Prozessauftakt Steinbruch-Mord
«Als er die Hand hob, habe ich geschossen» – Am ersten Prozesstag wurden die Hintergründe der Tat deutlich

Vor drei Jahren erschoss ein heute 58-Jähriger in einem Steinbruch in Laufen seinen Geschäftspartner. Die beiden hatten dort gemeinsam eine illegale Hanfanlage betrieben. In den kommenden Tagen steht der Täter vor dem Baselbieter Strafgericht in Muttenz.

Dimitri Hofer
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Der mutmassliche Täter von Laufen steht ab heute vor Gericht.

Der mutmassliche Täter von Laufen steht ab heute vor Gericht.

Nicole Nars-Zimmer

Immer wieder mussten die Richter den Angeklagten während des ersten Prozesstages daran erinnern, ins Mikrofon zu reden. Der 58-Jährige sprach mit leiser Stimme und wirkte niedergeschlagen, als er vor dem Baselbieter Strafgericht in Muttenz über seine Tat aussagte. Es ist nur schwer vorstellbar, dass dieser stille Mann in der Lage war, jemanden zu töten.

Seit dem Vormittag des 21. August 2017 hat er einen Menschen auf dem Gewissen. In einem stillgelegten Steinbruch in Laufen, wo der Angeklagte damals lebte, erschoss er seinen jüngeren Geschäftspartner mit einem Schuss in die Brust. Die beiden hatten auf dem Gelände gemeinsam eine illegale Hanfanlage betrieben, um die zwischen ihnen ein Streit eskaliert war. Der gebürtige Büsseracher wurde noch am Tag der Tat vor Ort festgenommen.

Der Angeklagte fühlte sich, das wurde gestern deutlich, von seinem 34-jährigen Opfer zunehmend unter Druck gesetzt. Die Drohgebärden und die Schwierigkeit des Beschuldigten, mit Problemen umzugehen, führten letztlich zum Tod des Muttenzers. Die Kombination dieser beiden Dinge machte aus einem ruhigen Zeitgenossen einen Mörder. Der Angeklagte war zweimal verheiratet und ist Vater drei Kinder. Finanzielle Schwierigkeiten begleiteten den Schwarzbuben, seit er sich vor einigen Jahren selbstständig gemacht hatte.

Zu Beginn habe man sich noch gut verstanden

«Wir kannten uns durch einen Motorradclub», berichtete der Beschuldigte über die erste Begegnung mit seinem späteren Opfer. Durch einen gemeinsamen Bekannten sei nach einiger Zeit die Idee aufgekommen, in einer Liegenschaft im Laufner Steinbruch eine Hanfanlage zu errichten. «In früheren Jahren habe ich selber Marihuana geraucht. Zuletzt aber nicht mehr», sagte der 58-Jährige. Dafür habe er regelmässig Kokain konsumiert. Wie der Anklageschrift, welche diese Zeitung schon vor einigen Wochen einsehen konnte, zu entnehmen ist, hat der Angeklagte im Jahr vor dem Tötungsdelikt zwei- bis dreimal pro Woche jeweils rund ein Gramm Kokain zu sich genommen.

Ab wann die Beziehung zum Geschäftspartner schwierig geworden sei, wollte Gerichtspräsident Beat Schmidli vom Angeklagten wissen. Während die Anlage aufgebaut wurde, habe man sich noch gut verstanden, antwortete dieser. «Mit der Zeit wurde er jedoch immer aggressiver. Einmal drohte er mir, mit einer Pouletschere die Finger abzuschneiden. Ich wurde immer mehr zu seinem Knecht, der tun musste, was er wollte. Er nutzte mich aus.» Dazu habe gehört, den oberen Teil des Gebäudes, das der Angeklagte selber nutzen wollte, für eine weitere Hanfplantage freizugeben. «Das wollte ich nicht mitmachen.» Er habe vom Unterbaselbieter, der deutlich jünger war, und Kampfsport betrieb, Angst gehabt. Auch die Freundin des Beschuldigten, die genauso wie seine Ex-Frau in den Zeugenstand gerufen wurde, erzählte Ähnliches über das Opfer: «Ich fürchtete mich vor ihm.»

Sei zu feige gewesen, um sich umzubringen

Bei der Freundin in Zwingen verbrachte der 58-Jährige auch seine letzte Nacht in Freiheit. «Ich schlief sehr schlecht.» Am nächsten Tag sei er frühmorgens mit dem Motorrad nach Delémont gefahren, wo seine Ex-Frau mit den gemeinsamen zwei Söhnen lebt. Für den geliebten Töff als Transportmittel habe er sich entschieden, da er nicht wusste, ob er von der Ausfahrt wieder zurückkommt. «Ich habe mich von den Kindern verabschiedet und bin zu einer Zivilschutzanlage gefahren.» Dort wollte er sich mit einer Pistole der Marke Beretta, die er in aller Früh im Steinbruch eingepackt hatte, das Leben nehmen. «Ich wollte mir in den Kopf schiessen, schoss aber in den Boden.» Um sich umzubringen, sei er zu feige gewesen.

Stattdessen fuhr er zurück in den Steinbruch, sass auf den Sitzplatz und wartete auf das Opfer, das seinen Besuch angekündigt hatte. «Ich hoffte darauf, dass er gut drauf ist und ich mit ihm reden kann», sagte der Angeklagte. Als der Muttenzer ankam und den Beschuldigten in aggressivem Ton fragte, ob er die Liegenschaft geräumt habe, schoss der Angeklagte auf ihn. Vor Gericht betonte er, dass er nicht vorhatte, zu schiessen. «Aber als er die Hand hob, habe ich geschossen.» Von einer Affekthandlung könne jedoch keine Rede sein, stellte die Psychiaterin Karen Fürstenau fest, die ein Gutachten über den Beschuldigten erstellt hat. Die Schuldfähigkeit sei gegeben.

Eine minutiöse Planung der Tat liegt aber auch nicht vor. Auf die Frage von Referent Daniel Ivanov, was er getan hätte, wenn er das Opfer nicht getroffen hätte, meinte der Angeklagte: «Darüber habe ich mich keine Gedanken gemacht.» In den nächsten Tagen werden die Plädoyers gehalten. Der Beschuldigte ist zudem wegen mehrfacher Widerhandlung gegen das Waffen- und Betäubungsmittelgesetz angeklagt. Das Urteil wird am Donnerstag verkündet.

Der Ticker vom Prozessstart zum Nachlesen: