Abstimmung 7. März
Lehrplan-Initiative: 60 Prozent der Mitglieder des Baselbieter Lehrervereins sagen Ja

Die Initiative der «Starken Schule beider Basel», die den Lehrplan der Baselbieter Volksschule stark verschlanken will, stösst bei einer klaren Mehrheit der Mitglieder des Berufsverbandes Lehrerverein Baselland auf Zustimmung. Von einer Ja-Parole sieht der Verein dennoch ab.

Michael Nittnaus
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Viele Baselbieter Lehrer halten den Lehrplan für völlig überladen. Vor allem die 3500 Kompetenzbeschreibungen werden kritisiert.

Viele Baselbieter Lehrer halten den Lehrplan für völlig überladen. Vor allem die 3500 Kompetenzbeschreibungen werden kritisiert.

Symbolbild: Boris Bürgisser (27.3.2018)

Man könnte meinen, die Lehrplan-Initiative, über die das Baselbieter Stimmvolk kommenden Sonntag befindet, hat keine Chance. Schliesslich fassten sämtliche Parteien die Nein-Parole und auch der Landrat empfiehlt die Ablehnung mit 77 zu 6 Stimmen bei 3 Enthaltungen. Diese klare Haltung der Politik steht allerdings im Widerspruch zur Zerrissenheit jener Gruppe, die – neben den Schülerinnen und Schülern – am stärksten von der Initiative betroffen ist: den Lehrerinnen und Lehrern.

Während die Initianten des Vereins «Starke Schule beider Basel» darauf pochen, für die Mehrheit der Baselbieter Lehrerschaft zu sprechen, empfiehlt der Vorstand der Amtlichen Kantonalkonferenz der Baselbieter Lehrer (AKK) dezidiert ein Nein. Vor kurzem hat sich nun noch der Lehrerverein Baselland (LVB) als Berufsverband zu Wort gemeldet: Er lässt das Pendel eher zu Gunsten der Initiative ausschlagen.

Auf allen Schulstufen Befürworter in der Mehrheit

Eine Umfrage des LVB unter seinen Mitgliedern ergab, dass 60 Prozent der Teilnehmenden aller Schulstufen die Lehrplaninitiative unterstützen. Immerhin 768 Lehrpersonen nahmen teil, 461 empfehlen die Initiative zur Annahme, nur rund halb so viele (224 oder 29 Prozent) lehnen sie ab. 83 Personen oder 11 Prozent nahmen an der Umfrage teil, enthielten sich aber.

Die Befürworter sind auf allen Schulstufen in der Mehrheit: Am deutlichsten ist die Zustimmung mit 65,6 Prozent auf der Sekundarstufe I, gefolgt von 57,6 Prozent auf der Primar- und 57,3 Prozent auf der Sekundarstufe II. Der Nein-Anteil ist auf keiner Schulstufe höher als 31,3 Prozent.

Parolen gibt der LVB erst ab 65 Prozent Ja- oder Nein-Anteilen aus

In einem Statement auf seiner Website sieht der LVB das Umfrageergebnis als Bestätigung, dass die Vereinsbasis den bestehenden Lehrplänen tendenziell kritisch gegenübersteht. Frühere Befragungen hätten schon mehrfach verbreitete Wünsche nach Anpassungen, inhaltlichen Klärungen und überschaubaren Stofflehrplänen mit realistischen Zielen ausgewiesen. Der Lehrerverein hält allerdings auch klar fest:

«Der LVB hütet sich davor, sich anzumassen, pauschal im Namen aller Lehrpersonen zu sprechen.»

Deshalb gibt der LVB für den 7. März auch keine offizielle Abstimmungsempfehlung ab. «Gemäss jahrelanger Praxis» tue er dies jeweils nur, wenn in allen drei Schulstufen die Zustimmung oder Ablehnung bei mindestens 65 Prozent liegt. Dies ist hier aber nur auf der Sek I der Fall.

Wichtig ist dem LVB festzuhalten, ein völlig unabhängiger Berufsverband zu sein. Daran ändere auch nichts, dass die Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind den LVB-Präsidenten Roger von Wartburg sowie Vizepräsidenten Philipp Loretz vergangenen November in eine Lehrplan-Begleitgruppe aufnahm. Auch von der «Starken Schule» lasse sich der LVB nicht vereinnahmen.

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