Kläranlage
120 Millionen-Investition: ARA Rhein will ihr Stink-Image los werden

Die ARA Rhein bekommt neue Stufen für die Entfernung von Schwebeteilchen, Stickstoff und Spurenverunreinigungen. Damit soll es in Zukunft weniger stinken in Pratteln.

Daniel Haller
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Peter Müller leitet seit ach Monaten die Ara Rhein in Pratteln.

Peter Müller leitet seit ach Monaten die Ara Rhein in Pratteln.

Kenneth Nars

Peter Müller hat geerbt. Damit ist aber der Geschäftsführer der ARA Rhein, der sein Amt Anfang Juli des vergangenen Jahres übernommen hat, nicht nur glücklich: Das Erbe besteht nicht zuletzt aus einem schlechten Image seines Betriebs, der im Volksmund als «Stink-ARA» bekannt ist: 2014 war der Geruch derart unerträglich, dass das Baselbieter Amt für Umwelt und Energie damit drohte, der ARA die Betriebsbewilligung zu entziehen.

Das Vertrauen der Bevölkerung will Müller einerseits zurückgewinnen, indem sich die ARA den Anwohnern nicht mehr durch Gestank in Erinnerung ruft. Zudem will er den positiven Teil des Erbes, die nun in Betrieb genommene Verbrennungsanlage für stinkende Stoffe durch Besucherrundgänge, das Überarbeiten der Website und dem damit verbundenen Auftritt nach aussen verbessern. Im kommenden Jahr soll durch einen Tag der offenen Tür die Anlagen und Technologien der Bevölkerung näher gebracht werden. Dabei geht es nicht nur um die Massnahmen gegen Geruchsbelästigungen, sondern auch um künftige Ausbauschritte.

Zusätzliche Stoffe entfernen

So soll 2019 zwischen der Biologiestufen 1 und 2 eine sogenannte Flotation den Betrieb aufnehmen. In der Biologie 1 werden die Industrie-Abwässer vor allem aus dem Gebiet Schweizerhalle geklärt. Dabei entstehen neben dem Klärschlamm, der absinkt und am Beckenboden abgeschieden werden kann, auch Schwebeteilchen. Diesen rückt man künftig mit feinsten Luftbläschen zu Leibe, die sie an die Oberfläche befördern, wo man sie abschöpfen kann, bevor das geklärte Chemiewasser in der Biologiestufe 2 mit den Siedlungs-Abwässern der Gemeinden Pratteln, Augst, Kaiseraugst, Giebenach, Arisdorf und Olsberg gemischt und gereinigt wird.

Als Nächstes wird nach der Biologie 2 eine Stufe für den Stickstoff-Entzug gebaut. «Diese ist heute Stand der Technik, deshalb verpflichtet uns der Kanton dazu», erklärt Müller. Zu viele Stickstoffverbindungen in den Flüssen und Meeren führen nämlich zu vermehrtem Algenwachstum, was dem Wasser Sauerstoff entzieht und so unter anderem die Fische schädigt.

Als Letztes kommt die Stufe für Mikroverunreinigungen an die Reihe: Mit dieser entfernt man unter anderem Hormone, Medikamenten- und Kosmetika-Rückstände aus dem Abwasser, die ebenfalls Wasser-Organismen belasten.

Bis 2025 soll der Ausbau der ARA Rhein abgeschlossen sein. Den Gesamtumfang der Investitionen beziffert Müller mit 120 Millionen Franken.

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