Landrat
Altersgenerationen im Landrat: «Die Jungen haben Herzblut und Idealismus»

Das Durchschnittsalter der Fraktionen folgt nicht immer den gängigen Klischees. Einig sind sich die Jungen und Alten Parlamentarier allerdings, dass es einen guten Mix braucht.

Von Boris Burkhardt
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Sara Fritz (27, Birsfelden), jüngstes Mitglied im Baselbieter Landrat
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Siro Imber (Allschwil) ist mit 30 Jahren der Jüngste in der FDP-Fraktion.
Willimann Karl (70, Füllinsdorf)
Im Basler Landrat sind alle Altersgenerationen vertreten

Sara Fritz (27, Birsfelden), jüngstes Mitglied im Baselbieter Landrat

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Mit dem Alter wird der Mensch immer konservativer. Auf den ersten Blick scheint sich diese Binsenweisheit im Baselbieter Landrat auch zu bestätigen: Die SVP-Fraktion ist mit einem durchschnittlichen Lebensalter von 56,57 Jahren die älteste. Doch am anderen Ende der Rangliste liegt eine Überraschung: Die jüngste Fraktion ist mit 45,92 Jahren nämlich die FDP, im politischen Spektrum nicht gerade als linke Kraft bekannt.

FDP: «Partei mit Zukunft»

FDP-Chef Rolf Richterich (Laufen), der mit 45 Jahren den Fraktionsdurchschnitt repräsentiert, hätte eigentlich auf die Grünen als jüngste Fraktion getippt. Überrascht ist er aber dennoch nicht von der eigenen Spitzenposition: «Wir stehen mitten im Leben», meint er lachend. Dabei heisse es immer, die Partei habe keine Zukunft: «Wir hätten auch noch Jüngere auf der Kandidatenliste gehabt.» Der Jüngste in der FDP-Fraktion ist mit 30 Jahren Siro Imber (Allschwil). Er wurde vor sechs Jahren in den Landrat gewählt und stellt seit damals einen «extremen Generationenwechsel» fest: «Vor sechs Jahren war eine ganz andere Stimmung und ein ganz anderer Umgang in der Fraktion.» Der Bruch sei unter anderem mit Richterich gekommen. Imber betont, er wolle diesen Stimmungswechsel nicht bewerten. Als die FDP noch stärker gewesen sei, hätten aber Macht und Posten eine grosse Rolle gespielt. Heute seien eher Werte wie Schlagfertigkeit, Herzblut und Idealismus gefragt. Diesen Gegensatz erlebten auch gerade die Grünen, die mehr Rücksicht und Verantwortung übernehmen müssten, seit sie einen Regierungsrat stellten.

Grüne: «Jugendlichkeit erhalten»

Grünen-Fraktionschef Klaus Kirchmayr (49, Aesch) hingegen ist «relativ stolz» auf die vielen jungen Menschen in der Kantonspartei: «Unsere junge Liste ist stets die stärkste unter den Jungparteien.» Dass die Grünen mit 47,5 Jahren unter den Fraktionen dennoch nur auf Platz Drei kommen, sei eine Momentaufnahme: Durch den Weggang von Simon Trinkler (29) und Desiree Lang (38) sei die Fraktion über die Sommerferien gealtert, weil sie durch zwei Mittvierziger ersetzt worden seien. Die jetzigen Nachrückenden seien aber wiederum sehr jung, weshalb er optimistisch sei, «dass die Jugendlichkeit, die die Grünen verkörpern, weiterbesteht».

Zuviel Jugendlichkeit täte dem Landrat nach Meinung des 70-jährigen SVP-Veteranen Karl Willimann (Füllinsdorf) allerdings nicht gut: «Die Mischung muss stimmen.» Der Aufstieg der SVP habe vor 20 Jahren begonnen, erklärt sich das älteste Landratsmitglied den hohen Altersdurchschnitt seiner Fraktion: «Damals waren wir 45 Jahre alt. Wir haben unsere Bekanntheit behalten und wurden immer wieder gewählt.» Doch Willimann, der bereits seinen baldigen Rücktritt ankündigte, setzt auch in der SVP auf den Generationenwechsel: Enddreissiger wie Sandra Sollberger (Bubendorf) und Dominik Straumann (Muttenz) machten ihm dabei Hoffnung.

SP: «Wähler sind ‹schuld›»

Die «Schuld» am hohen Alter ihrer Fraktion (mit 53,14 Jahren nicht weit von der SVP entfernt) gibt SP-Chefin Kathrin Schweizer (Muttenz), mit 43 Jahren selbst unter den drei jüngsten ihrer Fraktion, den Wählern, die bekannte Gesichter bevorzugten: «Das Angebot war da. Es gab auch junge Leute auf den Listen.» Sie hätte sich durchaus jüngere Kollegen gewünscht, findet es allerdings auch toll, dass mit den alten Landräten «kein Wissen verlorengeht».

Die drittälteste Fraktion ist die CVP/EVP: Das entspricht zwar dem Alt-Rechts-Schema, überrascht aber doch, wenn man bedenkt, dass die Fraktion mit Sabrina Mohn (28, Aesch) und Sara Fritz (27, Birsfelden) die beiden jüngsten Landratsmitglieder hat. Fritz hat jedoch «nicht das Gefühl, dass das Alter in der Fraktion eine Rolle spielt». Sie sieht Jungpolitiker nicht unbedingt links, sondern generell an den Polen: «Junge Menschen differenzieren weniger.» Sie selbst habe als gläubige Christin mit konservativ-ökologischen Werten in der Mitte-Partei EVP ihren Platz gefunden. Auch Fritz hält eine gute Altersmischung im Landrat für wichtig; «ganz junge» habe es aber noch zu wenig: «Wenn jetzt niemand mehr nachrückt, bin ich bis zur Wahl 2015 mit über 30 immer noch die Jüngste.»

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