Organisationsdesaster
Ausfall statt Jubiläum: Das geplante Festival in Rümlingen wird abgeblasen

Zum 25-Jahr-Jubiläum war für das Festival Neue Musik Rümlingen eine besondereProduktion geplant. Diese fällt ins Wasser – und damit auch der angekündigte Saisonauftakt des Theaters Basel

Susanna Petrin
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Bild aus besseren Zeiten: Die bisherigen 24 Ausgaben (im Bild die von 2010) des Festivals Rümlingen konnten jeden Sommer stattfinden.

Bild aus besseren Zeiten: Die bisherigen 24 Ausgaben (im Bild die von 2010) des Festivals Rümlingen konnten jeden Sommer stattfinden.

Kenneth Nars

Es klang alles so lieblich. Singende Bäume, beschallte Wälder, frohe Dorfbewohner. Der Regisseur und Komponist Ruedi Häusermann sollte mit einer «musiktheatralischen Durchwanderung» namens «Ume Mais Ume» die diesjährige Jubiläumsausgabe des Festivals Neue Musik Rümlingen bestreiten. Der Mann ist bekannt, das Festival renommiert.

Zugleich wurde dieses Werk als besonderer Auftakt der kommenden Saison des Theaters Basel angepriesen. Die Rümlinger Festivalleitung und das Theater spannten organisatorisch zusammen. Noch Anfang Mai suchte das Theater Basel über die Medien nach Chorsängerinnen und Chorsängern; geprobt werde ab Mitte Juni, die Uraufführung des Freilichtstücks hätte am 27. August gefeiert werden sollen.

Doch so weit wird es nicht kommen. Aufführung, Sommerfestival, Saisonauftakt: Mit einem Schlag findet nichts von all dem statt, die Produktion wurde fallengelassen. Obwohl dies schon länger bekannt ist: Ein offizielles Communiqué der Veranstalter blieb bis gestern aus, die bz hat vom Aus durch eigene Recherchen erfahren.

Das Theater Basel schweigt

Doch wie konnte es so weit kommen? Wer trägt die Verantwortung? «Es ist für alle grauenhaft», sagt Ruedi Häusermann. Er bedaure das Ganze sehr, nicht zuletzt, weil es dem Ruf des Theaters, das ihm und allen Beteiligten am Herzen liege, schade. Statt einer Aufführung drohten nun Rechtsfälle. Denn viele Beteiligte, unter anderen die Musiker und Häusermann, haben nun schon beträchtlich viel Zeit in dieses Projekt investiert und mit dessen Durchführung gerechnet. «Ein Rechtsfall mit dem Institut, mit dem man eigentlich lebt, das ist furchtbar», sagt Häusermann.

Doch die Veranstalter hätten Fehler gemacht, räumt Ruedi Häusermann ein: «Grundsätzliche Sachen wurden unterlassen.» Häusermann ist direkt vom Theater angestellt worden. Er habe seine künstlerischen Pläne dem Haus schon früh dargelegt, nun wäre es am Theater gewesen, deren Machbarkeit und Kosten rechtzeitig zu überprüfen und dann alles Organisatorische in die Wege zu leiten.

Kommentar: Schade um das schöne Festival!

Weil das von den offiziell Zuständigen verständlicherweise niemand sagt, muss es hier gesagt werden: Die Absage der geplanten Sommerproduktion des Festivals Neue Musik Rümlingen ist desaströs, peinlich, unverständlich. Seit vielen Monaten ist eine aufwendige Freilichtproduktion des Regisseurs und Komponisten Ruedi Häusermann geplant. Sie wird vom erstmaligen Koproduktionspartner des Festivals, dem Theater Basel, stolz öffentlich angepriesen. Dann stellen die Verantwortlichen kurzfristig fest, dass das Projekt unrealistisch und unrealistisch teuer ist.

Doch sie bringen es nicht fertig, sich auf eine günstigere, schlanke Version zu einigen. Sie lassen das Festival – und damit auch den Saisonauftakt des Theaters Basel – ganz platzen. Aufs Spiel setzten sie den guten Ruf des renommierten Festivals, das Image des Theaters sowie das Vertrauen des Publikums und der bereits aufgebotenen Künstler. Dass Ende Jahr eine kleine Ersatzproduktion stattfinden soll, ist nur ein kleiner Trost.

Alles deutet darauf hin, dass die beiden Partner, das Theater Basel und das Festival Rümlingen, schlecht miteinander kommuniziert haben. Missverständnisse und unklare, finanzielle Verantwortlichkeiten haben wohl dazu geführt, dass viel zu spät klar wurde, dass dieses Projekt zu aufwendig ist. Die Leitung des Rümlinger Festivals steht hin und erklärt sich, wenn auch sehr ausweichend. Immerhin. Beim Theater Basel gehen alle Zuständigen in die Ferien und sind für Auskünfte nicht erreichbar. Vorher eine Medienmitteilung herauszugeben, wurde offenbar nicht für nötig gehalten. So viel zum guten Ton.

Viele Fragen bleiben offen

Doch warum wurde die Produktion nicht mit der Oper und deren Hauschor am Theater Basel geplant? Diese Option habe das Theater auch geprüft, sagt Daniel Ott. «Alle Partner haben sich ehrlich bemüht, das Projekt zu realisieren.» Wie teuer war die Produktion insgesamt? Daniel Ott antwortet ausweichend: «Jeder Partner hat daran gearbeitet und war zuständig für den eigenen Teil des Budgets.» Weshalb ist eine abgespecktere Version des Projekts, rein konzertant und ohne Chor, nicht zustande gekommen? «Das wäre künstlerisch nicht ohne weiteres gegangen», erklärt Ott, bei so vielen Beteiligten sei es zudem schwierig, sich kurzfristig auf ein neues Projekt zu einigen.

Wie werden die Honorarausfälle entschädigt? «Wir versuchen das anständig abzuwickeln und sind im guten Einvernehmen mit den Mitwirkenden», sagt Daniel Ott. Das Wichtigste für ihn ist aber: Sein Festival werde doch noch stattfinden! Allerdings erst Ende Jahr mit einer ganz anderen Produktion. Einer bescheideneren.