Abstimmung
Arsenbelasteter Aushub verunsichert auch Deponien-Befürworter

Dass in Zwingen vor vier Jahren vermeintlich sauberes Aushubmaterial mit Arsen belastet war, sorgt für neuen Diskussionsstoff zum Ende des Abstimmungskampfs um den Kantonalen Richtplan.

Yannette Meshesha
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Sie sprechen sich für neue Aushub-Deponien im Laufental aus (v.l.): Martin Rüegg, Mirko Tozzo, Rolf Graf und Rolf Richterich.

Sie sprechen sich für neue Aushub-Deponien im Laufental aus (v.l.): Martin Rüegg, Mirko Tozzo, Rolf Graf und Rolf Richterich.

zvg

Zweifel an der Sauberkeit von Aushubmaterial heizen die Deponie-Diskussionen im Laufental kurzfristig neu an. Wie die bz am Mittwoch berichtete, wurde im Jahr 2012 das Areal Obermatt in Zwingen versehentlich mit arsenbelastetem Aushub aufgeschüttet, bevor die Ergebnisse der geologischen Untersuchung den Projektabbruch notwendig machten. Das Amt für Umwelt und Energie Baselland (AUE) bestätigt, dass es sich um natürliche Vorkommen von Arsen im Boden handelte und «zu keinem Zeitpunkt eine Gefahr für Mensch und Umwelt» bestanden habe, da das Arsen nicht tiefer in den Boden eingedrungen sei. Andernfalls hätten Probleme entstehen können, da sich der Zwingner Grundwassersee direkt unterhalb des betroffenen Areals befindet.

Sicherheit bezweifelt

Roger Burkhardt, ehemals Gemeinderat von Dittingen bis 2014, der sich Mitte November 2016 mit dem Vorfall in Zwingen zu befassen begann, kommentiert: «Die Gemeinde Zwingen trägt grosse Verantwortung. Sie verteilt das Trinkwasser aus dem Grundwassersee über die regionalen Wasserverbände ins Laufental und Thierstein.» Aufgrund des Versorgungsradius des Pumpwerks Weiden hänge die Wasserversorgung von 40 000 Personen vom Grundwassersee ab. Burkhardt sieht dies auch als Ausschlusskriterium für die zur Abstimmung kommende Richtplan-Anpassung. «Aus den geplanten Deponien Stutz und Sunnerai können giftige Schadstoffe über Zuströmbereiche und Grundwasser-Infiltration in den Grundwassersee Zwingen gelangen.»

Obwohl es bei der Abstimmungsvorlage um Deponien des Typs A für unverschmutztes Erdreich geht, nehmen die Zweifel zu, ob die Sauberkeit des Materials wirklich sichergestellt werden kann. CVP-Landrat Marc Scherrer hat diese Frage vermehrt aufgeworfen. In der Praxis werde mit Aushubmaterial eher sorglos umgegangen, wie er aus eigenen Baustellenbeobachtungen schliessen könne. «Bisher konnte noch niemand die volle Garantie dafür liefern, dass wirklich nur sauberer Aushub abgelagert wird», hält Scherrer fest.

Die neusten Enthüllungen aus Zwingen verunsichern selbst Befürworter der Deponien im Laufental. «Diese Geschichte wirft ganz neue Fragen auf. Wenn Arsen in kalkhaltigen Böden natürlich vorkommt, dann haben wir möglicherweise ein Problem im ganzen Kanton», kommentiert SP-Landrat Martin Rüegg. «Die Bau- und Umweltschutzdirektion sollte solche Themen offen kommunizieren.» Doch bleibe unklar, was die Konsequenz daraus sei. «Das heisst eigentlich, dass man in Zukunft alles Material gründlich kontrollieren muss und das ist beim Aufwand, den das bedeuten würde, kaum realistisch.» Zur aktuellen Situation der Aushub-Kontrollen sagt Dieter Leutwyler, Kommunikationsleiter der Bau- und Umweltschutzdirektion: «Aushubmaterial muss nur dann kontrolliert werden, wenn es von einem belasteten Standort kommt. Diese Standorte sind im Richtplan klar verzeichnet.» Auch wenn neue Vorkommen dadurch nicht ausgeschlossen werden können, sei das in der Regel ausreichend zuverlässig.