Liestaler Kinderumzug

Verkehrte Welt: In Liestal machen die Kinder am Mittwoch Fasnacht

Egal, ob Waggis oder Pirat - die Kinder geniessen ihren Tag und haben immer eine Hampfle Konfetti wurfbereit. Im Grossen und Ganzen ein gebührender Abschluss der Oberbaselbieter Fasnachtsumzüge.

Am Liestaler Kinderumzug steht die Welt gewöhnlich Kopf. Das war auch gestern Nachmittag so – bei strahlendem Sonnenschein und warmem Frühlingswetter, vom Wasserturmplatz den Fischmarkt hinunter und die Rathausstrasse wieder hoch. Es war der gebührende Abschluss für die Oberbaselbieter Fasnachtsumzüge. Und es war ein Nachmittag ganz für die Kinder.

Eine Vielzahl von ihnen fährt nämlich auf den Wagen mit. Sie erleben die Fasnacht von der anderen Seite und geniessen es sichtlich, Süssigkeiten zu verteilen, anstatt um sie zu betteln; und plötzlich nicht mehr zu den Beworfenen, sondern zu den Werfern zu gehören. Eine von ihnen ist die achtjährige Nicole aus Langenbruck.

Zauberin Nicole verteilte gemeinsam mit ihrer Freundin, der Prinzessin, grosszügig Konfetti und Süssigkeiten ohne Rücksicht auf Verluste. Da landet schon mal ein Täfeli am Kopf eines Papas. Doch da ist die nächste Handvoll bereits schussbereit. Und unten ruft es: «Waggis, Waggis, dörf i öbbis?»

Genug für alle

Vor allem für die Wagencliquen ist der Kinderumzug traditionell der letzte Auftritt. Die Heidenlöcher, auf deren Wagen das Zauberinnen-Prinzessinnen-Gespann mitfuhr, waren seit Sonntag täglich unterwegs: erst in Liestal, Montag in Frenkendorf, Dienstag in Bubendorf. «Das war schon anstrengend», meint Heidenlöchler Dominik, der allerdings einen noch recht fitten Eindruck hinterlässt. «Na ja», relativiert er: «Am Dienstag musste ich pausieren.»

Trotzdem lässt er sich den Kinderumzug nicht nehmen. «Für die Kinder ist das eine wichtige Sache», sagt er, «vor allem für jene auf den Wagen ist es ein spezielles Erlebnis». Das bestätigt auch die Zauberin Nicole: «toll», informiert sie kurzangebunden und wirft weiter mit Konfetti, Orangen und Süssigkeiten.

Letztere gibt es in rauen Mengen, die Kinder balgen sich schon gar nicht mehr um die Täfeli und Schleckstängel, die auf dem Boden liegen. Es sei aber nicht so, dass man bei den vorangegangenen Umzügen gegeizt habe, sagt Dominik, und die Zahl der Besucher sei auch nicht kleiner gewesen als früher.

Nachwuchs gesichert

Guggen wechseln mit Schyssdrägg-Wägeli, Wagen mit Tambouren und Pfeifern. Und überall dazwischen wuseln Kinder, Piraten, die von Waggissen gestopft werden, pausbackige Froschkönige, Superhelden mit Schaumstoffmuskeln und Hippiemütter mit Nilpferden als Töchtern.

Die Mutter im psychedelischen Hippiekostüm ist Manuela aus Sissach, das Nilpferd ihre Tochter Jana. Und die erlebt mit ihren zweieinhalb Jahren bereits ihre dritte Fasnacht. Der Fasnachtsnachwuchs scheint also gesichert zu sein. Bereits am Sonntagsumzug in Liestal hatte sich die Familie als Schyssdräggzügli eingereiht, Jana hatte begeistert verteilt. Gestern war sie es, die Süsses und Plüschiges einheimste und kaum hinterherkam mit Dankesagen.

Nun sind die Säcke leer und das Stedtli wieder saubergefegt. Der Rest ist Konfetti und Erinnerung. Und Vorfreude auf die nächste Fasnacht.

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