Oberwil

Oberwil beweist sich als Epizentrum der Leimentaler Fasnacht

Die Brot-Frässer nehmen makabren Abschied von mehreren inzwischen geschlossenen Oberwiler Beizen. Fotos: Juri Junkov

Die Brot-Frässer nehmen makabren Abschied von mehreren inzwischen geschlossenen Oberwiler Beizen. Fotos: Juri Junkov

Tausende von Schaulustigen sorgten am Strassenumzug in Oberwil für eine riesengrosse Druggede. Das Kommen lohnte sich für die Fasnächtler: 23 Wagen, 11 Guggen und 50 Schissdrägg-Zygli gaben dem Umzug einmal mehr eine einzigartige Dimension.

Wie er mit bürgerlichem Namen heisst, wissen eigentlich die wenigsten Oberwiler. Er wird einfach immer von allen nur «Pröper» gerufen und ist seit über zehn Jahren Präsident des Oberwiler Fasnachts-Comités. Dieses ist in 17 Ressorts unterteilt ist, insgesamt elf Leute bilden das allmächtige Comité.

Seit genau 50 Jahren findet im «Schnäggedorf», wie Oberwil genannt wird, die Fasnacht statt. Aushängeschild ist der sonntägliche Strassenumzug, der entlang der Hauptstrasse – vom Kreisel bis zur Kirche – geht. Und am Strassenrand herrscht unter den Tausenden von Zuschauern zeitweise eine «Druggedde» wie sonst am Basler Morgestraich oder Cortège. Auch wenn weiterhin die Oberwiler Koryphäen und lokalen Cliquen führend sind, so sieht man viele auswärtige Formationen. Für viele ist die Oberwiler Fasnacht eine Art Hauptprobe für die «Drey scheenschte Dääg» in Basel.

Einzigartige Dimension

23 Wagen, 11 Guggen, gegen 50 Schissdrägg-Zygli und fünf Pfeifer- und Trommelformationen erwiesen Oberwil die Ehre. Eine Dimension, welche im Birsig- und Leimental einzigartig ist. Doch «Pröper» möchte die Oberwiler Fasnacht nicht auf den bunten, grossen, lauten und spektakulären Umzug beschränkt sehen. «Wir haben insgesamt acht Fasnachtsveranstaltungen. Auch dies ist einmalig», erklärt der Präsident. Am «Schmutzige Donnschtig» erfolgte im geschichtsträchtigen Sprützehüsli das Einläuten der diesjährigen Fasnacht. Und wenn auch Oberwil gemessen an der Einwohnerzahl eine richtige Stadt ist, so spürt man just bei diesen Anlässen, dass «es im Dorf schon noch einen harten Kern an Ur-Oberwilern gibt», wie viele Anwesende beteuern.

Vor zwei Jahren hob das Comité das Fasnachtsglöggli aus der Taufe. Eine Veranstaltung, die von ihrem Stil her dem Mimösli in Basel sehr nahe kommt. Der Erfolg war bei der Premiere derart überwältigend, dass sich die Organisatoren gezwungen sahen, diesen Event in der fasnächtlich dekorierten Wehrlinhalle heuer sowohl am Freitag wie samstags über die Bühne gehen zu lassen. Vor jeweils ausverkaufter Halle natürlich, und auch diesmal mit viel Applaus für die Darsteller.

«Mir pfyffe uf d’Wirtschaft». Das diesjährige Motto der Oberwiler Fasnacht wurde von den Wagen und Cliquen fein, teils mit spitz-giftiger Feder ausgespielt. Denn im Schnäggedorf hat sich die Beizen-Szene verändert, respektive verringert. Die abrupte Schliessung des «Ochsen» (man könnte auch sagen: Der Wirt suchte das Weite), einem Landgasthof mit einer einst legendären Bar (just während der Fasnacht sollen dort schon mal politische Entscheide gereift sein), und der populären «Ziegelei» waren Gesprächsthema im Dorf. Aber auch die generelle Wirtschaftslage beschäftigt die Oberwiler Fasnächtler.

Am Montag Kinderfasnacht

Das schöne, wenn auch kalte Wetter führte dazu, dass nach dem gut 90-minütigen Umzug die Fasnachtsaktivitäten in die diversen Beizen verlegt wurden. Schön, dass alle Oberwiler Gastronomie-Betriebe voll mitziehen und Aktive und Passive mit offenen Armen empfingen.

Ein weiterer Höhepunkt der Oberwiler Fasnacht ist die Kinderfasnacht am Montag auf dem Eisweiher. Und bis Dienstag wird in den Beizen «intrigiert», bevor am nächsten Sonntag das Fasnachtsfeuer die diesjährige Fasnacht beendet. Und Comité-Präsident «Pröper» wird dann in seinem Stammlokal bestimmt genüsslich ein oder zwei Bierchen nehmen und feststellen, dass «die Fasnacht in Oberwil halt doch etwas ganz Spezielles ist».

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