Laufen
Baselland kämpft gegen Verkehrs-Kollaps – Kernumfahrung soll Belastung mildern

Statt der grossen und teuren Umfahrung setzt man in Laufen nun auf kleinere und kostengünstigere Umfahrungen. Der Muggenbergtunnel und die Kernumfahrung von Laufen werden als prioritäre Projekte aufgelistet.

Dimitri Hofer
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Am Laufner Bahnhof reihen sich häufig die Autos. Eine Kernumfahrung soll das Gebiet entlasten.

Am Laufner Bahnhof reihen sich häufig die Autos. Eine Kernumfahrung soll das Gebiet entlasten.

Kenneth Nars

Die Verkehrsbelastung in der Stadt Laufen ist enorm. Besonders während der Hauptzeiten stauen sich rund um den Bahnhof die Autos und Lastwagen. Unternommen gegen das Problem wurde bisher kaum etwas.

Seit Jahrzehnten geistert die Idee einer grossräumigen Umfahrung um Zwingen und Laufen umher. Deren Umsetzung würde rund eine Milliarde Franken kosten, weshalb sie in sehr weiter Ferne liegt. Stattdessen versucht der Kanton Baselland nun, mit kleineren und kostengünstigeren Projekten die Verkehrsprobleme zu lösen. Im kürzlich vorgestellten Investitionsprogramm für die Jahre 2019 bis 2028 sind der Muggenbergtunnel (siehe Box unten) sowie die Kernumfahrung von Laufen als prioritäre Projekte aufgelistet.

Neues Kapitel in einer langen Geschichte

Bereits seit den 1970er-Jahren gibt es Pläne, den Muggenbergtunnel zu bauen. Der Tunnel zwischen Angenstein und dem Eggfluetunnel soll zu einer Verkehrsentlastung in diesem Gebiet führen. Die dort vorhandenen Verkehrsprobleme könne man am einfachsten und langfristig wirksamsten mit dem Muggenbergtunnel lösen, erklärt Urs Roth vom Baselbieter Tiefbauamt.

Im Investitionsprogramm für die Jahre 2019 bis 2028 wurde der Tunnel als neu priorisiertes Projekt aufgenommen. «Um für das Projekt beim Bund, der ab 2020 für diesen Knoten zuständig ist, eine hohe Priorität zu erreichen, soll eine Vorstudie inklusive Zweckmässigkeit erarbeitet werden», so Roth. Damit liege eine Grundlage vor, um beim Bund vorstellig zu werden, damit dieser den Muggenbergtunnel rasch realisiert.

Strasse geht an Bund über

Eine Vorstudie zur Kernumfahrung liegt bereits vor, im nächsten Jahr beginnt das Vorprojekt. Läuft alles nach Plan, startet im Jahr 2022 das Bauprojekt. Zuständig sein wird dann der Bund, da die A 18, auf der die Umfahrung zu liegen kommt, auf das Jahr 2020 hin eine Nationalstrasse wird.

«Mit der Erarbeitung der Vorstudie und des Vorprojekts kann die optimale Linienführung erarbeitet werden», sagt Urs Roth, Leiter des Geschäftsbereichs Verkehrsinfrastrukturen beim Kanton. Ohne eine rasche Planung der Umfahrung bestehe die Gefahr, dass einzelne Vorhaben und Quartierpläne blockiert bleiben oder nicht realisiert werden.

Die Kosten für die Kernumfahrung belaufen sich derzeitigen Schätzungen zufolge auf rund 75 Millionen Franken. Der Kanton sieht vor, bis zur Übergabe der Strasse an den Bund die Planungen der Umfahrung möglichst weit voranzutreiben. «Wir wollen dem Bund nicht nur Pläne mitgeben, sondern ihm auch aufzeigen, dass eine Umfahrung von Laufen zweckmässig ist», erklärt Roth. «Haben wir schon viel in der Hand, können wir Druck aufsetzen.» Die Laufner Ortsdurchfahrt sei schwer belastet, insbesondere vom Schwerverkehr.

Ein weiteres Projekt, das der Kanton mit höchster Priorität verfolgt, ist der Bau einer neuen Verkehrsbrücke in Laufen über die Birs. «Sie wird in der Fortsetzung der Bahnhofsunterführung über die Birs gebaut und zur Delsbergerstrasse führen», sagt Urs Roth.

Die Kernumfahrung führe, von Basel her, über die Naubrücke, die als Hochwasserschutzmassnahme am gleichen Ort neu erstellt werde und verlaufe danach etwa 300 Meter unter dem Bahnhof durch. «Hier verlassen die Autolenker den Untergrund und fahren über die neue Brücke zur Delsbergerstrasse.»

Grosse Freude im Laufental

Bei Laufner Politikern kommen die Pläne des Kantons gut an. So findet Alex Imhof (CVP), Stadtpräsident von Laufen: «Der Kanton hat erkannt, dass er mit der Kernumfahrung mit relativ wenig Mitteln eine grosse Wirkung erzielen kann.» Er begrüsse es, dass es endlich vorwärts gehe, sagt wiederum Rolf Richterich. «Das ist sehr erfreulich.»

Der Laufner FDP-Landrat hat im Jahr 2014 im Parlament ein Postulat eingereicht, das vom Regierungsrat verlangte, eine Kernumfahrung von Laufen zu prüfen. Diese bezeichnet er als «flankierende Massnahme», bis die grosse Umfahrung von Zwingen und Laufen dereinst doch noch kommt.

Die Hoffnung auf das Milliarden-Projekt hat man im Laufental trotz der trüben Aussichten nicht aufgegeben.

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