Eigenverbrauch
Bei den Strompreisen herrscht totaler Wildwuchs

Da Eigenverbrauchsgemeinschaften ein neues Geschäftsmodell sind, reicht die Preisspanne von fördernd-positiv bis abschreckend-prohibitiv.

Daniel Haller
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Chaos bei den Strompreisen.

Chaos bei den Strompreisen.

EBM und BKW haben, wie die Centralschweizerische Kraftwerke AG (CKW) und die solothurnische AEK, auf den 1. Januar Preislisten für Eigenverbrauchsgemeinschaften aufgeschaltet. Beim aktuellen Verhältnis zwischen Kostendeckender Einspeisevergütung (KEV) und Strompreisen steht die Rentabilität der EVG noch auf Messers Schneide. «Die Wirtschaftlichkeit einer EVG hängt davon ab, wie teuer der lokale Stromlieferant messen will», meint David Stickelberger, Geschäftsführer des Verbands Swissolar.

So schreibt die EBM – sie hat noch keine EVG – Messungen für jedes einzelne EVG-Mitglied mittels Smartmeter mit viertelstündlicher Datenübermittlung und Lastgangberechnung vor. Das würde anzeigen, wer wann wie viel von welchem Strom verbraucht. Diese Daten würde die EBM der EVG für die interne Verrechnung zur Verfügung stellen. Das kostet pro Teilnehmer einen Zuschlag von 24 Franken im Monat, also für eine EVG mit 30 Mitgliedern 8640 Franken im Jahr. Dominik Müller, Geschäftsführer der Solarfirma Solvatec, kritisiert den Zuschlag als innovationshemmend. Lastgangmessung sei bei Anlagen unter 30 Kilowatt ein überflüssiger Kostentreiber.

Ganz anders sieht dies die BKW: «Die Lastgangmessungen sind Anforderungen der Verordnung zum Herkunftsnachweis und gelten für alle Energieversorgungsunternehmen», betont Mediensprecher Tobias Fässler. Die BKW stellt der EVG die zusätzlichen Messgeräte für jährlich 1024 Franken zur Verfügung. Derzeit beliefert sie sechs EVG, aber noch keine im Baselbiet.

Eine weitaus einfachere Variante bietet die EBL: «Wir montieren nur einen zusätzlichen Zähler am Hauseingang für die gesamte EVG und messen wie bis anhin den Verbrauch der einzelnen Teilnehmer mit den vorhandenen Zählern», berichtet Michel Pasquier, Abteilungsleiter Energiewirtschaft. Nach welchen Methoden und technischen Massnahmen die EVG intern den Verbrauch von Solar- und Netzstrom verrechnet, kümmert die EBL nicht. Ausser für den einen zusätzlichen Zähler für den Gesamtstrom der EVG fallen also keine monatlichen Kosten an. Die EBL beliefert die zwei zukünftigen EVG im Ergolzpark (siehe oben).

Heikle Monopolfrage

«Wie weit man das Messwesen Dritten überlassen darf, ist stark umstritten», berichtet Stickelberger von Swissolar. Derzeit sei dazu eine Beschwerde bei der Eidgenössischen Elektrizitätskommission hängig, die vermutlich bis vors Bundesgericht ausgefochten werde. Dahinter stehe die Grundsatzfrage, wie weit das Monopol der lokalen Energieversorger angeknabbert wird, wenn sie das Messen anderen überlassen.

Stickelberger nennt ein Beispiel, wie ein Energieversorger die EVG-Idee auf einfachste Weise fördern kann: Romande Energie werde demnächst ein Angebot aufschalten, das die Messung vereinfacht und zugleich der EVG die Verwaltung und das Inkasso abnimmt: Für jede im Haus selbstverbrauchte Solar-Kilowattstunde bezahle Romande Energie 16,2 Rappen, für die ins Netz eingespeiste Kilowattstunde 9,4 Rappen an den Betreiber der Solaranlage. Gemessen werde wie bisher der individuelle Verbrauch. Die EVG-Mitglieder bekommen dann ihre Rechnung zu einem speziellen «Auto-Eco»-Stromtarif direkt von Romande Energie.

Gründung meistens gratis

Auf den Websites von EBL, IWB und der aargauischen AEW findet man keine EVG-Tarife. «So lange es nur wenige Interessenten gibt, lohnt sich der Aufwand vorläufig nicht, eine Preisliste zu erarbeiten», erklärt EBL-Geschäftsleitungsmitglied Tobias Andrist. IWB-Sprecher Erik Rummer meint: «Da die Ausprägung solcher EVG sehr individuell und verschieden ist, können wir zu den tatsächlichen Kosten noch keine Angaben machen.» So ist derzeit – wie bei den meisten Energieunternehmen – die Gründung einer EVG gratis. Trotzdem gibts in Basel noch keine. EBM und CKW erheben dagegen für den Eintritt und Ausstieg aus einer EVG Gebühren von je 300 respektive 324 Franken und für Mieterwechsel 200 respektive 216 Franken. Im Gebiet der CKW gibt es bereits vier EVG.

Bei all den himmelweiten Unterschieden in der Preisgestaltung – über eines sind sich die Stromunternehmen einig: Dass die Eigenverbraucher auf ihrem Solarstrom keine Netznutzungsgebühren bezahlen, führe zu einer Entsolidarisierung, da auch Eigenverbraucher auf das Netz angewiesen sind. Dessen Kosten würden aber, wenn der Eigenverbrauch zunimmt, vor allem Mietern in Liegenschaften ohne Solaranlage überproportional aufgebürdet. Darauf hat die BKW und die CKW reagiert: Sie verrechnen den EVG für bezogenen Strom einen speziellen Netznutzungstarif

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