Sie sind Satiriker und dem Humor verpflichtet. Nun haben Sie eine Nahtodkomödie geschrieben. Lieben Sie den schwarzen Humor besonders?

Willi Näf: Ja. Das war schon immer so. Vielleicht hat es ja mit meiner Appenzeller Herkunft zu tun, wer weiss. Jedenfalls habe ich kaum Berührungsängste. Ich mag das feine Florett, aber eben auch das gröbere Geschütz.

Nahtodkomödie ist doch ein Widerspruch. Müsste es nicht eher Nahtodtragödie oder -drama heissen?

Dieser Widerspruch ist bewusst gewählt. Ich finde, das Spannende und Provozierende am schwarzen Humor ist, dass man etwas an sich Trauriges verbindet mit einem Lachen. Dem Tod darf man doch mit einem Lachen begegnen. Natürlich nicht in jeder Situation, das ist ja klar. Aber Lachen befreit manchmal auch. Gerade bei einem eher delikaten Thema ist das sehr wohltuend.

Ist es auch das Lachen während einer Trauerfeier? Beim Vortragen des Lebenslaufs über eine verstorbene Person geht bei lustigen Passagen teils ein Schmunzeln durch die Trauergemeinde.

Genau. Solche Szenen kommen auch in meinem Roman vor. Ein Verstorbener ist in der Kirche als Phantom und bekommt mit, wie der Pfarrer seinen Lebenslauf verliest. Natürlich ist das Phantom nicht über alles glücklich. Das Buch enthält viele Szenen, über die man schmunzeln kann. Das Augenzwinkern gehört wenn immer möglich dazu.

Wie kamen Sie auf die Idee Ihrer Geschichte?

2005 absolvierte ich einen Kurs für Drehbuchautoren. Jeder musste für sich eine Übungsgeschichte schreiben. Dort kam mir der Einfall. Ich wollte schon lange mal etwas in diese Richtung machen. Das Thema Nahtod hat mich schon immer fasziniert. In den vergangenen Jahren habe ich meine Geschichte weiterentwickelt. Die Vorstellung, dass jemand nach seinem Tod als Phantom herumgeistert, finde ich spannend. Aus dem Drehbuch ist zwar nichts geworden, trotz engagierter Unterstützer. Dafür nun ein Roman, in welchem ich zudem die gewisse Hassliebe der Schweizer gegenüber den Deutschen ganz stark bespiele.

Bücher verfassen ist ein anderes Genre als Auftritte als Satiriker. Wie erlebten Sie die Schreibarbeit?

Ich lebe schon seit 27 Jahren vom Schreiben, dies liegt mir viel näher als auftreten. Diesbezüglich war die Arbeit nicht anders. Aber der Durchhaltewille und die Disziplin, immer wieder an einer Geschichte zu arbeiten, diese zu überarbeiten und zu korrigieren, waren schon herausfordernd.

Worauf mussten Sie beim Schreiben Ihrer Nahtodkomödie ein besonderes Augenmerk legen?

In erster Linie muss das Buch unterhalten, unterhalten, unterhalten. Speziell achten musste ich darauf, dass die Charaktere liebevoll, witzig und überzeichnet sind; sie müssen auch stimmig sein. Vom Anfang bis zum Schluss muss eine Figur konsequent durchgezogen sein.

Wenn man mehrere Jahre an einer Geschichte schreibt, muss man aufpassen, dass man sich nicht in Widersprüche verstrickt.

Haben Sie schon Vorstellungen für ein weiteres Buch?

Konkret ist noch nichts. Ich habe viele Eisen im Feuer, aber noch keines zum Schmieden. Denkbar ist eine Sammlung meiner Kolumnen und Satiren aus den letzten 25 Jahren. Ich habe auch weitere Buchprojekte. Darunter befindet sich ein halbes Dutzend Anfragen für Biografien. Aber das ist immer eine Zeitfrage. An Anton Mosimanns Biografie arbeitete ich ein ganzes Jahr.

Ob «Gesegnet sei das Zeitliche» ein Bestseller werde, wüssten die Götter, meinen Sie. Haben Sie schon Prognosen eingeholt?

Nein, und ich habe nicht die geringste Ahnung. Ein Verlag hat mein Buch abgelehnt mit der Angst, es käme der Vorwurf der Blasphemie. Das Manuskript haben zuvor acht Testleser beurteilt, darunter drei Theologen, jemand mit esoterischem Hintergrund sowie kirchendistanzierte Menschen. Alle kamen zum Schluss: Meine Geschichte sei gut, sie zementiere keine Weltanschauung und beleidige niemanden. Vielleicht spötteln dann Atheisten über die Geschichte, oder Christen finden sie zu respektlos. Ich bin gespannt.