Golfplatz Wenslingen
Auch Bauernverband ist nicht überzeugt vom «Luxusprojekt»

Eine Fläche von rund 85 Fussballfeldern soll der geplante Golfplatz in Wenslingen ausfüllen. Neben Pro Natura spricht sich nun auch der Bauernverband gegen das Grossprojekt aus.

Julia Gohl und Hans-Martin Jermann
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Der geplante Platz wäre laut den Kritikern ein massiver Eingriff in die Landschaft

Der geplante Platz wäre laut den Kritikern ein massiver Eingriff in die Landschaft

Aargauer Zeitung

In Wenslingen soll ein 18-Loch-Golfplatz in der Grösse von rund 85 Fussballfeldern entstehen, wie die bz gestern publik gemacht hat. Dieses Vorhaben des Rheinfelder Golfsport-Promoters Heinz Breitenmoser stösst nicht nur beim Natur- und Vogelschutzverein Wenslingen auf kritische Stimmen. Urs Chrétien, Geschäftsführer von Pro Natura Baselland, lehnt das vorliegende Golfplatzprojekt ebenfalls ab. Zwar ist er sich bewusst, dass auf einem Golfplatz die Artenvielfalt in der Regel höher ist als in einem Gebiet mit Ackerbau. Das Golfplatz-Projekt in Wenslingen liege aber in einem Vorranggebiet Landschaft; die dortige unverbaute Kulturlandschaft im Tafeljura, die einem das Gefühl der Weite vermittle, sei «einmalig» im Baselbiet und über viele Jahrhunderte gewachsen.

Ein Golfplatz drohe, diese Werte zu zerstören, zumal damit wohl auch etliche standortungebundene Bauten wie ein Clubhaus errichtet würden. Auch macht Chrétien auf den enormen Kulturlandverlust aufmerksam; der Golfplatz benötigt laut dem Initianten Heinz Breitenmoser eine Fläche von rund 60 Hektaren. «Es gibt im Baselbiet nicht so viele Gebiete mit einer derart grossen, zusammenhängenden Landwirtschaftsfläche», gibt Chrétien zu bedenken.

BVBB rechnet mit Widerstand

Entsprechend wenig überzeugt von dem Vorhaben zeigt sich auch der Bauernverband beider Basel (BVBB). «Ich glaube nicht, dass das Kulturland seitens der Landwirtschaft widerstandslos aufgegeben wird», sagt Verbandspräsident Stefan Kälin. Für ihn ist der Golfplatz ein «unnötiges Luxusprojekt». Noch hatte er keinen Kontakt zu betroffenen Landwirten – das sind je nach Standort acht bis zehn Personen, dazu bis zu 30 weitere Eigentümer. «Wir müssen erst schauen, was diese vorhaben. Wenn sich die Landwirte gegen das Projekt wehren möchten, werden sie vom Verband auf jeden Fall unterstützt.»

Pro Natura hat bereits einmal erfolgreich gegen ein grosses Golfplatz-Projekt im Baselbiet gekämpft: 2005 sagte die Lampenberger Stimmbevölkerung Nein zu einem Projekt der bekannten Fussballer-Zwillinge David und Philipp Degen.

Hansueli Wirz bleibt skeptisch

Im BVBB ist ein Vorstandsmitglied gleich selber betroffen: Hansueli Wirz ist Landwirt in Wenslingen. Mit Aussicht auf das Landstück, auf dem einmal der Golfplatz entstehen könnte, sagt er zur bz, dass er vorerst skeptisch bleibe. «Da sind so viele Landwirte sowie andere Eigentümer betroffen, und auch Naturschutzorganisationen reden mit – das wird lange Diskussionen geben», ist er überzeugt.

Als vergangenen Donnerstag die Betroffenen informiert wurden, war Wirz zwar eingeladen, aber verhindert. «Deshalb kann ich mich zum Projekt nicht konkret äussern. Ein so grosser Golfplatz würde für Wenslingen aber auf jeden Fall einen riesigen landschaftlichen Einschnitt bedeuten. Zudem würde er wohl viel Verkehr mit sich bringen.»

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