Bachgraben
Allschwil ringt um besseren öV-Anschluss

Der Kanton will mit einer Verlängerung der Buslinie 64 Verkehrsprobleme lösen. Das stösst auf Kritik.

Hans-Martin Jermann
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Der 64er-Bus der BLT soll in einigen Jahren nicht mehr im Gewerbegebiet Bachgraben enden, sondern weiter bis an den Basler Bahnhof St.Johann geführt werden. So zumindest planen es die beiden Kantone.

Der 64er-Bus der BLT soll in einigen Jahren nicht mehr im Gewerbegebiet Bachgraben enden, sondern weiter bis an den Basler Bahnhof St.Johann geführt werden. So zumindest planen es die beiden Kantone.

Nicole Nars-Zimmer niz

Der Allschwiler Bachgraben ist das wichtigste Arbeitsgebiet des Baselbiets – und seine Bedeutung als Werk- und Forschungsplatz nimmt ständig zu. Das unterstreicht der geplante Neubau des Tropeninstituts. In einigen Jahren dürften im Bachgraben 10 000 Arbeitsplätze angeboten werden, heute sind es knapp 4000. Allerdings ist das Gebiet mangelhaft an den öffentlichen Verkehr angebunden. «Es ist frustrierend: Im Bachgraben hinkt die Verkehrsplanung der wirtschaftlichen Entwicklung um viele Jahre hinterher», sagt der Allschwiler GLP-Landrat und Verkehrspolitiker Matthias Häuptli.

Bahnhof im Dornröschenschlaf

Doch nun will der Kanton vorwärtsmachen: Abgestimmt auf die Planung der neuen Schnellstrasse von der Basler Nordtangente ins Bachgrabengebiet und gemeinsam mit dem Partnerkanton Basel-Stadt strebt die Baselbieter Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) bis 2021 eine Verbesserung des öV-Angebots an. Im Fokus steht eine Verlängerung der BLT-Buslinie 64 (Arlesheim-Bachgraben) zum Basler Kannenfeldplatz oder zum Bahnhof St. Johann. Dies sagt Alain Aschwanden, Leiter Gesamtverkehrsplanung in der BUD, auf Anfrage. Insbesondere eine Anbindung des Bachgraben-Gebiets an den Bahnhof St. Johann – quasi parallel zur neuen Strasse – wäre sinnvoll, da damit eine neue öV-Verbindung geschaffen würde.

Allerdings: «Der Bahnhof St. Johann befindet sich im Dornröschenschlaf», sagt Landrat Häuptli und meint damit, dass dieser nicht richtig in die RegioS-Bahn eingebunden ist. Dies wird sich wohl erst mit dem Bau des Herzstücks ändern – und das kann noch 15 bis 20 Jahre dauern. Eine längere Buslinie 64 kann in absehbarer Zeit seine Wirkung also nicht voll entfalten; das Bachgraben-Gebiet und Allschwil generell bleiben ungenügend ans übergeordnete Schienennetz angebunden. Häuptli stellt bei der öV-Planung der kantonalen Verwaltung für den Bachgraben eine gewisse Ratlosigkeit fest: «Offensichtlich weiss man nicht so genau, wie man die Situation in absehbarer Zeit konkret verbessern will.»

Basler Sofortmassnahmen für öV und Velofahrer

Basler Regierung will im Bachgraben Knoten für Busse errichten

Die Basler Regierung will im Nordwesten der Stadt und im Bachgraben mehrere Massnahmen zugunsten des öV und der Velofahrer realisieren. Sie beantragt dazu dem Grossen Rat einen Kredit von 5 Millionen Franken. Ihr Massnahmenpaket begründet die Regierung in einer Mitteilung von gestern Dienstag mit der Entwicklung des Gewerbegebiets Bachgraben auf Baselbieter Boden. Zudem sorgt die rege Bautätigkeit im Iselin-Quartier für Mehrverkehr.

Um diesen zu bewältigen, plant die Regierung am Bachgraben einen öV-Knoten für mehrere Buslinien. So sollen die Buslinien 31 und 38 in der Belforterstrasse pro Richtung eine zusätzliche Haltestelle erhalten. Für die übrigen Buslinien 48, 64 und 608, die am Bachgraben enden, sind beim Parkplatz gegenüber des Gartenbads eigene Haltestellen vorgesehen. Auf der Belforterstrasse zwischen Roggenburgerstrasse und Kantonsgrenze sollen neue Veloführungen dafür sorgen, dass sich Fahrräder und Autos nicht mehr zu nahe kommen. Auf dem Parkplatz des Gartenbads Bachgraben wurde Anfang 2016 ein Teil der Parkfelder für eine neue Wohnbebauung aufgehoben. Nun soll mit der Erneuerung der Belforterstrasse die Zahl der Parkplätze wieder um 45 auf 104 erhöht werden. (sda/haj)

Basel fordert Tramverlängerung

Häuptli räumt aber ein, dass es keine einfachen Lösungen gebe. Die übergeordnete Verkehrsplanung sei aus Allschwiler Perspektive unglücklich aufgegleist. Eine Anbindung des Bachgrabens ans Tramnetz wäre sinnvoll, allerdings liegt bis heute keine planerisch machbare und politisch mehrheitsfähige Variante vor. Aus Basel erschallt seit Jahren der Ruf nach einer Verlängerung der Linie 8 – im Idealfall bis in den Bachgraben. Damit bestünde eine direkte Tramverbindung an den Bahnhof SBB. Heute verkehrt der 48er der Basler Verkehrsbetriebe (BVB) im Viertelstundentakt zwischen Bahnhof SBB und Bachgraben – und bleibt oft im Stau stecken. Mit «Bedauern» stellt die grossrätliche Umwelt-, Verkehrs- und Energiekommission in ihrem Bericht zum städtischen öV-Programm 2018 bis 2021 fest, dass im Nachbarkanton nach wie vor kein Projekt für einen verlängerten 8er existiere.

Allschwils Gemeindepräsidentin Nicole Nüssli informiert, dass die Verlängerung der Linie 8 von der Neuweilerstrasse entlang der Binningerstrasse im Rahmen des räumlichen Entwicklungskonzepts der Gemeinde wieder aufs Tapet kommt. Allerdings wird eine Verlängerung bis in den Bachgraben kaum ein Thema sein. Angedacht und realistisch ist jene bis zum Letten, denkbar auch eine bis zur Kreuzung Binningerstrasse/ Baslerstrasse, wo Anschluss an den 6er besteht. Doch die Bedenken, dass durch die enge und verkehrsreiche Binningerstrasse auf der ganzen Länge ein Tram geführt werden kann, sind in Allschwil gross. Nüssli findet, dass in den nächsten Jahren die Takte der bestehenden Buslinien verdichtet werden müssen. Zudem sei für einen flüssigen Bus-Verkehr zentral, dass die Staus verschwinden. «Damit wir dieses Ziel erreichen, müssen die geplanten Strassen – der Zubringer in den Bachgraben und die Umfahrung Allschwil – kommen.»

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