Baselbiet
Arbeiten am Schönthal-Tunnel führen zu Staus und Verspätungen

Neu führt der Kanton Baselland die Unterhaltsarbeiten am Schönthaltunnel tagsüber durch, weil sich damit rund ein Drittel der Kosten einsparen lässt. Obwohl es für Autofahrer Staus und Ärger bedeut, will der Kanton dieses Modell zukünftig übernehmen.

Sebastian Schanzer
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Die Schliessung einer Fahrtrichtung im Schönthaltunnel führt auch zwischen den Hauptpendlerzeiten zu langen Staus auf der Rheinstrasse.

Die Schliessung einer Fahrtrichtung im Schönthaltunnel führt auch zwischen den Hauptpendlerzeiten zu langen Staus auf der Rheinstrasse.

Martin Töngi

Der Bordcomputer im 81er-Bus zeigt es dem Fahrer in dicken roten Zahlen: Vor 23 Minuten hätte er an der Haltestelle Schönthal zwischen Liestal und Augst halten müssen. Stattdessen heisst es für ihn immer noch Stop-and-go auf der Rheinstrasse. Grund dafür sind Unterhaltsarbeiten im Tunnel Schönthal auf der A 22. Am Montag und Dienstag war der Tunnel von 8 bis 16 Uhr in Fahrtrichtung Basel gesperrt, heute Mittwoch ist er es in der entgegengesetzten Richtung. Die meisten Verkehrsteilnehmer weichen zum Leidwesen des öffentlichen Verkehrs auf die Rheinstrasse aus. «Um 11 Uhr war die Strasse ab dem Kreisel in Liestal völlig verstopft», ärgert sich der im Stau steckende Buschauffeur.

Übliche Unterhaltsarbeiten

Die Arbeiten am Tunnel sind an sich nichts Spezielles. Zweimal jährlich unterzieht man die Tunnels Schönthal und Chienberg entlang der vor knapp zwei Jahren fertig gestellten Autostrasse 22 einer Reinigung und Revision. Dabei werden Entwässerung, Beleuchtung, Signalisation und Notrufanlagen gereinigt und sämtliche elektromechanische Einrichtungen überprüft. Zusätzlich fallen noch Bauwerkskontrollen und kleine bauliche Reparaturen an. Dies alles ist nötig, um die Tunnels in funktionstüchtigem Zustand zu halten und längeren Sperrzeiten vorzubeugen, wie Oliver Jacobi, Leiter des Tiefbauamts Baselland sagt.

Neu ist aber, dass diese Arbeiten tagsüber und nicht mehr in der Nacht durchgeführt werden (die bz berichtete). Dahinter steht, wie so oft in letzter Zeit, der Sparauftrag der Regierung. Bis zu einem Drittel der Kosten könne so eingespart werden, erklärt Jacobi. Kosten die sonst vor allem durch Lohnzuschläge auf Nachtarbeiten angefallen wären. Zudem seien gewisse benötigte Materialien in der Nacht nicht verfügbar, wodurch jeweils zusätzliche Logistikkosten entstünden. «Insgesamt sparen wir rund 100 000 Franken ein.»

Private und Gewerbe zahlen

Lukas Ott, Geschäftsführer der TCS beider Basel, bedauert den Entscheid des Tiefbauamts mittlerweile. «Bis Freitag hielt ich die Idee noch für machbar. Wenn ich jetzt aber die Situation sehe, muss ich sagen: Das ist so nicht realisierbar.» Etliche Termine für amtliche Prüfungen beim TCS müssten aufgrund von Verspätungen verschoben werden. Der volkswirtschaftliche Schaden betreffe auch andere Verkehrsteilnehmer. «Der Kanton spart vielleicht. Alle anderen stehen im Stau. Handwerker und Büroangestellte kommen zu spät oder können ihre Aufträge nicht erfüllen», klagt Ott. Dieser Zustand sei nicht haltbar. «Der TCS trifft sich als Mitglied der Verkehrsliga dreimal im Jahr mit der Regierung. Wir werden uns das nächste Mal dafür einsetzen, dass die Arbeiten zukünftig wieder nachts stattfinden.»

Jacobi sieht beim momentanen Budget aber keinen Spielraum für andere Modelle. «Auch wir erachten die Verlegung in die Nacht als die bessere Lösung», sagt er, «doch dafür fehlt dem Kanton schlichtweg das Geld.» Damit nicht genug: In Zukunft soll ein Grossteil der Unterhaltsarbeiten an kantonalen Hochleistungsstrassen ebenfalls tagsüber stattfinden. Nachtsperrungen werde es nur noch dort geben, wo keine Umleitungsstrecke zur Verfügung steht. «Was wir hier sparen, ist erst ein Fünftel dessen, was wir an Sparvorgaben für die kantonalen Hochleistungsstrassen einhalten müssen», ergänzt
Jacobi. Er macht klar, dass bei der finanziellen Lage des Kantons auch im Verkehr Prioritäten gesetzt werden müssten. Der Schönthaltunnel ist heute und morgen sowie nächste Woche von Montag bis voraussichtlich Donnerstag gesperrt. Der Chienberg-Tunnel ist dann Mitte November dran.

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