Autolenker im Pensionsalter müssen in beiden Basel überdurchschnittlich oft ihren Fahrausweis abgeben. Dies zeigt eine Auflistung des Bundesamts für Strassen (Astra) über die Altersstruktur bei den kantonalen Führerscheinentzügen. Sowohl in Basel-Stadt als auch im Baselbiet sind vielfältige Gründe für die im gesamtschweizerischen Vergleich vorderen Ränge verantwortlich.

Andreas Knuchel , Mediensprecher des Justiz- und Sicherheitsdepartments Basel-Stadt, weist auf den altersbedingten Leistungsabfall der Senioren hin und spricht von einigen weiteren gesundheitlichen Ursachen. Er weist aber auch darauf hin, dass ältere Menschen das Billet verlieren, wenn die erforderlichen periodischen Kontrollen nicht absolviert werden oder negativ ausfallen. Im Jahr 2013 wurden auf basel-städtischem Kantonsgebiet insgesamt 1485 Fahrausweise entzogen — 219 davon gehörten Fahrzeughaltern über 65 Jahren.

Gemäss Meinrad Stöcklin führen meistens Verkehrsunfälle, eine polizeiliche Feststellung bezüglich unsicheren Fahrens oder Meldungen von Ärzten, zu einem Entzug des Führerscheins. Für den Mediensprecher der Polizei Basel-Landschaft hat «das Thema Senioren am Steuer und deren Fahreignung in den letzten Jahren an Bedeutung zugenommen, weil unsere Gesellschaft auch im Alter mobil sein und bleiben möchte». Er stellt jedoch auch klar, dass die Anzahl der Fahrausweisentzüge bei älteren Menschen in Baselland von Jahr zu Jahr stark schwankt.

Fachärzte ersetzen den Hausarzt

Personen ab 70 Jahren unterstehen heute einer verkehrsmedizinischen Kontrollpflicht. Die älteren Verkehrsteilnehmer müssen sich alle zwei Jahre diesbezüglich von ihrem Hausarzt untersuchen lassen.

Auch im Aargau kennt man das Problem. Hier wird überdurchschnittlich vielen Senioren der Führerschein entzogen. Im Gegensatz zu den beiden Basel werden im Rüeblikanton seit zwei Jahren die Fahrtauglichkeitstests von speziell dafür geschulten Ärzten durchgeführt. Reto Wiesli, dem Geschäftsführer von Hausärzte Schweiz, stösst diese Massnahme sauer auf. «Die Hausärzte der älteren Automobilisten sind gut genug ausgebildet, um beurteilen zu können, ob die Patientin oder der Patient medizinisch noch in der Lage ist, sicher zu fahren», sagt er. Das 2015 in der ganzen Schweiz eingeführte System ist Teil von Via sicura, dem Handlungsprogramm für mehr Sicherheit im Strassenverkehr des Bundesamts für Strassen. Das gestaffelt eingeführte Massnahmenpaket soll zu weniger Toten und Verletzten auf schweizerischen Strassen führen.

Selbstverantwortung übernehmen

Martin Matter hat grosse Mühe mit dem Generalverdacht, unter dem betagte Automobilisten stehen würden. Der Medienverantwortliche der Grauen Panther Nordwestschweiz gibt aber zu, dass nicht mehr fahrtaugliche Seniorinnen und Senioren im Strassenverkehr durchaus ein Problem darstellen. Deshalb appelliert der Siebzigjährige, welcher gerade erst von der Motorfahrzeugkontrolle das Aufgebot für seinen ersten Sehtest erhalten hat, an die Selbstverantwortung der Fahrzeuglenker. Oftmals werde es jedoch versäumt, sich früh genug auf die Zeit ohne Auto vorzubereiten, da Angehörige und Hausärzte nicht immer den notwendigen Mut aufbringen würden, für die Abgabe des Billets zu sorgen.