Verbot

Spittelers Uwemba-Pastillen sind zu wirksam für die Schweiz

In der Schweiz verboten, in der Pestalozzi-Apotheke in Lörrach offen verkauft: Uwemba-Pastillen von Vater und Sohn Spitteler.

In der Schweiz verboten, in der Pestalozzi-Apotheke in Lörrach offen verkauft: Uwemba-Pastillen von Vater und Sohn Spitteler.

Der Baselbieter Alt-Regierungsrat Werner Spitteler hat die sogenannte «Uwemba-Pastille» als Mittel gegen Malaria und zur Stärkung des Immunsystems entwickelt. Doch jüngst hat Swissmedic den Vertrieb des Präparats in der Schweiz verboten.

Im Kanton Baselland leitete er die Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion (VGD), als Regierungspräsident unterzeichnete er den Übertritt des Laufentals zum Baselbiet. In Tansania pflanzte Werner Spitteler (SVP) später Einjährigen Beifuss (Artemisia annua) und entwickelte daraus eine Pastille als Mittel gegen Malaria. Für die Produktion gründete er mit seinem Sohn in Bennwil eine später nach Stein am Rhein verlegte Firma. Doch seit August darf das Präparat in der Schweiz nicht mehr verkauft werden.

Es geht um die Pastillen «Artemisia annua comp». «Wir haben sie auf Anweisung der Zulassungsstelle Swissmedic vom Markt genommen», erklärt Benjamin Spitteler. Er hat von seinem mittlerweile 75-jährigen Vater die N.U.S. AG übernommen. Der Firmenname steht für «Natural Uwemba System for Health». Uwemba ist eine Benediktiner-Mission in Tansania, in deren Spital man mit den Pastillen die Malaria bekämpft.

In Deutschland weiter zugelassen

«Die Hälfte unserer Schweizer Kunden stammt aus der Region Basel», berichtet Benjamin Spitteler auf Anfrage. Werbung für «Artemisia annua comp» habe er nie gemacht, sondern sich auf Mund-zu-Mund-Propaganda verlassen. Dabei dürften nicht nur der Name des Firmengründers und Alt-Regierungsrats eine Rolle gespielt haben, sondern auch mehrere Berichte in «10 vor 10». Auf einen dieser Beiträge verweist die N.U.S. AG auf ihrer Firmen-Website. Darin äussert sich ein prominenter Basler Bariton und Gesangslehrer der Musikakademie lobend über das Präparat, das in Europa zur Stärkung des Immunsystems eingenommen wird.

Wollen Schweizer Kunden auf die Pastillen nicht verzichten, müssen sie nun nach Deutschland fahren, wo sie als «Uwemba-Pastillen, Product of Switzerland» als Nahrungsergänzungsmittel zugelassen sind.

Zwischen Stuhl und Bank

Oft wird bei Naturheilmitteln deren Wirksamkeit bezweifelt. Bei Spittelers Pastillen hingegen wurde die Wirksamkeit zum Problem: Die 1999 gegründete N.U.S. AG beantragte beim Bundesamt für Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV) die Zulassung von «Artemisia annua comp» als Nahrungsergänzungsmittel. «Wir haben es im Jahr 2000 beurteilt und mussten es ablehnen», bestätigt Nathalie Rochat, Mediensprecherin im BLV.

Knackpunkt sei das Artemisinin, berichtet Spitteler. Dieser Wirkstoff aus dem Einjährigen Beifuss war bereits im alten China bekannt und ist unter anderem in Malaria-Medikamenten von Novartis enthalten. «Was einen anerkannten Medikamenten-Wirkstoff enthält, geht in der Schweiz nicht als Nahrungsergänzungsmittel durch», berichtet Spitteler.

Also nahm man einen Anlauf als pflanzliches Naturheilmittel bei der Zulassungsstelle Swissmedic. Der Unterschied zwischen seinen Pastillen und den Medikamenten der Pharmabranche sei, dass er die ganze Pflanze verwende und sie mit weiteren Pflanzen ergänze, erläutert Spitteler. Dies verhindere Nebenwirkungen und Resistenzen.

Gemäss Paragraf 95 darf man ein Mittel bis zum Swissmedic-Entscheid weiter anbieten, wenn sein Verkauf vor dem Heilmittelgesetz ohne Zulassung erlaubt war. Gestützt auf diese Übergangsbestimmung vertrieb seither die N.U.S. AG die Pastillen. Doch konnte sie 2009 die von Swissmedic geforderten Studien nicht finanzieren. So entschied Swissmedic 2010, auf das Gesuch, «Artemisia annua comp» zuzulassen, nicht einzutreten. Dieses Nicht-Eintreten bedeute keinen Entscheid, interpretierte Spitteler. So blieb «Artemisia annua comp» als Paragraf-95-Medikament bis Mitte 2015 auf dem Markt.

Honigbier rettet deutsche Zulassung

Weshalb darf man aber die Pastillen in Deutschland vermarkten? «Dort gilt, dass man Nahrungsergänzungsmittel, die bereits vor 1997 im EU-Raum bekannt waren, weiter verkaufen darf», erklärt Spitteler. «Und Beifuss wurde früher unter anderem für die Zubereitung des Honigbiers Met verwendet.»

Benjamin Spitteler klingt keineswegs verbittert. «Swissmedic wendet nur das Gesetz an.» Sobald die Revision des Heilmittelgesetzes in Kraft tritt, will er einen neuen Anlauf als Komplementärheilmittel nehmen. Bei Swissmedic macht man ihm aber wenig Hoffnungen: «Nur Komplementärarzneimittel, also solche, die nach den Herstellungsvorschriften spezieller Therapierichtungen wie der Homöopathie, der anthroposophischen Medizin oder der asiatischen Medizin hergestellt und gemäss den Prinzipien der entsprechenden Therapierichtung eingesetzt werden, können gemäss revidiertem Gesetz dereinst gegebenenfalls ohne behördlich geprüfte und genehmigte Indikation zugelassen werden», teilt Mediensprecher Lukas Jaggi in bestem Beamtenjargon mit.

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