Strafgericht Muttenz

Staatsanwaltschaft fordert die Verwahrung von Wiederholungstäter H.S. (63)

H.S., der Doppelmörder von Hägendorf 1994, steht nach einer mutmasslichen Tötung an I.K. 2015 erneut vor Gericht. Am zweiten Verhandlungstag sagt er, er könne sich nicht an die Tat erinnern. Er habe Suizid begehen wollen, sagt er. Bei seinen Aussagen verstrickte sich der Angeklagte in Widersprüchlichkeiten.

Am zweiten Verhandlungstag im Prozess gegen H.S. stand die eigentliche Tat im Vordergrund. Über drei Stunden hinweg befragte das Strafgericht Muttenz H.S. zur Tötung von I.K. Der Angeklagte gab von Beginn weg zu, die Tat begangen zu haben. 1996 war H.S. für einen Doppelmord in Hägendorf verurteilt worden. Vier Jahre nach der Freilassung wurde der ehemalige Bodybuilder zum Wiederholungstäter.

Musste I.K. wegen eines Mordes oder einer vorsätzlichen Tötung sterben? Die Befragung des Strafgerichts und des Präsidenten Andreas Schröder konzentrierte sich auf diese zentrale Frage. Detailliert schilderte H.S. die Vorgänge am Tag der Tat, dem 12. November 2015. An jenem Abend tötete er I.K. auf brutalste Weise mit einem Gertel und einem Outdoormesser. An die Tat kann sich Spring nicht mehr erinnern. Schon gestern hatte er gesagt: «Es geschah aus totaler Überforderung und in einem emotionalen Ausnahmezustand.»

Nachdem I.K. H.S. deutlich gemacht hatte, dass sie sich von ihm trennen würde, reiste Spring nach Süditalien zu seiner Schwester. Früher als zunächst angekündigt, kehrte der Doppelmörder von Hägendorf bereits am 11. November nach Basel zurück. Davon erzählte er I.K. nichts. Im Gegenteil: Am Tag der Tat hatte er seiner Ex-Geliebten eine Nachricht geschrieben. Darin schrieb er, er werde am Strand in Süditalien schwimmen gehen. In Wahrheit weilte Spring aber in seiner Wohnung in Basel. Am Abend wollte er, gemäss eigenen Aussagen, seine Ex-Geliebte überraschen und sich danach das Leben nehmen.

In seinen Äusserungen vor dem Strafgericht in Muttenz wich H.S. nicht im Geringsten von seiner Tatversion ab. Dabei musste der Angeklagte immer und immer wieder Widersprüchlichkeiten, mit denen ihn die Richter konfrontierten, aus dem Weg räumen. Beispielsweise sagte Spring aus, er habe am Morgen des 12. November den Suizid-Beschluss gefasst. Aus den Akten geht hervor, dass er zu einem späteren Zeitpunkt eine Nachricht an I.K. sandte und darin von einem vereinbarten Treffen am Sonntag schrieb, auf das er sich freue.

Unzählige Indizien deuten auf einen kaltblütig geplanten Mord hin. H.S. widerlegte alle entsprechenden Vorwürfe und verteidigte den Standpunkt, er habe die Tat aus dem Affekt begangen. In einer Alditasche hatte er Kabelbinder, Feldstecher, Champagner, Tücher, zwei Messer, ein Beil und eine Buschschere dabei. All diese Gegenstände seien Geschenke an I.K. gewesen, die sie für ihren Garten am Greyerzersee habe gebrauchen können. Gerichtspräsident Schröder sagte hierzu: «An einem Strafgericht sehen diese Gegenstände nicht gerade nach Gartenutensilien aus.»

Nach der Tat lief H.S. nach Liestal, wo er sich nach eigenen Angaben das Leben nehmen wollte. Doch dann kehrte er an den Tatort zurück und wurde gefasst. Weshalb H.S. zurückkehrte, ist unklar. Der Ehemann von I.K. vermutet, er habe auch ihn töten wollen. Denn nach der Tat schrieb Spring eine Mail an H.K., in welcher er über I.K. herzog und provozierte.

Staatsanwaltschaft fordert Verwahrung

Staatsanwältin Corina Darms forderte in einem fast zweistündigen Plädoyer eine lebenslängliche Freiheitsstrafe und die Verwahrung von H.S.. "Die Wucht der Tat und die schweren Wunden lassen auf ein vorsätzliches Vergehen schliessen", sagte Darms. Der Täter habe besonders skrupellos gehandelt. Und weiter sagte sie: "Aufgrund der äusseren Umstände kann auf seine innere Einstellung geschlossen werden."

H.S. Erklärung, er beabsichtigte, sich das Leben zu nehmen, tat die Staatsanwältin als Schutzbehauptung ab. Seine Tat sei als "extrem verwerflich" zu werten. Sie attestierte dem Beschuldigten manipulatives Verhalten. Er habe nur eingestanden, was ihm nachgewiesen werden konnte. "Echte Reue war nicht spürbar", so Darms.

Bei H.S. bestehe gemäss Gutachten eine deutlich erhöhte langfristige Rückfallgefahr. Zudem gehöre er zu einer kleinen Gruppe der Wiederholungstäter von Tötungsdelikten gegenüber Intimpartnern. Psychiater Thorsten Spielmann hatte bei H.S. keine erfolgsversprechende Behandlungsperspektiven gesehen. "Es ist nicht zu verantworten, ihn nach Verbüssung der Strafe zu entlassen", sagte Darms. Die Staatsanwaltschaft fordert daher neben der lebenslänglichen Freiheitsstrafe eine Verwahrung.

Opfervertreter Christoph Dumartheray fordert für seine Mandanten eine Genugtuung von 100'000 Franken. (yas)

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