Liestal 2015

«S’Elsass, zämme mit Baselland, das isch s’neue Waggisland»

Am Fasnachtsumzug in Liestal gabs ein Potpourri von Gags und Sticheleien, die voll ins Schwarze trafen.

«Schloof Lieschtel, schloof» lästern d’Pfyfferling mit ihrem Sujet und trotten als müde Schlafwandler durchs Törli. Von wegen! Das mag in der Residenz an 364 Tagen vielleicht so sein. Aber Wetter hin oder her – am Fasnachtssonntag herrschte in Liestal einmal mehr der Ausnahmezustand, und das Stedtli vibrierte. Da wurde in einem kunterbunten Umzug sozusagen das fasnächtliche Hochamt zelebriert. Mit unterschiedlich bissiger Satire und mit viel Kreativität kam Ungereimtes auf dieser Welt an den Pranger, wurde alles verspottet, was einem so auf den Wecker geht und die Eiterbeulen des Jahres aufgestochen. Fasnachtssonntag in Liestal – da wird temporär vieles ausser Kraft gesetzt, was uns an Reglementierungen und sonstigen Vorschriften das Leben so schwer macht. Ein wenig Anarchie eben.

Trotzdem wird nicht einfach hemmungslos die Sau rausgelassen. Diesbezüglich haben sich die 76 Formationen, aufgeteilt in Cliquen, Wagen, Guggen und Schyssdräggzügli, auf ihrem Umzug durchs Stedtli allgemein gute Noten verdient; genauso wie die Riesenmasse an Zuschauern, denen man «gutes Betragen» attestieren darf. Vielleicht hat da der simple Aufruf im Zeedel der Rotstab-Clique – sie hat in Liestal halt einen Heimnimbus – etwas beigetragen: «Drum wäg vom Laptop, wäg wie nüt! Uf d’Stross! An d’Fasnacht liebi Lüt!» Zudem setzten ihre Pfeifer und Tambouren in eleganten Narrenkostümen auch die musikalische Messlatte hoch. Derweil geben die Chlütteri, also die alte Garde der Rotstäbler, der etwas abgedroschenen Fusionsdiskussion eine neue Dimension: «S’Elsass, zämme mit Baselland, das isch s’neue Waggisland».

Von Selfies bis zum Wetter

Die über 1000 Fasnächtler haben trotz etwas geringer Sujet-Vielfalt die Massen mit meist prächtigen Kostümen und originellen Wagen begeistert. Es war zu erwarten – mehrere Gruppen nahmen sich der Selfie-Manie an, und das ganz schön schrill und schräg. So mahnten die Queristieger: «Isch das Bildli bi de Lüt, denn hilft au alles liege nüt». Weiter waren die nicht deklarierten Sitzungs- und Verwaltungsratshonorare der Regierung der Rueche Clique ein Dorn im Auge. «Nur mir Affe schaffe» haben sie von ihrem Geldtresor-Wagen herabgepoltert.

Das Wetter war sodann nicht nur am Fasnachtsumzug selbst ein Thema – «E Kaffi Jätter by däm Wätter» empfahlen die Schnudrgoofä als Seelenbalsam –, auch die Tambouren- und Pfeiferclique Bubendorf jammerte «Dr letschti Summer chasch vergässe, statt Grillwürscht heimer Alge gfrässe». Bekanntlich hat das neue komfortable Gefängnis in Muttenz den Volkszorn zünftig angeheizt. Darauf reagierten die Randsteibysser aus ihrem vornehmen Polizei-Gefängnistaxi heraus mit der giftigen Bemerkung «Für Luxus muesch nüm z wit, wülls 5 Stärne gratis z Muttenz git». Etwas Liestaler Ortspolitik dann mit den Schnapsbirli Waggis, die sich über die umstrittene Tagesbetreuung in den Kindergärten lustig machten. «Lieschtel lot ihri Batzeli rolle, für die wo d’Chind betreue solle», heissts auf der als Bauchlötzliturm getragenen Laterne.

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