Kloster
Beschauliche Abtei im Ausnahmezustand: Gottesdienste in Mariastein mit Voranmeldung

Das Kloster Mariastein musste die Besuchsregeln 2020 ständig ändern. An Weihnachten finden Gottesdienste statt. Allerdings ist dafür eine Anmeldung nötig.

Boris Burkhardt
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Pilgergruppen, wie hier aus Pratteln, konnten das Kloster Mariastein immerhin von Juni bis Oktober besuchen.

Pilgergruppen, wie hier aus Pratteln, konnten das Kloster Mariastein immerhin von Juni bis Oktober besuchen.

Boris Burkhardt

Rückblende: Kloster Mariastein, Anfang Oktober 2020: Die katholische Pilgergruppe aus Pratteln kommt gerade an. Der Leiter begrüsst den Mönch an der Türe der Kirche mit dem Ellenbogen. Es ist Zeit für eines der täglichen Chorgebete: Die Mönche singen es, wie der Name sagt, im Chor, dem runden Gebäudeteil der Kirche hinter dem Altar, mit grossem Abstand zu den Besuchern, die auf den Bänken im Kirchenschiff zuhören.

Die Pilger aus Pratteln haben ihren Pfarrer mitgebracht, der im Anschluss an das Chorgebet einen Wallfahrtsgottesdienst mit ihnen feiert. Die Gemeinde darf wieder mitsingen. Eine Teilnehmerin, die der Risikogruppe angehört, trägt trotz Maskenpflicht in der Kirche keine.

Seit November keine Eucharistiefeiern mehr

Seit November gibt es im Kloster Mariastein nun keine öffentlichen Eucharistiefeiern mehr. Nur dem Chorgebet können die wenigen Besucher seither noch in sicherem Abstand lauschen. Auch die Mönche wurden von der zweiten Corona-Welle überrollt.

Nach dem Lockdown im März und April, als eine Teilnahme an den Gebeten der Mönche nicht möglich war, öffnete sich das Kloster Schritt für Schritt der Aussenwelt. Am 1. Mai machten Pater Ludwig Ziegerer und Olivia Forrer, verantwortlich für die Wallfahrt, «unausgeschrieben auf»: «Wer zufällig da war, konnte auch das Chorgebet wieder miterleben.»

Gottesdienste waren schweizweit ab Pfingsten Ende Mai wieder erlaubt; der erste in Mariastein fand an Fronleichnam statt. «Das wäre uns zuvor zu schnell gegangen mit Hunderten erwarteten Besucherinnen und Besuchern an Pfingsten», sagt Forrer. In der Zeit davor spielte sonntagnachmittags der Organist auf der Orgel. «Die Leute haben das sehr geschätzt», erinnert sich Forrer.

Anmeldepflicht erntete Kritik

In den Sommermonaten bis September kehrte auch im Wallfahrtsbetrieb des Klosters wieder fast so etwas wie Normalität ein. Erst entschieden sich Forrer und Pater Ludwig dafür, bei den Gottesdiensten mit obligatorischer Anmeldung, dafür ohne Maskenpflicht zu arbeiten. Mit zwei Metern Mindestabstand durften sie 80 Personen in die Kirche lassen, später mit 1,5 Metern 100.

«Die Anmeldepflicht hat uns viel Kritik eingebracht», sagt Forrer: «Jeden Sonntag mussten wir 30 bis 40 Menschen vor der ausgebuchten Kirche abweisen, die ohne Anmeldung gekommen waren.» Ab August galt in den Gottesdiensten deshalb Maskenpflicht ohne Anmeldung.

Inzwischen hat der Kanton Solothurn die maximale Teilnehmerzahl für Gottesdienste streng reduziert: normalerweise auf maximal 15, über Weihnachten ausnahmsweise auf 30. «Das brachte uns in Bedrängnis», erklärt Pater Ludwig. Deshalb verzichten die Patres nun grundsätzlich auf öffentliche Gottesdienste. Es gibt indes Ausnahmen: An Heiligabend und am Weihnachtstag gibts je einen Gottesdienst. Wer teilnehmen will, muss sich aber voranmelden.

Ein Privileg während dem Lockdown: der Klostergarten

Eine besondere Herausforderung für Forrer und Pater Ludwig ist derzeit denn auch die Öffentlichkeitsarbeit: «Wir müssen jeden Schritt sehr gut planen und kommunizieren. Da läuft nichts von heute auf morgen.» Die Gnadenkapelle mit dem Gnadenbild der Maria im Stein in der Felsengrotte unterhalb der Kirche wurde erst Anfang August für die Besucher geöffnet, mit eingeschränkten Öffnungszeiten und Maskenpflicht. Zuvor war für die Pilger eine Kopie des Gnadenbilds in der Kirche ausgestellt.

«Wir mussten auf jeden Fall verhindern, dass das Kloster wegen eines Coronafalls unter den Besuchenden in die Schlagzeilen gerät», sagt Pater Ludwig. Nicht alle Besucher hätten Verständnis für diese Vorsicht aufbringen können.

Auch Pater Ludwig spürte den Lockdown deutlich: Entgegen dem Klischee vom isolierten Klosterleben sind die Mönche normalerweise viel auswärts unterwegs, im Schuldienst, in der Seelsorge, für den Benediktinerorden in der Schweiz. «Ich habe mich gewundert, dass wir keinen Lagerkoller bekamen», sagt Pater Ludwig. Er wisse aber, dass er während des Lockdowns mit dem grossen Garten des Klosters privilegiert gewesen sei.

250'000 Pilger pro Jahr – in normalen Zeiten

Von der mittelalterlichen Logik, wonach Corona eine Strafe Gottes wäre, hält Pater Ludwig gar nichts: «Aber wir können die Pandemie als Zeichen der Zeit sehen: Wollen wir mit allem in der Familie, in der Gesellschaft, in der Kirche, so weitermachen? Oder überlegen wir, ob wir nicht mehr Qualität statt Quantität wollen?» Corona habe in dieser Hinsicht auch im Kloster und im Benediktinerorden viel in Bewegung gebracht.

Zahlen zu den Pilgern 2020 gibt es noch keine: Laut Pater Ludwig waren es aber deutlich weniger als die 250'000 im Schnitt der Vorjahre. Das ist auch ein schmerzlicher finanzieller Verlust für die Mönche: «Wir leben von den Spenden der Pilger», sagt Pater Ludwig. Auch der Verkauf der Opferkerzen ging 2020 stark zurück.

Aktuelle Informationen:
www.kloster-mariastein.ch

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