Kopf der Woche
Andy Martin: «Country erzählt Geschichten»

Der Sänger aus dem Baselbiet gehört zur Elite der Schweizer Country-Musiker. Zwar sei sein neues Album eine «traurige CD», 2017 ist jedoch bereits ein Erfolg. Bis Ende Jahr sind schon über 30 Engagements geplant.

Simon Tschopp
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Andy Martin: «Ich kann mich nicht beklagen, wir haben genügend Auftritte.»

Andy Martin: «Ich kann mich nicht beklagen, wir haben genügend Auftritte.»

«Das neuste Album ist immer der grösste Wurf», sagt Andy Martin. Der Country-Sänger hat gerade seine 14. CD herausgebracht. «Ashes In The Wind» heisst sie, umfasst elf Songs, deren Texte Begebenheiten aus dem Leben erzählen. «Es sind Beziehungsthemen», berichtet Martin, «Country erzählt Geschichten und ist ein wahnsinnig grosses Gebiet.» Beim Song «Ashes In The Wind» handle es sich um ein Feuer, das zwar noch brenne, aber nicht mehr heiss sei. In einem anderen Lied geht es um eine missglückte Karriere, die im Gefängnis endet.

«Auf diesem Tonträger hat es keinen Song, der richtig fröhlich ist. Es ist eine traurige CD», sagt der Musiker, der im Oberbaselbiet wohnt. Dementsprechend wirken seine Interpretationen melancholisch. Es sind alles Titel, die Andy Martin schon längere Zeit begleiten; ältere Songs, auch aus den 50er- und 60er-Jahren, von verschiedenen Songwritern. Von seiner jüngsten CD spielt er besonders gerne «Ashes In The Wind» und «Going, Going, Gone». CD-Taufe ist am 3. Februar im Kentucky Saloon in Pratteln.

Wettbewerb

CD zu gewinnen

Die bz verlost zwei Exemplare von Andy Martins neuster CD «Ashes In The Wind». Senden Sie uns eine Mail an verlosung@bzbasel.ch mit dem Stichwort «Andy Martin», Ihrem Namen und Ihrer vollständigen Adresse. Ihre Mail muss uns bis spätestens nächsten Montag, 30. Januar, um 18 Uhr erreichen. Pro Person ist nur eine Einsendung erlaubt, sonst ist man vom Wettbewerb ausgeschlossen. Auch verspätet eintreffende Mails werden nicht berücksichtigt.

CD in Nashville produziert

Den Gesang nahm der bald 60-Jährige in einem Basler Studio auf, die Musik dazu spielten aufgrund von Arrangements und Demos Studiomusiker in Nashville (Tennessee, USA) ein. Dort, in der Welthauptstadt des Country, kam es dann zum Feinschliff, wurden die Elemente gemixt und das Album produziert. Dies ist mit den heutigen Möglichkeiten eine tagtägliche Arbeitsweise. Für diese CD war Martin nie mit den Studiomusikern zusammen. Aber vorige Musikträger hat er schon selber in Nashville aufgenommen. In der legendären Grand Ole Opry konnte er bisher zweimal als Gast im Backstage-Bereich auftreten.

Bis Ende Jahr bestreitet Andy Martin mit seinen zwei hiesigen Formationen – eine spielt mit elektrischen, eine mit akustischen Instrumenten – über 30 Engagements, primär in der Schweiz. Die personelle Besetzung ist identisch. Er trat mit seinen Bands bereits in mehreren europäischen Ländern auf, auch in den USA, Japan und Ägypten. Überall begeistert er mit seinem traditionellen Country-Stil.

Martins Repertoire weist gut 120 Titel auf, 50 bis 60 davon spielt er regelmässig bei Auftritten. «Der Startsong ist meistens der gleiche. In den einzelnen Sets variiert die Reihenfolge», erklärt Andy Martin, das sei abhängig von Publikum und Stimmung. «Wir sind sehr flexibel und können uns kurzfristig absprechen.»

Das Management besorgt Martin selber. Vor den Konzerten stellt er mit seinen Bandmitgliedern das Equipment auf, danach legen sie selber wieder Hand an. Das bedeutet viel Arbeit. Davon kann Andy Martin jedoch nicht leben. «Finanziell hält sich mein Musik-Engagement etwa die Waage. Ich bin auf einen Nebenjob angewiesen», sagt er in seinem heimeligen Berner Dialekt. Martin war in der Nähe von Thun aufgewachsen. 1992 ist er aus beruflichen Gründen ins Oberbaselbiet gezogen, wo er mit wechselnden Wohnorten sesshaft geworden ist.

In Florida fing alles an

Seit 30 Jahren steht er als Country-Musiker bereits auf der Bühne. Die Tür dazu geöffnet hat ihm seine erste CD, ein Soloalbum, das er 1986 eingespielt hat. Schon Mitte der 70er-Jahre kam Andy Martin auf den Geschmack der Musik aus dem Wilden Westen. Während seines ersten USA-Aufenthalts in Florida wurde er zum Fan. «Ich hörte Country und stöberte in Musikläden nach Platten», erinnert sich Martin. Gitarrenspiel und Gesang hatte er sich autodidaktisch beigebracht.

Er hat schon einige Stars in den USA getroffen. Der Texaner George Strait mit Beinamen «King of Country» und der 2006 verstorbene Buck Owens haben es ihm besonders angetan. «Diese Musiker haben mich bisher am meisten beeindruckt», schwärmt der Wahl-Baselbieter.

Andy Martin schreibt auch selber Songs, auf seiner ersten CD sind fast nur eigene. Seine ersten Alben hatte er in Schweizer Studios produziert, danach rief Anfang der 90er-Jahre Nashville. Dort hält sich Martin gerne auf, es ist eine seiner Lieblingsstädte. «In Nashville lernt man sehr viele Leute auf kleinem Raum kennen, die Country-Musik ist enorm präsent», erzählt Andy Martin begeistert.

Dass Christoph Schwegler und Geri Stocker seit Ende letzten Jahres den «Country Special» am Sonntagabend auf Radio SRF 1 nicht mehr betreuen, bedauert Martin. «Da ist enormes Wissen vorhanden», sagt er. Vor allem Redaktor Geri Stocker sei ein extrem guter Kenner dieser Szene. Das Duo habe vielen Schweizer Künstlern eine Plattform geboten.

Dennoch: Andy Martin stuft den Country in der Schweiz als Nischenprodukt ein. «Aber ich kann mich nicht beklagen, wir haben genügend Auftritte», meint er. Schon heute Abend ist Andy Martin mit Band live im Oberbaselbiet zu hören und zu sehen.

Andy Martin und Band treten am Samstag in Hölstein auf (20 Uhr, Mehrzweckhalle Rübmatt) anlässlich des 25-Jahr-Jubiläums des Country & Western Club Longhorn.

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