Baselbieter Landrat
Keine Frauen-Quote bei den Professuren der Uni Basel: Landrat lehnt SP-Motion ab

An gewissen Fakultäten der Universität Basel ist nur jede Fünfte Professur mit einer Frau besetzt. Die SP scheiterte im Landrat allerdings damit, eine verbindliche Mindestquote zu installieren.

Michael Nittnaus
Drucken
Teilen
An der Uni Basel unterrichten deutlich mehr Professoren als Professorinnen.

An der Uni Basel unterrichten deutlich mehr Professoren als Professorinnen.

Nicole Nars-Zimmer

Es gibt an den verschiedenen Fakultäten der Uni Basel mehr Professoren als Professorinnen. Das ist Fakt. Gemäss SP-Landrätin und Parteipräsidentin Miriam Locher beträgt der Frauenanteil bei den Professuren etwa in der philosophisch-naturwissenschaftlichen Fakultät unter 20 Prozent. Sie macht unter anderem mangelnde Vorgaben der Universitätsleitung dafür verantwortlich.

«Pure Lippenbekenntnisse bringen nichts», sagte Locher heute Donnerstag im Landrat. Es brauche eine Quote, um etwas verändern zu können. In ihrer Motion forderte sie konkret:

«Die beiden Trägerkantone der Universität sollen verbindlich vorschreiben, dass in jeder Fakultät innerhalb der nächsten fünf Jahre der Anteil der Professorinnen auf 30 Prozent und innerhalb der nächsten 15 Jahre auf 50 Prozent steigen muss.»

Mehrere Professoren müssten den Hut nehmen

Der Landrat lehnte die Motion nach kurzer emotionaler Debatte letztlich deutlich ab: 54 Nein- standen 23 Ja-Stimmen bei 4 Enthaltungen gegenüber. Die sozialdemokratischen Landrätinnen und Landräte blieben mit ihrer Unterstützung praktisch unter sich. Schon die Regierung hatte in ihrer schriftlichen Antwort die Argumentationslinie aufgezeigt. Und Bildungsdirektorin Monica Gschwind wiederholte es im Saal: «Gleichstellung ist bereits im Universitätsvertrag verankert und eine Aufgabe des Unirats. Dort gibt es schon immer lange Diskussionen bei jeder Prüfung einer zu besetzenden Professur. Eine eigentliche Quote würde aber die Universität in ihrer Entwicklung hemmen.» Ausserdem liege die Forderung nicht in Kompetenz der Regierung.

Die Motion hätte grosse Folgen gehabt: «Eine verbindliche Quote vorzuschreiben, würde für die Phil.-Nat. Fakultät bedeuten, binnen fünf Jahren 16 Professoren und binnen 15 Jahren gar 36 Professoren durch Professorinnen auszutauschen. Das ginge wohl nicht ohne Entlassungen», so die Regierung in ihrer Antwort.

Beste Auswahl sei wichtiger als das Geschlecht

Die meisten Fraktionssprecher rückten ein Argument ins Zentrum: «Wir wollen die besten Leute für die Uni Basel anstellen. Und wenn der beste Kandidat ein Mann ist, dann ist es eben ein Mann», sagte etwa SVP-Landrätin Caroline Mall. Zudem befasse sich auch die interparlamentarische Geschäftsprüfungskommission der Universität bereits mit dem Thema.

Eine identische Quote für alle Fakultäten sei derzeit kaum umsetzbar, wendete auch FDP-Landrat Sven Inäbnit ein: «Gerade in der naturwissenschaftlichen Richtung ist der studentische Nachwuchs noch nicht hälftig männlich und weiblich. Also wäre es auch schwierig, schon festzulegen, ab wann es genug weibliche Bewerbungen für eine Professur gibt.» Eine Quote würde die Uni letztlich schwächen, im schlimmsten Fall gebe es Vakanzen.

Aktuelle Nachrichten