Lehrplan
Baselbieter Sekschulen können endlich neue Fächer vorbereiten

Nächstes Jahr werden auch in Baselland die neuen Wahlpflichtfächer Lingua und Mint eingeführt. Lange war vieles unklar, doch nun informierte der Kanton die Schulleitungen.

Michael Nittnaus
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Die Sekundarschule Frenkendorf. Archiv/Hdu

Die Sekundarschule Frenkendorf. Archiv/Hdu

Seit knapp drei Monaten können Basler Sekundarschüler der Niveaus E und P ab der zweiten Klasse drei neue Fächer belegen: Lingua Latein, Lingua Italienisch sowie das Mischfach Mint (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik). Sie ergänzen im Wahlpflichtbereich die Fächer Bildnerisches, Textiles oder Technisches Gestalten sowie Musik. In Baselland hingegen müssen sich die Schüler noch etwas gedulden. Dies weil der Bildungsrat Ende 2015 beschlossen hat, die neue bikantonale Stundentafel wegen der vielen hängigen bildungspolitischen Volksbegehren im Kanton erst verzögert einzuführen. Die extra deswegen erarbeitete Übergangsstundentafel sieht nun für das Schuljahr 2017/18 erstmals Lingua- und Mint-Unterricht vor.

Doch lange war nicht allen Schulleitungen klar, wie sie genau die neuen Fächer umsetzen sollen. Dabei wird bereits im Januar das nächste Schuljahr geplant. Vor gut zwei Wochen war etwa der Unmut des Leiters der Liestaler Sekundarschule Frenke, Dieter Steinegger, am grossen Infoanlass zum Übertritt der Primarschüler in die Sekstufe deutlich zu spüren. Vor rund 200 Eltern bemängelte er, dass noch viele Fragen unbeantwortet seien. Der Adressat dieser Kritik ist eindeutig: das kantonale Amt für Volksschulen (AVS). Gestern präzisierte Steinegger gegenüber der bz: «Im Übergangslehrplan waren Mint und Lingua respektive die einzelnen Module noch nicht detailliert geregelt. Es fehlte an entsprechendem Infomaterial vom Kanton.» Beispielsweise sei offen gewesen, welche Lehrer überhaupt für das vielschichtige Fach Mint infrage kommen.

Mint konkurrenziert Werken

Steinegger spricht allerdings absichtlich in der Vergangenheitsform: Letzte Woche verschickte das AVS ein ausführliches Infopaket an die Sek-Schulleitungen. Dies im Hinblick auf die Schulleiter-Konferenz von morgen Mittwoch, bei der die Einführung der neuen Wahlpflichtfächer traktandiert ist. «Nun herrscht Klarheit», sagt Steinegger, ohne allzu sehr ins Detail gehen zu wollen. Ein Beispiel nennt er aber: Mittlerweile ist klar, dass alle Lehrer aus dem naturwissenschaftlichen Bereich, sei es Mathematik-, Chemie-, Biologie- oder Physiklehrer, Mint-Module übernehmen können. Und das ohne grossen Aufwand.

Das betont auch Beat Lüthy. Der Schulleiter der Sek Sissach weiss als Co-Präsident des Schulleiterverbandes Baselland (VSL) um die bisherigen Unsicherheiten. Er hebt nun aber das Positive hervor: «Mint ist eine Chance für unsere Lehrer, sich weiterzuentwickeln.» An der Sek Tannenbrunn in Sissach habe er vier Lehrer gefunden, die nun eine kurze Weiterbildung in Form eines Einführungskurses absolvieren. Sogar Werk-Lehrer hätten sich bei ihm gemeldet. Und das hat gemäss Lüthy einen einfachen Grund: «Die bisherigen Erfahrungen aus Basel-Stadt haben gezeigt, dass Mint für Fächer wie Textiles oder Technisches Gestalten zu einer echten Konkurrenz geworden ist.» Denn die Schüler können bei den Wahlpflichtfächern nur vier Wochenlektionen belegen – also bloss zwei Fächer.

Reine Mathematik muss büssen

Mint sei gerade für Jungs sehr interessant. Dies wegen der praktischen Ausrichtung der total acht Mint-Module, je vier für die zweite und dritte Sekklasse und identisch zu Basel-Stadt. Darunter finden sich Themen wie «Wasserrad», «Vom Binärsystem zum Papierflieger», «Rund um den Lärm» oder «Robotik». Damit stösst das Fach auch auf ein breiteres Interesse als etwa das bisherige Wahlpflichtfach «Angewandte Mathematik», das nicht mehr fortgeführt wird. Etwas Unmut bleibt dann doch noch bei Steinegger: «Ein gleichwertiger Ersatz ist das natürlich nicht. Bei zwei Lektionen Mint statt vier Lektionen Angewandter Mathematik geht einiges verloren.»

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