Reinacher Heide
Acht mal so viele Verstösse während dem Lockdown: Wildtiere empfindlich in der Brutzeit gestört

Die Reinacher Heide wurde während des Lockdowns nahezu überrannt. Darunter litten Rehe und Vögel.

Zara Zatti
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Zwergtaucher sind sehr scheu. Beobachten kann man den Wasservogel in der Heide. Bild: Piera Beretta

Zwergtaucher sind sehr scheu. Beobachten kann man den Wasservogel in der Heide. Bild: Piera Beretta

Piera Beretta

Über 12000 Menschen besuchten die Naturschutzgebiete im Baselbiet während der heiklen Phase der Coronapandemie. Von März bis Juni hatten sie viermal so viele Besucher wie noch im Vorjahr. Weil viele sonst nicht ausser Haus kamen, zog es zahlreiche Menschen in die Natur. Das spürten auch die Ranger: Rund acht Mal so häufig stellten sie in der Reinacher Heide Verstösse im geschützten Gebiet fest (die bz berichtete).

Die Leidtragenden dabei waren die Wildtiere. «Es gab viel mehr Leute, die sich ausserhalb der erlaubten Wege aufhielten», sagt Yannick Bucher, leitender Ranger des Naturschutz-Dienstes Baselland, und fügt an: «Das war eine grosse Störung für die Tiere.» Der Zeitpunkt des Lockdowns war besonders ungünstig. Vögel brüten im Frühling ihre Eier aus und Rehe gebären ihre Jungen. «Das ist sowieso eine stressige Zeit für die Tiere. Dieses Jahr wurden sie durch den zusätzlichen Trubel empfindlich gestört», erklärt Bucher. Halten sich Menschen in der Nähe der Nester auf, gehen die Muttertiere etwa nicht ans Nest. Das könne dazu führen, dass die Jungvögel verhungern. Ein Brutstandort in der Heide, der sonst immer belegt ist, blieb dieses Jahr auch leer.

Besonders Pflanzen und Insekten litten

Dass sich viele Menschen nicht an die Wege hielten, erklärt sich Bucher auch mit der Angst vor einer Ansteckung. Um den Mindestabstand einzuhalten und nicht zu dicht aufeinander zu sitzen, seien die Menschen in eigentlich gesperrte Gebiete ausgewichen. Die Störenfriede zertrampelten dabei Pflanzen, die besonders für die zahlreichen Insekten in der Heide wichtig sind. Der Baselbieter Ranger hat aber noch eine zweite Erklärung für die vielen Regelverstösse: Weil es sonst nichts zu tun gab, entdeckten auch Menschen das Schutzgebiet, die sonst nicht besonders naturaffin sind. «Viele wussten wohl einfach nicht, wie man sich korrekt verhält.»

Das siebenköpfige Ranger-Team hatte also alle Hände voll zu tun, um die Leute auf die Verhaltensregeln im sensiblen Gebiet aufmerksam zu machen. Die allermeisten seien denn auch einsichtig gewesen. In einem Fall mussten die Ranger aber sogar Anzeige erstatten. Dies, weil ein Besucher immer wieder die Wege verliess – trotz mehrmaliger Verwarnung.

Besonders in Erinnerung blieb Bucher auch ein Fall im Eichenhain von Wildenstein. Inmitten der alten Eichen wollte eine Gruppe ein Feuer entfachen – trotz erhöhter Waldbrandgefahr und fernab einer offiziellen Feuerstelle. «Das hätte böse enden können», gibt Bucher zu bedenken. Um weitere solche Fälle zu vermeiden und die neuen Naturfreunde zu sensibilisieren, stellten die Ranger vermehrt Hinweistafeln auf, wie man sich korrekt verhält.

Mehr Abfall auch im Naturschutzgebiet

Yannick Bucher zeigt Verständnis für die vielen unerfahrenen Besucher: «Ich kann verstehen, dass die Leute diese schönen Plätze in der Natur aufsuchen.» Nur seien die von Menschen bevorzugten Plätze eben häufig genau diejenigen, die auch von den Tieren genutzt würden. Verständnislos zeigt sich der Ranger, wenn es um das Liegenlassen von Abfall geht. Das sei während des Lockdowns auch vermehrt zum Problem geworden: «Wo es mehr Menschen gibt, hat es auch mehr Abfall.»
Ein Tier, das sich vom Andrang wenig beeindrucken liess, ist der Biber. «Dieser hat sich ziemlich an die Besucher gewöhnt», erklärt Bucher. Solange man nicht zu nahe an seinen Bau komme und ihm etwas Raum lasse, störe man das Nagetier eigentlich wenig. Beliebt war der Biber in der Heide während des Lockdowns allemal. Zeitweise bis zu 20 Personen auf einmal hätten das Tier beobachtet, sich dabei aber meist an den Abstand gehalten. «Da wurde dann wohl eher die 2-Meter-Regelung nicht mehr eingehalten», erzählt der Ranger lachend.