Sportvereine
Baselbieter Gemeinden verschärfen Corona-Massnahmen: Junioren-Trainings untersagt

Obwohl Bund und Kanton Trainings für Kinder und Jugendliche unter 16 Jahren weiterhin zulassen, legen viele Gemeinden im Baselbiet den Trainingsbetrieb komplett lahm. Nur noch Schulen und Profis dürfen die Turnhallen benutzen – zum Erstaunen der Betroffenen.

Benjamin Wieland
Merken
Drucken
Teilen
Im Baselbiet derzeit vielerorts nicht mehr möglich: Buben beim Handball-Training.

Im Baselbiet derzeit vielerorts nicht mehr möglich: Buben beim Handball-Training.

michelluethi.ch

Der SV Muttenz sagte am Mittwoch kurzfristig alle Juniorentrainings ab. Die Gemeinde hatte ihm kurz zuvor beschieden, die Hallen seien nun auch für Unter-16-Jährige gesperrt, ab sofort und bis zum 22. Januar. Muttenz geht damit über die Vorgaben von Kanton und Bund hinaus – das tun andere Baselbieter Gemeinden ebenfalls. Strenger als der Bundesrat ist auch Basel-Stadt.

Hans-Beat Rohr, Präsident des SV Muttenz, sagt zur bz, er wundere sich über das Vorgehen: «Dem Vorstand erschliesst sich nicht, was diese Massnahme zur Bekämpfung der Pandemie beitragen soll. Schulsport bleibt erlaubt, Vereinssport wird verboten. Das heisst: Das gleiche Kind darf nachmittags im Turnunterricht Fussball spielen – abends im Rahmen des Trainings aber nicht mehr. Ist Vereinssport gefährlicher als Schulsport?»

Selbstverständlich nicht, heisst es aus Muttenz. Aber es gehe darum, die Zahl der Kontakte unter Menschen zu reduzieren, sagt Gemeindeverwalter Aldo Grünblatt der bz: «Grundsätzlich sollte man so wenig wie möglich zusammenkommen.» Auch der Sportunterricht finde derzeit nicht im gewohnten Rahmen statt, ergänzt Grünblatt: «Es herrscht teilweise Maskenpflicht und es wird darauf geachtet, dass sich die Klassen nicht vermischen.»

Der Muttenzer Weg sei zudem keinesfalls exotisch: «Etliche andere Gemeinden wenden die Regelung auch an.»

Mal hü, mal hott: Einmal Training erlaubt, dann nicht

Der Bundesrat erlaubt Juniorentrainings. Die Covid-Verordnung vom 28. Oktober hält fest: Zulässig sind «Sportaktivitäten von Kindern und Jugendlichen vor ihrem 16. Geburtstag mit Ausnahme von Wettkämpfen.»

Baselland verschärfte diese Vorgabe. Laut der kantonalen Verordnung, die am 11. November in Kraft trat, durften lediglich Kinder bis zu ihrem 12. Geburtstag mittrainieren. Die aktuelle Version vom 19. Dezember glich man wieder an. «Im Sportbereich gelten neu die Bestimmungen des Bundes», hiess es am 18. Dezember aus Liestal.

Für die Vereine war das ein Hin und Her. Per Ende Oktober wurden über 11-jährige Jugendliche vom Training ausgeschlossen, per Ende Jahr wieder erlaubt – und nun legen viele Gemeinde den Trainingsbetrieb komplett still.

Bottmingen schloss sogar sein Hallenbad

Noch verwirrender macht die Situation der Sonderweg von Basel. Der Stadtkanton verkündete am 23. November: «Vereinssport ist nicht mehr möglich!». Nur noch Schulen und Profis dürften die Hallen benutzen.

Auch Allschwil, Pratteln und Reinach stellten die Vereine vor die Hallentür, aber schon im Dezember. Prattelns Gemeindeverwalter Beat Thommen gibt auf Anfrage zu bedenken, die Schulen könnten auch nur sehr beschränkt Sport ausüben, und es habe in den letzten Wochen viele Diskussionen um die Pandemie gegeben: «Ich persönlich verstehe die Aufregung über die geschlossenen Hallen nicht.»