Zunzgen
Auf dem Hof Horen hat man ein Herz für Urviecher

Michele Bauen und Joel Faletti sammeln Geld für einen «Archehof». Diese Auszeichnung vergibt Pro Specie Rara an Bauernhöfe, die alte Nutztierrassen züchten. Auf dem Hof in Zunzgen sollen bald Spiegelschaf, Wollschwein und Diepholzer Gans leben.

Sebastian Schanzer
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Michele Bauen lockt das Evolèner Rind Nadine mit einem Salzstein. Das Tier gehört zu den deklarierten Pro-Specie- Rara-Rassen.

Michele Bauen lockt das Evolèner Rind Nadine mit einem Salzstein. Das Tier gehört zu den deklarierten Pro-Specie- Rara-Rassen.

Sebastian Schanzer

Bereits mit ihren 25 Jahren ist Michele Bauen ziemlich nah dran an ihrem Kindheitstraum. «Ich habe mir immer gesagt: Irgendwann heirate ich einen Bauern und lebe auf einem Hof.» Und tatsächlich: Seit eineinhalb Jahren wohnt sie auf dem Hof Horen bei der Familie ihres Freundes in Zunzgen. Rund 50 Kühe, Rinder und Kälber, zwei Pferde und ein Pony haben dort mit der Bauernfamilie ihr Zuhause.

Den Tierbestand möchte Bauen nun aber erweitern, und zwar durch Tiere mit seltsam klingenden Namen wie etwa Spiegelschaf, Wollschwein oder Diepholzer Gans. Diese Tierrassen haben eines gemeinsam: Sie sind Vorfahren unserer heutigen Nutztiere, sind aber bei den Bauern aus der Mode gekommen. Dies, weil ihre Eigenschaften in der Produktion nicht mehr gefragt sind. «Eine Diepholzer Gans braucht wesentlich länger, bis sie mastbereit ist. Massenproduktion ist mit diesen Tieren kaum möglich.»

Bauens Plan ist, aus dem Hof Horen einen sogenannten Archehof zu machen. Das Label wird von der Stiftung Pro Specie Rara vergeben und soll dafür sorgen, dass landwirtschaftliche Betriebe vermehrt solche Nutztierrassen züchten, deren Produkte verkaufen und sie damit vor dem Aussterben bewahren. Es geht um die Erhaltung der Artenvielfalt.

Gänse gegen Wildschweine

«Wir möchten nicht in Massen produzieren und damit Monokulturen fördern. Das ist ethisch nicht tragbar», sagt Bauen. Es sei vielmehr wichtig, sich an den natürlichen Produktionskreislauf zu halten. Bauen gibt ein Beispiel: «Wenn Bauern ein geerntetes Maisfeld vor Wildschweinen schützen möchten, bauen sie oft mühsam Stromzäune um das Feld. Sie könnten aber ebenso Gänse über das Feld schicken, sodass die Wildschweine dort nichts mehr zu suchen haben und folglich fern bleiben.»

Gemeinsam mit ihrem Kollegen Joel Faletti und mit dem Wohlwollen des eigentlichen Hofbesitzers Kurt Mohler setzt Bauen bereits bauliche Massnahmen um. Faletti ist handwerklicher Allrounder und renovierte den Stall für die Hühner. Einer für Gänse muss als Nächstes komplett neu gebaut werden.

Das erfordert viel Arbeit, und vor allem braucht das Team auch Geld. Auf der Spendenplattform der Basellandschaftlichen Kantonalbank haben die beiden vor gut einem Monat ein Crowdfunding-Projekt lanciert. Sie wollen innert 90 Tagen 7000 Franken sammeln. Nach einem Monat ist nun bereits mehr als die Hälfte des Geldes beisammen. Kommt die Summe innerhalb der gesetzten Frist zusammen, legt die Bank noch weitere 500 Franken drauf. «Mit 7000 Franken kommt man natürlich noch nicht sehr weit», sagt Michele Bauen. Allein die Renovation des Hühnerstalls habe rund 3500 Franken gekostet. «Aber es ist ein Anfang.»

Um die Kriterien der Stiftung Pro Specie Rara zu erfüllen, gibt es einen Katalog von sechs A 4-Seiten. Der Betreiber muss unter anderem Abstammungsnachweise für die Tiere vorlegen, er muss sie natürlich artgemäss halten und füttern, über ein fundiertes Fachwissen verfügen und dieses dazu nutzen, den Gedanken der Stiftung zu verbreiten. Weiter soll der Hof stets offen für Besucher sein, zum Beispiel für Schulklassen.

Aber wozu all dieser Aufwand? «Das Label ist sehr beliebt», sagt Bauen. «Wer es trägt, kann sich kaum noch retten vor Kundschaft und Besuchern. Ich habe jetzt schon eine endlose Liste von Leuten, die Produkte von unserem Hof haben möchten.» Anzubieten hat sie je nach Tieren Eier, Fleisch, Milch, Wolle. Aber Achtung: Keine Massenproduktion. «Es het, solangs het.»

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