Festival
Abende für Geniesser und Partylöwen

Das Summerstage im Park im Grünen in Münchenstein bezauberte mit Katie Melua und heizte ein mit Lo & Leduc und Patent Ochsner.

Andrea Schäfer
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Zu Besuch in der «Grün80»: Katie Melua bietet nicht nur eigene Hits, sondern auch Coverversionen grosser Nummern.

Zu Besuch in der «Grün80»: Katie Melua bietet nicht nur eigene Hits, sondern auch Coverversionen grosser Nummern.

Kenneth Nars

«Ich habe noch nie vor so vielen Leuten mit orangen Hüten gespielt», sagt der Basler Singer-Songwriter Baum, als er am Freitag auf die Wiese im Park im Grünen in Münchenstein blickt. «Das sieht gut aus», konstatiert auch Lo von Lo & Leduc am Samstag und witzelt, dass wohl ein gewisser Mobiltelefonanbieter hier noch seine Restposten verkauft hat. Die orangen Hüte wurden an allen drei Tagen des diesjährigen Summerstage Festival verteilt. Und dank wohlgesinntem Petrus wurden sie auch rege gebraucht als Sonnenschutz.

Orange dominiert: Die Zuschauer im Park im Grünen kamen ins Schwitzen.

Orange dominiert: Die Zuschauer im Park im Grünen kamen ins Schwitzen.

Kenneth Nars

Nach Max Herre am Donnerstag ist die Bühne in der Grün80 am Freitag zuerst in regionaler Hand. Nach Baum folgt die Band We Invented Paris, die zum Teil aus Münchenstein stammt. «Ihr könnt heute noch genug chillen am Hügel», sagt Leadsänger Flavian Graber aus Liestal am Anfang des Auftritts. «Deshalb schlage ich vor, ihr kommt nach vorne, um mit uns das Abendessen zu verdauen.» Doch Graber hatte damit einen schweren Stand. Es ist kurz vor acht und die Leute sitzen gemütlich auf der Wiese, die zu einem Hügel ansteigt. Sie geniessen den Sommerabend und genehmigen sich ein kühles Bier aus den mit zwei Franken Pfand belasteten Plastikbechern, einen Burger oder gar ein Raclette. Graber gesteht selbst: «Ich sehe es ein, der Berg ist einfach zu gemütlich.»

Der Hauptact am Freitag

Das Publikum lauscht erfreut den englischsprachigen Popsongs und zumindest die vorderen Reihen stehen auf und tanzen mit. Doch man merkt es, die hinteren Reihen, die aus vielen leicht älteren Semestern bestehen, warten auf den Hauptact des Abends. «Mir hei jetz no zwei Songs, bis denn, wie me im Oberbaselbiet seit, s’Käthi chunnt», sagt Graber augenzwinkernd und spricht dabei von der Britischen Sängerin Katie Melua. Die 30-jährige Musikerin mit georgischen Wurzeln betritt um 21 Uhr mit Gitarre die Bühne und spielt allein «Diamonds are Forever». Das Cover von Shirley Basseys Hit zum James-Bond-Film «Diamantenfieber» verzaubert die Zuschauer sofort. Eine Kettenreaktion geht durch die Menge, und alle stehen auf. «Wir spielen nur fünf Shows diesen Sommer. Es ist schön, zurück in der Schweiz zu sein. Danke, dass ihr solch gute Freunde seid», bedankt sich Melua beim Publikum.

Sie und ihre 4-köpfige Band spielen ihre grossen Hits wie zum Beispiel «Nine Million Bicycles» aber auch überraschende Coverversionen von Hits von Künstlern wie Joni Mitchell, Janis Joplin und den Beatles. Es sind mehrheitlich ruhige, bluesige Töne, die Melua anschlägt. So ist der Freitagabend eher etwas für Geniesser als für Partylustige.

Die Party am Samstag

Die Letzteren kommen dafür am 32 Grad heissen Samstag voll auf ihre Kosten. Nicht nur die Temperaturen sind dabei höher als am Vortag, sondern auch die Besucherzahlen. Der Duft von Sonnencreme liegt in der Luft als die Schweizer Singer-Songwriter Nick Mellow und Lea Lu die ersten beiden Sets bestreiten. Das erste Mal so richtig in Fahrt kommt die Menge beim Auftritt von James Gruntz, der dieses Jahr zwei Swiss Music Awards abräumte. Der in Basel und Biel aufgewachsene Musiker bringt mit seinen eingängigen englischsprachigen Popsongs die Leute zum Tanzen.

Das Berner Rapper-Duo Lo & Leduc bringt die Menge dann erst recht in Fahrt. Lorenz Häberli (28) und Luc Oggier (26), wie die beiden Mundart-Musiker mit bürgerlichen Namen heissen, sind zurzeit mit ihrem Album «Zucker fürs Volk» auf Tour. «Das Album ist schon mehr als ein Jahr alt», erklärt Oggier. «Es ist wahnsinnig, dass wir damit immer noch touren können. Das ist nicht zuletzt dank euch.» Als Gegenleistung liefern die perfekt aufeinander eingestimmten Berner und ihre siebenköpfige Band ein wahres Spektakel an Wortakrobatik und bauen in ihren Freestyle einige Anekdoten zu ihrem Besuch in Basel ein. Dabei seien sie angeblich aus Versehen mit dem Zug nach Mulhouse gefahren und hätten dann ein Taxi ans Summerstage nehmen müssen. Die beiden liessen es sich auch nicht nehmen, James Gruntz für eine Kollaboration auf die Bühne zu holen. Als sie dann auch noch ihre grössten Hits «Bini bi dir» und «Jung verdammt» zum Besten geben, ist ihnen die Gunst des Publikums garantiert.

Die alten Herren heizen ein

Patent Ochsner hatte die Gunst des Publikum schon, bevor der erste Takt gespielt ist. Die Berner Mundart-Band, die heuer ihr 25-jähriges Bestehen feiert, bringt auch den hinterletzten Zuschauer dazu, aufzustehen und mitzusingen. Vor allem die etwas älteren Zuschauer im sonst sehr durchmischten Publikum schwingen nun das Tanzbein. Mit Liedern wie «Fischer», «Ausklaar» und «Bälpmoos» beweisen Büne Huber und seine Band, dass sie vom Teenager bis zum Rentner jeden mitreissen können.

Es herrscht absolute Partystimmung, als sich Huber kurz vor 23 Uhr beim Publikum bedankt und die Bühne verlässt. Nach tosendem Applaus kommen sie wieder zurück. «Venus, Venus, Venus», ruft das Publikum. «Was wollt ihr noch hören? Das habe ich jetzt nicht richtig verstanden», fragt Huber rhetorisch, stimmt aber gleich den Hit «W. Nuss Vo Bümpliz» an. Beim Refrain vermag das Publikum Huber fast zu übertönen und alle singen genüsslich mit. Die Menge will mehr und bringt die Band dazu, auch noch «Scharlachrot» und «Gummiboum» zu spielen. Alle sind danach zufrieden und machen sich auf den Heimweg, auf dem noch bis ins Oberbaselbiet die orangen Hüte anzutreffen sind.

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