Schliessung
Auf der Suche nach einer neuen Bleibe

Die Gastronomen der Traditionsbeizen am Riehenring müssen Zukunftspläne schmieden. Ihre Beizen werden bald geschlossen.

muriel mercier
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Wirt Christian Obenauf wird das Alte Warteck später vermissen. niz

Wirt Christian Obenauf wird das Alte Warteck später vermissen. niz

Sauer, enttäuscht und traurig sind sie alle – die Beizer am Riehenring im Kleinbasel. Ihr Schicksal als Besitzer des Wurzengraben, des Alten Warteck, der Ueli-Stube und der Piano Bar ist besiegelt. Auf Ende 2013 laufen die Verträge der Beizer aus, denn am Messeplatz will die UBS einen 90 Meter hohen Turm bauen. Die Nachricht ist nicht neu: Im Jahr 2004 veröffentlichte die Immobilienfirma Warteck Invest, die damalige Besitzerin der Häuserreihe, ihre Turm-Pläne; seither wurde der Abriss der Gebäude aber fünfmal verschoben. Dennoch: Die Gastwirte bewegen sich auf unsicherem Boden und müssen sich um eine neue Bleibe kümmern.

Diese muss auf jeden Fall finanzielle Sicherheit gewährleisten, betont Christian Obenauf, Besitzer des Alten Warteck. «Ich habe eine Familie zu ernähren.» Deswegen könne er nicht ein Restaurant übernehmen, in das er viel Geld investieren müsse, und der Vertrag auf nur wenige Jahre befristet sei. In der Gastronomie will der Pächter bleiben. «Aber es ist zu früh, um mich um eine Beiz zu bemühen, die ich erst Ende 2013 übernehmen kann.» Klar ist: Obenauf, der seit drei Jahren Pächter des Alten Warteck ist, zuvor aber dort bereits 16 Jahre in der Küche gestanden hat, möchte weiterhin in Basel wirtschaften.

«Genug von der Gastronomie»

Ganz anders fühlt sich Veronica Scheffel, seit zwei Jahren Wirtin des Restaurants Ueli-Stube. Sie nämlich hat genug von der Gastronomie. Der Aufwand und die nötigen Investitionen als Restaurant-Besitzerin seien ihr zu gross geworden. «Ich habe keine konkreten Pläne für die Zeit nach der Ueli-Stube.» Sie warte ab, bis endgültig feststehe, wann die Bauarbeiten des Hochhauses beginnen. Aber: «Die nächsten drei Jahre, in denen wir die Beizen noch führen dürfen, werden nicht gut laufen», ist sie überzeugt. «Wir müssen auf jeden Fall Umsatzeinbussen hinnehmen.» Damit bläst sie ins selbe Horn wie Kollegin Franziska Wolf vom Wurzengraben. Nur, dass diese bereits seit 32 Jahren die Traditionsbeiz am Riehenring 69 führt. «Was hier passiert, ist eine unglaubliche Frechheit.» Wolf hat deshalb vorgesorgt und bereits im Jahr 2003 das Restaurant Bläsitörli gegenüber der Kaserne gekauft. «Ich habe den neusten Vertrag für den Wurzengraben bis Ende 2013 nicht mehr unterschrieben. Ich gehe im Januar 2012 raus», sagt sie entrüstet. Wolf hat die Traditionsbeiz selber heimelig eingerichtet, indem sie diese in ein Tessiner Grotto verwandelt hat. Aber: «Ich nehme alles mit. Wenn ich gehe, gleicht der Wurzengraben einer üblen Spelunke.»

Im Gegensatz zu Christian Obenauf und Veronica Scheffel tut Wolf die Tatsache, ihre Beiz aufzugeben, nicht mehr weh. «Nach so viel Ärger ist es mir mittlerweile egal.» «Mich macht es traurig», sagt hingegen Scheffel. Und Obenauf meint: «Die Kulturstadt Basel verliert ihre Beizenkultur.» Kultur mache nicht nur das Kunstmuseum oder das Theater aus.

Die Einzigen der betroffenen Beizer am Riehenring, die sich nicht beirren lassen, sind Verena und Arnold Badertscher, Besitzer der Swing Cats Bar. Das aber wohl nur, weil die beiden altersbedingt nicht länger gewirtet hätten, erklärt der bald 70-jährige Badertscher. Aber für ihn steht fest: «Der Riehenring ist bereits zerstört. Wegen des Messe-Neubaus und der laufenden Unsicherheit, wann die Beizen schliessen, verlieren sie Stammkunden. Und die persönliche Atmosphäre der Beizen geht verloren.»

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