Unternehmenssteuern
Baselland und Allschwil gehen beim Actelion-Deal leer aus

30 Milliarden Dollar schwer soll die angekündigte Übernahme des Allschwiler Pharmaunternehmens Actelion durch den US-Grosskonzern Johnson & Johnson werden. Wenn überhaupt, kommen nur reiche Actelion-Aktionäre über die Vermögenssteuer zur Kasse.

Bojan Stula
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KEYSTONE

Die Übernahme der Allschwiler Pharma-Perle Actelion durch den US-Grosskonzern Johnson & Johnson ist die grösste derartige Transaktion in der Baselbieter Wirtschaftsgeschichte. Dennoch wird die öffentliche Hand höchstens indirekt davon profitieren können. Peter Nefzger, Vorsteher der kantonalen Steuerverwaltung Baselland, rechnet nicht damit, dass von den 30 Milliarden Dollar aus dem Actelion-Verkauf irgendein Anteil in die Staatskasse fliessen wird; weder in die kantonale noch in jene der Standortgemeinde. «Das Schweizer Stimmvolk hat sich zuletzt an der Urne bewusst gegen die Einführung einer Kapitalgewinnsteuer ausgesprochen, welche die Besteuerung von Gewinnen aus Aktienverkäufen ermöglicht hätte», stellt Nefzger nüchtern fest. Genau das sei aber der springende Punkt: Beim Verkauf von Actelion an Johnson & Johnson handelt es sich um eine Firmenübernahme auf Stufe Aktionär, bei der die am Deal beteiligten Juristischen Personen ungeschoren davonkommen.

Bisher ein guter Steuerzahler

Joseph Hammel bestätigt die Annahme des Kantons. Gleichzeitig räumt der Leiter der Hauptabteilung Finanzen und Steuern auf der Allschwiler Gemeindeverwaltung mit einem weit verbreiteten Vorurteil auf: «Die Grösse eines Unternehmens hat oft nichts mit dem Steuerertrag zu tun.» Allschwils Finanzverwalter weiss aus eigener Erfahrung, dass manchmal ein völlig unbekanntes Unternehmen höhere Steuererträge abwerfen kann als eine hundertköpfige, renommierte Grossfirma. Im Fall des einstigen Roche-Spin-offs Actelion kann Hammel trotz Steuergeheimnis bestätigen, dass es sich um einen der bisher acht besten Unternehmenssteuerzahler von Allschwil handelt. Nach der so gut wie sicher scheinenden Übernahme durch den US-Grosskonzern Johnson & Johnson stellt sich aber für die grösste Baselbieter Gemeinde die Frage: Wie lange noch?

Eine Übernahme durch einen Grosskonzern hat oft auch Konsequenzen auf die interne Umverteilung der Gewinnströme, bestätigt Hammel. Dies sei aber zum jetzigen Zeitpunkt reine Spekulation, darum bestehe auch noch kein Anlass für Anpassungen in Allschwils Finanzplan für die Jahre 2017 bis 2021. Letztlich sei es Sache des Kantons, mit Actelion oder den Abgesandten von Johnson & Johnson bei Bedarf eine Steuervereinbarung zu treffen.

Hoffen auf Vermögenssteuer

Ziemlich sicher ist laut Peter Nefzger dagegen, dass von der aus der Umstrukturierung hervorgehenden neuen Forschungsfirma R & D Newco steuermässig vorerst wenig erwartet werden darf. Der Baselbieter Steuerverwalter geht davon aus, dass Jean-Paul Clozels Nachfolge-Unternehmen, das gemäss bisherigem Kenntnisstand bis zu 700 Mitarbeitende am Standort Allschwil umfassen wird, in den Anfangsjahren kaum Gewinne erwirtschaften dürfte. Nimmt das Stimmvolk am 12. Februar die Unternehmenssteuerreform III an, werden sich zudem Newco zusätzliche Möglichkeiten für Steuerabzüge aufgrund der Forschungstätigkeit eröffnen. Die Stichworte hierzu sind «Patentbox» und vor allem «Inputförderung»; also der steuerliche Abzug von 1.20 pro investierten Forschungsfranken, wie es in Baselland vorgesehen ist.

Für die öffentliche Hand besteht immerhin noch die Hoffnung, einen Anteil vom Milliarden-Segen über die Vermögenssteuer bei natürlichen Personen abschöpfen zu können. Wenn Aktionäre und Mitarbeitende durch den Verkauf von Actelion-Titeln ihr Vermögen vergrössern, schlägt sich das in deren Steuererklärung nieder, wovon Wohnsitz-Gemeinden und -Kantone profitieren werden. Wobei Nefzger auch hier die Einschränkung macht, dass ein Teil der Actelion-Aktionäre institutionelle Anleger wie Pensionskassen sind, die ohnehin das Privileg der Steuerbefreiung geniessen.

Actelion wollte zu den künftigen steuerlichen Perspektiven des Unternehmens keine Stellung nehmen.

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