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An den Dittinger Flugtagen fliegt der Super Puma über das Laufental

20'000 Menschen pilgern an die internationalen Dittinger Flugtage. Diese bleiben trotz ihrer Grösse gemütlich und überschaubar.

Dimitri Hofer
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Da steht er, Urs Winkelmann, der Marketingverantwortliche der Dittinger Flugtage und fragt: «Willst du mitfliegen?»
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Keine Frage! Natürlich will ich - und Urs Winkelmann bereitet alles vor.
Jetzt muss ich mich nur noch getrauen, mit einzusteigen...
Also los! Urs Winkelmann ist ja schliesslich ein erfahrener Pilot.
Und hui! geht es übers Laufental. Was für eine Aussicht!
Flug mit Urs Winkelmann, dem Marketingverantwortlichen der Dittinger Flugtage

Da steht er, Urs Winkelmann, der Marketingverantwortliche der Dittinger Flugtage und fragt: «Willst du mitfliegen?»

Roland Schmid

Ab morgen befindet sich das kleine Dorf Dittingen wieder im Ausnahmezustand. Rund 20 000 Menschen werden in die Laufentaler Gemeinde strömen, um gemeinsam in den Himmel zu schauen. Die diesjährige Ausgabe der Flugtage wartet am Wochenende mit zahlreichen Neuentdeckungen, aber auch mit einigen alten Bekannten auf. Für Urs Winkelmann, den Marketingverantwortlichen des Grossanlasses, soll die Veranstaltung trotz der vielen Besucher weiterhin überschaubar und gemütlich bleiben.

Herr Winkelmann, die Dittinger Flugtage stehen bevor. Wie ist der Ticketverkauf bisher verlaufen?

Das sind die Höhepunkte

Die Dittinger Flugtage finden dieses Jahr zum 33. Mal statt. Ins Leben gerufen wurden sie einst von der Segelfluggruppe Zwingen, wo sie früher auch stattfanden. Seit mehr als sechs Jahrzehnten werden sie nun auf dem Flugplatz Dittingen ausgerichtet.

Die Highlights der diesjährigen Ausgabe sind am Samstag:

- Swiss Air Force FA-18 Hornet
- Breitling Wingwalkers
- Grasshoppers
- Dewoitine D-26
- Edge 540

Und am Sonntag:

- Swiss Air Force Super Puma
- De Havilland Vampire
- Blanix
- T-28 Fennec
- OV-10 Bronco

Ab dem Bahnhof Laufen fahren Shuttle-Busse zu den Flugtagen und zurück. Da die Kapazitäten der Busse nicht unendlich sind, empfehlen die Organisatoren den Besuchern aus der Region eine Wanderung nach Dittingen.

Urs Winkelmann: Der Ticketvorverkauf ist für uns nicht sehr bedeutend, da die meisten Zuschauer ihre Billetts direkt vor Ort kaufen. Wenn ich die schon abgesetzten Tickets jedoch als Gradmesser nehme, werden wir mehr Besucher haben als bei den letzten Ausgaben. Überraschenderweise sind am Samstag jeweils mehr Menschen an den Flugtagen anzutreffen als am Sonntag. Dabei versuchen wir immer, ein ausgewogenes Programm für beide Tage zusammenzustellen. Am Samstag kommen flugbegeisterte Personen aus der ganzen Schweiz und dem Ausland, während am Sonntag viele Familie die Flugtage besuchen.

Wie gelingt es Ihnen, sowohl Familien als auch Aviatik-Anhänger glücklich zu machen?

Wir strengen uns diesbezüglich gar nicht an. Die Flugtage Dittingen sind für sogenannte Spotter, die an solche Anlässe gehen, um Flugzeuge zu fotografieren, interessant, weil sie hier auch die Piloten sehen. Diese spazieren bei uns immer wieder durch das Publikum und unterhalten sich mit den Anwesenden. Die Nähe zum Menschen im Cockpit und der unkomplizierte Umgang miteinander gefallen natürlich auch den regionalen Besuchern. Wir heben uns ab von einem grossen Flugtag auf einem grossen Flugplatz, wo alles weit weg ist.

Mittlerweile gehören die Flugtage Dittingen mit 20 000 erwarteten Besuchern aber selbst zu den wichtigsten Veranstaltungen dieser Art.

Es ist ein grosser Anlass. Man muss aber auch sehen, dass die Flugtage Dittingen die einzigen Flugtage in der Schweiz sind, die regelmässig durchgeführt werden. Viele haben wegen des hohen finanziellen Risikos aufgegeben. Früher wurden Flugtage in Dübendorf veranstaltet. Im Tessin gibt es eine aktive Gemeinschaft, die immer wieder versucht, Flugtage auf die Beine zu stellen. Unsere Konstanz, jedes zweite Jahr stattzufinden, ist heutzutage einzigartig. Wobei die finanzielle Belastung auch für uns enorm ist. Ohne die eigene Infrastruktur und unzähligen freiwilligen Helfer, könnte die 45-köpfige Segefluggruppe Dittingen die Festivitäten nicht realisieren.

Was treibt denn die Kosten in die Höhe?

Kurzfristige Absage: Die Gänse fliegen nicht

Es ist ein herber Schlag für die Organisatoren der Dittinger Flugtage. Vier Tage vor seinem Abstecher ins Laufental sagte der französische Meteorologe Christian Moullec seinen Auftritt ab. Der Stammgast hätte auf einem Motordrachen gemeinsam mit Gänsen durch die Lüfte fliegen sollen.

Technische Probleme an seinem Fluggerät hindern den Tierschutzaktivisten daran, erneut in die Region zu kommen. Die Sicherheit sei nicht gewährleistet, lässt er ausrichten.

Das Programm werde durch die Absage des Publikumsmagneten nicht verändert, sagt Urs Winkelmann. Man bedauere jedoch sehr, dass die Zuschauer nicht in den Genuss der Show des Franzosen kommen.

Zum einen bezahlen wir den Künstlern, die bei uns auftreten, eine Gage. Dabei handelt es sich teils um grosse Summen. Zum anderen geben wir im Bereich Verkehr und Sicherheit viel Geld aus. Das beginnt bei den Parkplätzen, für die wir die Bauern, die ihr Land zur Verfügung stellen, entschädigen. Zudem haben wir nicht zu unterschätzende Kosten für Feuerwehr, Bewilligungen, Versicherungen und das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl), das mit zwei Personen vor Ort ist, welche die Aufsicht über den Flugbetrieb haben.

Wer sorgt an den Flugtagen für die Sicherheit der Piloten und der Zuschauer?

Man kann Unfälle leider nie ausschliessen. Vor zehn Jahren kam es während der Flugtage zu einem tödlichen Absturz. Die Piloten sind angewiesen, keine Figuren in Richtung des Publikums zu vollführen. Sollte es zu einem Vorfall kommen, stehen Sanität, Samariter, Rega, Polizei und Zivilschutz bereit. Insgesamt sind während des Wochenendes alleine 90 Personen für die Sicherheit zuständig.

Kommen wir auf das Programm zu sprechen. Auf welche Flugvorführungen können sich die Besucher freuen?

Bei uns sind Nummern aus den unterschiedlichsten Sparten der Aviatik zu erleben. Hervorheben möchte ich einige Darbietungen, die zum ersten Mal in Dittingen zu sehen sind. Zwei Dewoitine D-26 der Schweizer Luftwaffe aus den Dreissigerjahren werden gemeinsam fliegen. Das Team Blanix aus Österreich zeigt eine atemberaubende Segelflugshow. Umrahmt von mystischer Musik zeichnen die Piloten mit Rauch verschiedene Formen an den Himmel. Auf Interesse werden auch die Vampire sorgen, bei denen es sich um Düsenflugzeuge der Schweizer Armee handelt.

Welche altbekannten Formationen kommen dieses Jahr wieder nach Dittingen?

Am Samstag ist das Kampfflugzeug FA-18 Hornet zu sehen, welches das derzeitige Filetstück der Schweizer Luftwaffe ist. Am Sonntag erhalten wir Besuch von deren Super Puma, dem viele unserer Besucher schon jetzt entgegenfiebern.

Einen grösseren Stellenwert als bei früheren Ausgaben hat das Rahmenprogramm. Dieses Jahr dürfen Sie unter anderem die Ehrengäste Simon Ammann und Dominique Gisin begrüssen.

Das gehört mittlerweile einfach dazu. In diesem Wahljahr werden wir ausserdem Besuch von zahlreichen Politikern erhalten. Deren Interesse an den Flugtagen ist kurz vor einer Wahl um einiges grösser als in Jahren, in denen keine Wahl ansteht.

Hatten Sie jemals den Plan, die Flugtage jedes Jahr durchzuführen?

Wir gelangen jetzt schon an unsere Grenzen. Die Veranstaltung jedes Jahr auf die Beine zu stellen, wäre nicht möglich. Ich denke, dass der 2-JahresRhythmus der gesündeste für uns ist. Wenn der Anlass jedes Jahr stattfände, würde schnell eine Sättigung eintreten. Es ist nicht unser Ziel, dass die Flugtage noch grösser werden, als sie sind. Wenn sie ihre Gemütlichkeit verlieren würden, hätten wir keinen Spass mehr daran.