Wirtschaft

Was für ein Ergebnis: Reinacher Konzern Endress+Hauser sieht sich für Coronakrise gut gerüstet

Klaus Endress blickt trotz Coronakrise der Zukunft frohgemut entgegen. Die Einführung von Kurzarbeit will er vermeiden: Die staatlichen Kassen sollten nicht noch mehr strapaziert werden.

Klaus Endress blickt trotz Coronakrise der Zukunft frohgemut entgegen. Die Einführung von Kurzarbeit will er vermeiden: Die staatlichen Kassen sollten nicht noch mehr strapaziert werden.

Die in der Mess- und Automatisierungstechnik tätige Endress+Hauser-Gruppe hat 2019 nicht nur den Umsatz, sondern auch den Gewinn deutlich steigern können. Verwaltungsrats-Präsident Klaus Endress betonte an der Online-Bilanzmedienkonferenz, das Unternehmen wolle so lange wie möglich auf Kurzarbeit verzichten.

Während das weltweit tätige Unternehmen im vergangenen Jahr seinen Umsatz um 8 Prozent auf 2,652 Milliarden steigern konnte, stieg der Gewinn gar um 14,3 Prozent: Endress+Hauser vermeldete am Dienstag ein Ergebnis nach Steuern von 265,9 Millionen Euro. Mit zum Anstieg beigetragen hat auch die Unternehmenssteuerreform in der Schweiz, wie es im Communiqué heisst.

Die Verantwortlichen sprachen in der Mitteilung von einem «guten Jahr». Das Wachstum sei 2019 breit abgestützt und ausgewogen gewesen.

Für das Umsatzplus hätten indes nicht Grossaufträge, sondern kleinere und mittlere Projekte gesorgt. Zu den Produkten der Gruppe zählen Sensoren, Geräte, Systeme und Dienstleistungen für Füllstand-, Durchfluss-, Druck- und Temperaturmessung sowie Analyse und Messwertregistrierung.

Wachstum in fast allen Regionen

Zulegen konnte Endress+Hauser im vergangenen Jahr mit Ausnahme von Afrika/Naher Osten in allen Regionen. Das stärkste Wachstum wurde in der Region Asien/Pazifik verzeichnet , wo der Umsatz um 17 Prozent auf 772 Millionen Euro anstieg. Im grössten Markt Europa resultierte mit 1,182 Milliarden Euro ein Plus von 5,2 Prozent, derweil Amerika um 6 Prozent auf 588 Millionen Euro zulegte.

Umsatzmässig wichtigstes Land sind für die Gruppe die USA, dicht gefolgt von China, das letztes Jahr Deutschland vom zweiten Platz verdrängt hatte. 2019 erzielte Endress+Hauser ein Betriebsergebnis (EBIT) von 343,4 Millionen Euro. Das entspricht einem Plus von 3,9 Prozent gegenüber 31,4 Prozent im Vorjahr.

Eine der Grundlagen seines Erfolgs sieht das Unternehmen in seiner Innovationskraft. 2019 wurden 318 Entwicklungen zum Patent angemeldet. 7,6 Prozent des Umsatzes fliessen in Forschung und Entwicklung.

Insgesamt 400 neue Stellen geschaffen

Endress+Hauser schuf auch im vergangenen Jahr zahlreiche neue Stellen. Die Zahl der Mitarbeitenden stieg rund um den Globus um 400 auf 14'328 Personen. In der trinationalen Region Basel beschäftigt das Unternehmen 5048 Personen, 191 mehr als im Vorjahr. In der Schweiz stiegt die Zahl der Mitarbeitenden um 80 auf 1874 Personen.

Ins laufende Jahr ist Endress+Hauser gemäss der Mitteilung mit einem nochmals höheren Auftragsbestand gestartet. Wie sich nun die Corona-Krise auswirkt, lasse sich noch nicht abschätzen. Sie werde jedoch auch bei Endress+Hauser Spuren hinterlassen.

Das Unternehmen sieht sich jedoch für die Bewältigung der Krise gut gerüstet. Endress+Hauser sei praktisch frei von Bankschulden und verfüge über ein Liquiditätspolster von fast 800 Millionen Euro. Um die Beschäftigung zu sichern, sei die Gesellschafterfamilie auch bereit, einen Gewinnrückgang in Kauf zu nehmen, heisst es in der Mitteilung.

Klaus Endress will keine Kurzarbeit einführen

An der Bilanz-Medienkonferenz, die virtuell abgehalten wurde, sagte Klaus Endress, die Einführung von Kurzarbeit sei nicht vorgesehen. «Wir wollen Kurzarbeit so lange wie möglich vermeiden, um die derzeit stark beanspruchten öffentlichen Kassen nicht noch zusätzlich zu belasten», sagte der Verwaltungsrats-Präsident. Dieses Vorgehen könne man sich anhand der finanziellen Situation des Unternehmens leisten. Im Fokus stünde derzeit der Abbau von Überstunden und von Ferienguthaben. 

CEO Matthias Altendorf sagte, man nehme derzeit in keinem Land, in dem E+H tätig ist, staatliche Hilfen zur Überbrückung der Coronakrise in Anspruch. Man verzeichne auch nicht einen dramatischen Einbruch bei den Auftragseingängen. «Wenn sich in ein paar Monaten zeigt, dass alle Massnahmen nicht ausreichen, dann könnte man immer noch auf das Mittel der Kurzarbeit zurückgreifen.»

Grenzöffnung nicht zuoberst auf der Prioritätenliste

Klaus Endress äusserte sich auch zur angespannten Situation im Dreiland. Hier sind die Landesgrenzen seit nunmehr zwei Monaten geschlossen, Berufspendler und Warenverkehr werden jedoch nicht behindert. Laut Matthias Altendorf gab es keine Probleme für die Grenzgänger von E+H: «Alle Pendler konnten jederzeit von Wohnort zu Arbeitsort gelangen, konnten jederzeit ein- und ausreisen.» Nur in Ländern, die einen strengen Lockdown durchgeführt hätten, sei es eine Zeit lang zu einem Stillstand der Produktion gekommen. 

Der gerade in Wirtschaftskreisen lauter werdenden Forderung, dass die Grenzen zügig wieder für jeglichen Personenverkehr zu öffnen seien, will sich Endress nicht anschliessen. Auf entsprechende Fragen von Medienschaffenden sagte er, er befürchte, dass man auf diesen Lockerungsschritt wohl noch eine Weile warte müsse, und das sei wohl auch ganz gut so. Die Verhaltensweisen zu Hygiene und Sicherheitsabstand, die man in den vergangenen Wochen angewandt habe, würden wohl rasch wieder abgelegt werden: «Die Menschen verhalten sich leider nicht immer so, wie sie sollten. Das sieht man in vielen Bildern. Wenn die Menschen die Nähe wieder haben, dann steigen die Infektionsraten.»

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