt. «Meine drei Geschwister und ich haben unseren Eltern stets auf dem Hof geholfen – und das auch sehr gerne.» So absolvierte sie das erste Berufsjahr in Witterswil und das zweite in Aetigkofen auf dem Ischhof. «Dann kamen noch die Winterkurse am Wallierhof hinzu, und nach dem Abschluss reiste ich für ein paar Monate nach Kanada.»

Wir denken an Gemüse zum Selberernten. Ich glaube, das gibt es in der Schweiz noch nicht.

(Quelle: Evelyne Mathis-Saladin Neo-Bäuerin vom Mathis-Hof)

Wieder zu Hause, habe sie noch die Berufsmittelschule nachgeholt und sich dann in einem spontanen Entschluss an die Aufnahmeprüfung als Physiotherapeutin gemeldet. «Diese Ausbildung absolvierte ich dann vier Jahre lang und arbeitete auf dem Beruf im Spital Liestal», erzählt sie. Doch bei der Arbeit als Physiotherapeutin vermisste sie das Draussensein, die «Scholle». «Zudem hatte ich auch Abgrenzungsprobleme», bekennt sie.

So kam ihr ein Engagement als Aushilfs-Servicekraft im Restaurant Gempenturm gerade recht. «Gleichzeitig arbeitete ich noch 20 Prozent als Physiotherapeutin in Basel. Das war eine gute Mischung».

Frisch verheiratet im Internat

Dann lernte sie ihren jetzigen Ehemann, einen ausgebildeten Agronomen und Bauernsohn, kennen und entschloss sich, zur «Scholle» zurückzukehren. Ende Juli des letzten Jahres wurde geheiratet, und im September begann der sechsmonatige Kurs am Wallierhof. «Ich war Internatsbewohnerin, denn es wäre nicht möglich gewesen, jeden Abend nach Hause zu fahren. Meine Grossmutter meinte zwar, das sei doch schon hart, so frisch verheiratet ...», sagt sie und lacht. Doch die Zeit sei schnell vorbeigegangen.

Die Frage, ob eine hauswirtschaftliche Ausbildung heute noch zeitgemäss sei, hat sie oft beantworten müssen – auch Freundinnen gegenüber. Sie ist sich da ganz sicher: «Na klar. Heute ist solches Wissen vielleicht noch wichtiger als früher. Jeder spricht von Nachhaltigkeit, von Foodwaste. Jeder sollte doch wissen, wie er seine Waschmittel richtig dosiert, wie man aus Resten ein neues Gericht kocht, oder welche Kniffe es für einen ergiebigen Kräutergarten gibt.»

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