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Anti-AKW-Bewegung: Weder überaltert noch träge

Wie stark ist die Anti-AKW-Bewegung in Basel und kann diese noch wachsen? Und können sie die neuen Kernkraftwerke verhindern? Wir geben ihnen die Antworten dazu.

Daniel Haller
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Die Anti-AKW-Bewegung ist in der Nordwestschweiz ein Erfolgsmodell: In beiden Basel steht die Ablehnung der Atomkraftwerke (AKW) in der Verfassung, in dieser Woche kommt die Basler Standesinitiative «Erneuerbare Energien und Energieeffizienz statt neue Atomkraftwerke» in den Ständerat, und die Energieunternehmen in der Region investieren quer durch Europa in Wind- und Sonnenkraftwerke (siehe Seite 31).

Doch macht Erfolg nicht träge? Ist die Bewegung in der Lage, sich angesichts der neuen AKW-Pläne der Stromkonzerne zu erneuern, oder besteht sie nur noch aus einigen Kaiseraugst-Veteranen, die sich unlängst im Verein «NWA-55plus» (Basellandschaftliche Zeitung vom 29. November) organisiert haben?

Bewegung könne sich vergrössern

NWA heisst «Nie wieder Atomkraftwerke». Doch bereits im Februar wird im Kanton Bern über den Ersatz für das AKW Mühleberg abgestimmt, und für 2013 rechnet man mit einer nationalen Abstimmung über einen AKW-Neubau. «Natürlich ist es im Vergleich zu einem Fussballmatch bescheiden, wenn an Pfingsten 5000 Personen am ‹Menschenstrom› zum AKW Gösgen teilgenommen haben», meint Roland Meyer (74), Präsident von NWA-55plus.

Derzeit sei eher Argumentation als Aktion angesagt. «An dieser Demo haben Menschen aller Altersstufen teilgenommen. Die Bewegung kann sich im Schneeballsystem rasch vergrössern.»

Auch Heidi Portmann (70), Präsidentin der Gewaltfreien Aktion Kaiseraugst (GAK), ist zuversichtlich, erreicht sie doch mit der GAK-Zeitung «Energie Express» nach wie vor gegen 11000 Abonnenten. «Viele sind in Gemeinden engagiert und argumentieren für erneuerbare Energien.

Oder sie sammeln Unterschriften für Initiativen und Referenden.» Man müsse nun klarmachen, dass ein neues Atomkraftwerk unsinnig teuer und ein wirtschaftliches Klumpenrisiko sei und zudem die Entwicklung in Richtung Alternativenergie behindere.

Auch Anti-AKW-Bewegung U30

«NWA-55plus haben wir gegründet, damit ob der ganzen Power der nachrückenden Jungen die Erfahrung der Alten nicht verloren geht», erklärt Aernschd Born, Geschäftsführer NWA. «Es geht darum, eine gemeinsame, generationsverbindende Strategie zu entwickeln.»

Zu dieser jungen Generation zählt die Baslerin Michaela Lötscher (24), die unter anderem in Gorleben an den Castor-Blockaden teilgenommen hat. «In Basel selbst ist das Thema derzeit nicht sehr aktuell, aber die Gruppe, die den Menschenstrom organisiert hat, trifft sich regelmässig und plant weitere Aktionen.» Als Mitglied der Greenpeace-Regionalgruppe Basel betont sie: «Bei der Abstimmung 2013 darf es keine Zustimmung zu dieser veralteten und gefährlichen Technologie mit ihren vielen ungelösten Problemen geben.»

Auch für die Basler Grossrätin Mirjam Ballmer (28) von den Jungen Grünen ist der Kampf gegen neue AKW «ein langfristiges Schwerpunktthema». Dass sich derzeit die Anti-AKW-Bewegung nicht fühlbarer äussert, beunruhigt sie nicht: «Widerstand braucht einen Anlass. Im Moment ist die Kraft der Strasse noch nicht nötig.» Sie verweist darauf, dass die Facebook-Gruppe «Nein zu neuen AKW in der Schweiz» derzeit knapp 4000Mitglieder habe. «Wenn dann eine akute Situation entsteht, lassen sich die Jungen mobilisieren.»

Kein «Sowohl als auch»

Auch Born beobachtet, dass derzeit viele Leute zufrieden sind, beispielsweise mit den Investitionen in erneuerbare Energie. «Die Stromunternehmen wollen uns weismachen, es brauche trotzdem auch ein AKW.» Dies komme dem schweizerischen Sicherheitsdenken entgegen. «Doch das geht nicht: Ein AKW ist so teuer, dass für Alternativen nichts bleiben würde. Es gibt nur ein ‹Entweder oder›, kein ‹Sowohl als auch›.»

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