Abstimmung BL
Nach der Niederlage die Erkenntnis: «Starke Schule» hätte Lehrplan-Initiative wohl auch zurückziehen können

Noch am Tag, an dem das Baselbieter Stimmvolk die Lehrplan-Initiative der «Starken Schule beider Basel» abgelehnt hat, lobt der Verein die Arbeit des Kantons - und zeigt sich selbst unsicher, ob die Abstimmung wirklich nötig war.

Michael Nittnaus
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Für die «Starke Schule» ging die Rechnung trotz Abstimmungsniederlage auf. Die Baselbieter Lehrpläne werden verbessert.

Für die «Starke Schule» ging die Rechnung trotz Abstimmungsniederlage auf. Die Baselbieter Lehrpläne werden verbessert.

Symbolbild: Boris Bürgisser

Es ist ein häufig gesehener Reflex von Abstimmungsverlierern: Vor dem Urnengang malen sie schwarz und prophezeien grossen Schaden, sollte ihre Volksinitiative nicht angenommen werden. Kaum ist die Abstimmung verloren, klingt es plötzlich anders. So verhielten sich am Sonntag auch die Initianten von der «Starken Schule beider Basel».

Ihre Initiative, welche die Zahl der Kompetenzbeschreibungen im Lehrplan der Baselbieter Volksschule auf maximal 1000 beschränken wollte, scheiterte klar. 53'349 Abstimmende legten ein Nein ein, 28'016 Abstimmende ein Ja. Der Nein-Anteil lag somit bei 65,6 Prozent. Mit Liedertswil nahm nur eine einzige Gemeinde die Initiative an. Die Stimmbeteiligung lag bei 45,8 Prozent.

Ganz neue Töne der «Starken Schule»

«Dieses deutliche Resultat freut mich sehr», sagt Bildungsdirektorin Monica Gschwind zur bz. Sie hofft nun, die laufenden Arbeiten am Lehrplan der Sekundarstufe I in Ruhe fortführen zu können, sodass er – deutlich entschlackt – auf das Schuljahr 2022/23 in Kraft gesetzt werden kann. Gleichzeitig läuft eine Umfrage des Kantons, ob auch die Lehrpersonen der Primarstufe einen ähnlich umfangreichen Überarbeitungsprozess ihres Lehrplans starten wollen.

Die «Starke Schule» gestand die Niederlage am Sonntag bereits kurz nach dem Mittag ein. In einer offensichtlich länger vorbereiteten, umfangreichen Mitteilung schlug sie dabei ganz neue Töne an. Am Beispiel des Entwurfs des neuen Lehrplanteils A zu Stoffinhalten und Themen des Fachs Deutsch spricht der Verein von einer «bemerkenswert signifikanten Verbesserung». Er nehme die positive Entwicklung der letzten Wochen und Monaten erfreut zur Kenntnis. Und:

«Wir sind überzeugt, dass den Lehrpersonen ab 2022/23 in allen Fächern gute Lehrplanteile zu Stoffinhalten und Themen zur Verfügung stehen werden.»

«Es hätte den Druck der Initiative gar nicht gebraucht», hält Gschwind fest. Der Verbesserungsprozess des Lehrplans laufe seit drei Jahren. «Wir haben lange versucht, die ‹Starke Schule› zu einem Rückzug der Initiative zu bewegen. Das hätte uns viel Aufwand erspart», sagt die FDP-Regierungsrätin.

Initiative hätte bis November noch zurückgezogen werden können

Das sieht der Verein freilich anders. Vorstandsmitglied Jürg Wiedemann betont: «Erst als wir begannen, Unterschriften für diese Initiative zu sammeln, fing der Kanton an, sich für unsere Anliegen zu öffnen.» Ohne die aktuelle Initiative und jene vom Juni 2018 hätte Baselland heute den Harmos-Lehrplan 21, ist Wiedemann überzeugt. Auch, dass die Baselbieter Lehrer frei zwischen den beiden Lehrplanteilen zu Stoffinhalten und Themen respektive Kompetenzen wählen dürfen, sei Verdienst des Drucks. Der alt Landrat und Sekundarlehrer gibt aber etwas zu:

«Vermutlich hätten wir im Herbst prüfen sollen, ob der Lehrplan ausreichend geändert wird und wir die Initiative zurückziehen können.»

Dies sei aber nur möglich, bis die Regierung den Abstimmungstermin festlegt, was im November der Fall war. Von Gschwind sei man aber nicht rechtzeitig vorgewarnt worden.

Mit dem Nein zur Lehrplan-Initiative könnte in Baselland nun eine ungewohnt ruhige Zeit anbrechen. «2021 haben wir im Baselbiet bis jetzt keine weiteren Initiativen geplant», lässt sich Wiedemann in die Karten blicken.

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