Wy-Erläbnis
Auf dem Pilgerweg für Geniesser darfs gerne ein gutes Tröpfchen sein

Die kulinarische Weinwanderung durch die Oberbaselbieter Sonnenstube ist unter Kennern der Genuss-Event schlechthin. In den Rebbergen von Buus und Maisprach haben 2000 Weinfreunde dem edlen Rebensaft gehuldigt.

Ulrich Fluri
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Der Wein erfreut des Menschen Herz.
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Verpflegungsposten mitten im Rebberg.
Blick hinunter nach Buus.
Vorbei an Reben zum nächsten Posten.
Wy-Erlebnis in Buus und Maisprach

Der Wein erfreut des Menschen Herz.

Ulrich Fluri

Wie recht sie haben, die Winzer von Buus, Maisprach und Wintersingen: «Wer kann da widerstehen?», steht nämlich in ihrer Einladung zum 11. Wy-Erläbnis. Eben – eigentlich niemand.

Und das hat seinen Grund: Die kulinarische Weinwanderung durch die Oberbaselbieter Sonnenstube ist unter Kennern der Genuss-Event schlechthin. «Den Wein erleben, dort wo er wächst» – dieses Motto der Veranstalter kommt bei Weinliebhabern gut an. So versammelten sich also am Samstag auf dem Dorfplatz in Buus Leute, die gerne Kulinarik, reizende Landschaft und gemütliches Wandern kombinieren wollten.

Am Fuss der südexponierten Hänge von Buus nach Maisprach gings dann durch eine einzigartige Naturlandschaft. Und schon bald war man beschwipst – nein, nicht vom Wein, sondern vom Anblick der Rebstöcke, an denen im gefärbten Weinlaub die prallen Trauben baumeln und einem fast in den Mund wachsen.

Ein 6-Gang-Menü

Ein Normalwanderer würde diese sieben Kilometer lange Strecke locker in 90 Minuten bewältigen. Die weintrinkenden Wanderer nahmen es da doch etwas gemütlicher und kamen bei schwül-warmem Spätsommerwetter jeweils erst nach rund vier Stunden Marschzeit wohlgenährt und gut gelaunt auf dem Festplatz in Maisprach an. Wen wunderts, gab es doch an acht verschiedenen Posten die einheimischen Gewächse kennen zu lernen – eben sozusagen ein Pilgerweg. Dazu wurden Häppchen aufgetischt, die förmlich nach den süffigen und feinwürzigen Baselbieter Weinen verlangten.

Dabei repräsentierten die in grosser Auswahl ausgeschenkten Tropfen eindrücklich die qualitative Vielfalt der einheimischen Gewächse. Ob fruchtige Pinot Noir, prickelnd-blumige Wintersinger Rosé, elegante Riesling-Sylvaner, spritzige Bacchus oder Neuzüchtungen als raffinierte Assemblagen – bei so edlen Landweinen kamen auch verwöhnte Gourmets ins Schwärmen. Umso mehr, als diese Gaumenfreuden mit Hobelkäse, Trockenfleisch, Zwiebelwähe, Schweinshals und Zwetschgenmousse in ein etappenweise gereichtes 6-Gang-Menü eingebettet waren.

«Das kultivierte Weintrinken wird je länger, je mehr auch bei jungen Leuten gepflegt», sagt OK-Chef Urs Imhof. Das wird denn auch bestätigt durch die grosse Anzahl von Jungen an diesem Wy-Erläbnis. «Mit Alcopops – diesem Trendgesöff für Teenager – können wir nichts anfangen», lästerte der 20-jährige Tobias aus Binningen und prostet seinen Studentenkollegen Nicolas und Sebastian herzhaft zu.

Viel junge Weintrinker

Solche Events seien ideal, um die Weinkultur und den Wein kennen zu lernen, sagten sie einhellig. Zwei junge Frauen aus Möhlin haben sich sogar als wahre Experten von Baselbieter Weinen geoutet und den Riesling-Sylvaner in ihrem Glas als gradlinigen Weisswein, frisch und mit blumiger Note taxiert.

Chapeau – wer sagt denn, Wein sei nur etwas für ältere Herren?